Wirtschaft

Sunrise und Orange mit Einheitsnetz?

Die beiden Anbieter nähern sich bei der Zusammenlegung ihrer Handynetze. Damit könnten sie Dutzende von Millionen Franken sparen. Bis zu 2000 Antennen in der Schweiz würden überflüssig.

Sendemast hinter einem Einfamilienhaus in Bassersdorf.

Sendemast hinter einem Einfamilienhaus in Bassersdorf. (Bild: Keystone)

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Sunrise und Orange führen seit Anfang Jahr «konkrete Gespräche» über eine Zusammenarbeit. Dabei geht es allerdings nicht um eine Fusion, wie seit Jahren immer wieder spekuliert wird, sondern um die Zusammenlegung der Netze. Das bestätigte Olaf Swantee, der beim Orange-Konzern für das weltweite Mobilfunkgeschäft verantwortlich ist, an einer Branchenveranstaltung in Biel. Seit Beginn der Gespräche habe man «klare Fortschritte» erzielt, sagt Swantee. Gleichzeitig erteilte er den seit Jahren immer wieder kursierenden Fusionsgerüchten eine Absage: «Für einen vollständigen Zusammenschluss gibt es derzeit keine Pläne.»

Dabei ist die Aussicht auf ein gemeinsames Netz schon spektakulär genug. Dadurch würde eine grosse Zahl von Mobilfunksendern überflüssig, sagt Sunrise-Chef Christoph Brand: «Wir sprechen von rund 2000 Antennen, die im ganzen Land eingespart werden könnten.» Heute verfügt Sunrise über knapp 3500 Sender, bei Orange sind es etwa 4000. Mit einem gemeinsamen Netz könnte man also mehr als jede vierte Antenne einsparen. Die meisten davon wahrscheinlich auf dem Land; in den Städten stossen viele Antennen bereits heute an ihre Kapazitätsgrenzen.

Ersparnis dank Einheitsnetz

In Agglomerationen ist der Bau einer neuen Antenne aufgrund der Gegenwehr der Bevölkerung oft langwierig und mühsam. Sunrise, die kürzlich den Bau «Hunderter neuer Antennen» angekündigt hat, könnte sich das dank einem Einheitsnetz vielleicht ersparen.

Ein gemeinsames Netz würde gleichzeitig die Kosten für den Betrieb senken. Heute haben Sunrise und Orange einen Wettbewerbsnachteil, weil sie eine viel schlechtere Kostenstruktur aufweisen als die Swisscom. Letztere kann den Aufwand, den ein lückenloses Handynetz verursacht, auf über fünf Millionen Kunden verteilen. Sunrise und Orange haben ähnlich hohe Kosten, aber dreimal weniger Kunden.

Gemäss Christoph Brand ist das Sparpotenzial enorm. Es gehe um Dutzende von Millionen von Franken. «Unsere Kosten würden im hohen zweistelligen Prozentbereich sinken», sagt Brand. In einer Studie der Beratungsfirma A. T. Kearney ist sogar von einer Ersparnis von bis zu 60 Prozent die Rede – bezogen auf Europa. Die Schweiz ist allerdings auch hier ein Spezialfall: Aufgrund der strengen Strahlenschutzbestimmungen bestehen die Handynetze aus mehr, dafür schwächeren Antennen als üblich. Zudem werden Antennenstandorte in der Schweiz aufgrund einer gesetzlichen Vorgabe zum Teil bereits gemeinsam genutzt.

Kostendruck drängt Anbieter

Die Kostenersparnis dürfte für Sunrise und Orange der Hauptgrund für eine Zusammenarbeit sein. Nicht nur, was die laufenden Kosten betrifft, sondern vor allem in Hinblick auf die nächste Generation von Mobilfunknetz. Heute ist nicht klar, ob die internationalen Mutterkonzerne von Sunrise und Orange bei der aktuellen Marktsituation bereit sind, noch einmal Hunderte von Millionen, vielleicht gar Milliarden Franken in ein neues Handynetz zu investieren. Bei einer gemeinsamen Finanzierung wären die Chancen deutlich realistischer.

Auch in Resteuropa geht die Entwicklung in diese Richtung. Vodafone hat im Frühling bekannt gegeben, sein Netz in Deutschland, Spanien, Irland und Grossbritannien mit der spanischen Telefónica zusammenzulegen. Orange plant in England zudem ein Zusammengehen mit T-Mobile, was auch zu einem Einheitsnetz führen würde.

Erster Schritt bereits gemacht

Die Zusammenarbeit war bereits letzten Sommer von den Regulierungsbehörden angestossen worden. Marc Furrer, Chef der Kommunikationskommission (Comcom) und Martin Dumermuth, Chef des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom), hatten wiederholt betont, dass die Hindernisse bei den Handykonzessionen, die derzeit eine solche Zusammenlegung verhindern, leicht beseitigt werden könnten. Dem TA sagte Dumermuth: «Wenn die Mobilfunkbranche das wünscht, wäre das kein Problem.» Damals hatte sich Orange noch quergestellt: «Als wirklich erfolgversprechend erachten wir nur den Zugang aller zu allen Netzen.»

Obwohl ein gemeinsames Netz nicht zum ersten Mal diskutiert wird, sagt Brand: «So weit wie jetzt waren wir noch nie.» Trotzdem betonen beide Parteien, dass noch nichts entschieden ist. Ein halber Schritt auf dem Weg zum gemeinsamen Netzt ist indes schon seit einer Weile getan. Orange und Sunrise haben den Unterhalt ihrer Handynetze an den gleichen Partner ausgelagert.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.10.2009, 06:40 Uhr

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12 Kommentare

Ben Müller

21.10.2009, 16:11 Uhr
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Antennenstandorte werden schon heute von allen Anbietern teilweise gemeinsam genutzt (maximale Leistung ist pro Standort definiert). Diese Pflicht zur Zusammenarbeit besteht heute schon. Es ist mir deshalb schleierhaft, wie 2000 Antennenstandorte eingespart werden sollen. Und: nicht nur die gewünschte Abdeckung bestimmt die Anzahl Standorte sondern auch der Kapazitätsbedarf (Anzahl Kunden) Antworten


Thomas Friedli

21.10.2009, 13:15 Uhr
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Endlich ein Schritt in die richtige Richtung. Konnte eh nie verstehen dass jeder Mobilanbieter seine eigene Antenne braucht. Man hätte besser von Anfang an die Antennen zusammen aufgestellt und viel Geld gespart. Wie man jetzt sieht muss man dann trotzdem noch nicht fusionieren. Kommt Zeit, kommt Rat! Antworten


Patrick Tigri

21.10.2009, 12:29 Uhr
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Wenn die Leute endlich den dummen und falschen Aberglauben, die Swisscom habe ein wirklich besseres Netz als Sunrise oder Orange und auch sonst bessere Leistungen, wenn die Leute den endlich aufgäben, würde die Konkurrenz endlich spielen. Aber irgendeinen Nimbus muss Swisscom noch haben, sonst wäre schon lang alles anders. Das Sunrise-Netz ist z.B. stellenweise besser als das von Swisscom. Antworten


Martin Waeber

21.10.2009, 11:26 Uhr
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@ Tom Müller. Bei Mobilnetz trifft diese Aussage ("noch von PTT erstellt ...") nicht zu. Antworten


Rudolf Steiner

21.10.2009, 11:09 Uhr
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Der schweizerische Telekom-Markt im Mobilbereich ist ein Witz, Konkurrenz gibt es nicht wirklich. Oder wie ist es anders zu erklären, dass 70% der Kunden freiwillig das doppelte für SMS bezahlen? In Österreich kamen die Preise erst mit dem Markteintritt des vierten Anbieters ins purzeln, hier passen Orange und Sunrise stattdessen ihre Preise denjenigen der Swisscom an. Antworten


Cedric Gehrer

21.10.2009, 10:58 Uhr
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Würd mich ja ernsthaft wundern, wenn die Weko das durchwinkte... Das Problem in der Schweiz ist nicht die übermächtige Swisscom, sondern die Politik, die die Swisscom aus falschverstandenem Heimatschutz so übermächtig belässt!! Anstatt endlich ein zeitgemässes Telekom-Recht zu erlassen, lässt man die Swisscom sich ihre Konkurrenten weiterhin mit jahrelangen Verfahren vom Leib halten. Antworten


Tom Müller

21.10.2009, 09:14 Uhr
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Vielleicht entsteht mit der Zusammenlegung der Netze mal ECHTE Konkurrenz zur Swisscom, deren (noch von der PTT und somit vom Volk) bezahltes Netz viel engmaschiger und leistungsfähiger ist, als jene von Orange oder Sunrise. Antworten


Hans Abächerli

21.10.2009, 08:50 Uhr
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Es war von Anfang an totaler Blödsinn und unrealistisch, dass jeder Anbieter sein eigenes, neues Netz aufbauen muss(te)! Und dies nicht nur, aber vor allem auch im Mobilbereich! Die gesamte 'Privatisierung' war von der 'Beamtenwelt' so gesteurt, dass ein Konkurrent zur damaligen 'Telecom PTT' nicht ein reelle Chance hatte, dem Bundesbetrieb wirklich gefährlich werden zu können! Antworten


Marc Dimanch

21.10.2009, 08:45 Uhr
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Bravo!das ist ein super Beispiel,weshalb Privatisieren die beste Version unserer Wirtschaftsordnung ist. Fehlallokation-oder werden die Gesamtkosten wirklich billiger?Wenn man kurzfristig auf Pump(billigGeld)denkt(Invest?) &später in einem Oligopol die Kunden/Volk ausquetscht sicherlich.Es lebe der freie noeliberale Kapitalismus! Krankenkassenoblig.-Airlinezusammenschlüsse usw. lassen grüssen... Antworten


Marcel Niffeler

21.10.2009, 08:44 Uhr
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Wie wäre es denn wenn der Bund hier den Anbietern einen kompletten Riegel schieben würde und allen dreien die Antennen in eine gemeinsame nutzbare, neue, eigenständige Institution überführen würde? Vermutlich könnten dann mehr als 2000 Antennen eingespart werden und die Abdeckung wäre zugleich für alle Anbieter die gleiche. 3 mal die gleich Infrastruktur begründet durch Wettbewerb??? Antworten


Peter Broger

21.10.2009, 08:43 Uhr
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Hätte Leuenberger oder das Bakom seinen Auftrag schon seit längerem wahrgenommen, hätte eine grosse Diskussion, sinnlose Investitionen und Ungewissheit betreffend Elektrosmog verhindert werden können. Die Natur und Landschaft wäre auch geschont gewesen, dafür hat man nur 50 Mio in Staatskasse fliessen lassen mit den UMTS Lizenzen. Was für ein Leistungsausweis. Antworten


Peter Thommen

21.10.2009, 07:14 Uhr
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Erst Liberalisierung, dann Monopolisierung. Erst wird das staatliche Monopol geknackt, dann bilden sich die privaten Monopole. Dabei wird viel technisches und "humanes" Material verbraucht. Das ist überhaupt nicht nachhaltig, sondern einfach ein politisch-ökonomisches Monopoly-Spiel. Antworten



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