Wirtschaft

«Strong Vigilance»: Trichet nennt die Schlüsselworte

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 09.06.2011 7 Kommentare

Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank ihren Leitzins heute bei 1,25 Prozent belassen. DerBund.ch/Newsnet berichtete live, wie Jean-Claude Trichet die Entscheidung begründet.

Seine Worte deuteten auf eine Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

Seine Worte deuteten auf eine Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

(DerBund.ch/Newsnet)

  • Fazit  

    Die wichtigsten Worte hat Trichet schon am Anfang der Pressekonferenz ausgesprochen, als er bei seinen einleitenden Bemerkungen gleich zweimal von einer «strong Vigilance», einer starken Aufmerksamkeit gegenüber Inflationsrisiken sprach. Diese Worte gelten als Code für eine Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung der Zentralbank im Juli. Darauf weisen auch die Bemerkungen zum intakten Wachstum in der Eurozone insgesamt hin und zu den negativen Realzinsen, die sich ergeben, weil die Inflationserwartungen momentan die Nominalzinsen übersteigen.

    Das zweite wichtige Thema der Konferenz war die Eurokrise und insbesondere die Frage, ob nicht doch irgendeine Art von Schuldenrestrukturierung im Fall von Griechenland möglich wäre. Angesprochen wurde von Journalisten insbesondere immer wieder ein Roll-Over, mit dem auslaufende Schuldpapiere nicht zurückbezahlt, sondern durch neue ersetzt werden. Trichet bekräftige die Haltung der EZB, dass sein Institut zu keinerlei Massnahmen Hand bieten werde, die in irgendeiner Weise Druck auf die Gläubiger beinhaltet. Denn das könnte als «Credit Event», als Auslöser eines (teilweisen) Staatsbankrotts gewertet werden. Damit müssten die Kreditversicherungen (CDS) ausbezahlt werden und die Banken müssten Abschreibungen auf den gehaltenen Schuldpapieren in ihren Büchern vornehmen. Die EZB hat schon früher verlauten lassen, dass das zu einer Situation wie nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 führen könne, als die Finanzkrise ihren Höhepunkt erreicht hat und das gesamte Finanzsystem vor dem Kollaps stand.

  • 15.45  

    Die Pressekonferenz ist beendet.

  • 15.42  

    Trichet wird auf die Kompetenzen von Mario Draghi angesprochen und ob der deutscher sei als die Deutschen. Trichet sagt, die Frage habe er erwartet. Darauf lobt er Draghis Kompetenzen ausdrücklich. Es wird deutlich, dass er diesen Mann gerne als Nachfolger sieht.

  • 15.40  

    Auf die aussergewöhnlichen Massnahmen der EZB angesprochen - die Vollzuteilung an die Banken - sagt Trichet, das gelte für das dritte Quartal. Für das vierte Quartal müsse wieder neu entschieden werden.

  • 15.39  

    Angesprochen darauf, ob er für die USA einen Ausfall der Zahlungsfähigkeit erwarte, sagt Trichet, dass er natürlich nicht von so einer Entwicklung ausgehe.

  • 15.38  

    Trichet wird darauf angesprochen, dass er einen Zinsschritt signalisiert habe. Er antwortet darauf, dazu gebe er keinen Kommentar.

  • 15.34  

    Trichet wird gefragt, ob seine Aussage, dass am Ende die Völker entscheiden, bedeute, dass er für Referenden im Euroraum einstehe.

  • 15.30  

    Die Eurozone insgesamt sei mit Bezug auf die Leistungsbilanz ausgewogen. Das Staatsdefizit betrachtet auf Gesamteuropa insgesamt sei ausserdem im Vergleich zur USA oder zu Japan viel tiefer - nur halb so hoch.

  • 15.28  

    Trichet wird auf die Aussagen von Barak Obama und Angela Merkel angesprochen, dass die Lösung der Eurokrise auch wichtig für die US-Wirtschaft sei. Trichet sagt, er kommentiere keine Aussagen von Staatschefs und schon gar nicht jene des US-Präsidenten. Nur soviel: Die Amerikaner hätten gesagt, dass sie an einem starken Dollar interessiert sind. Was man in Europa sehe, zeige sich aber tatsächlich auch andernorts. Sie betreffen die Sorgen um die Zahlungsfähigkeit von Ländern.

  • 15.25  

    Auf Eintrübungen der weltwirtschaftlichen Aussichten angesprochen, meint Trichet, dass das Wachstum aus heutiger Sicht in diesem Jahr immerhin um 0,3 Prozent höher ausfallen werde, als im letzten. Doch komme es darauf an, wie sich die Dinge noch weiter entwickeln. Die heutigen nominalen Zinsen verglichen mit der Inflation würden negative Realzinsen bedeuten. Auch diese Bemerkung kann als Hinweis auf eine weitere Zinserhöhung gedeutet werden.

  • 15.22  

    Auf die Frage, ob die EZB etwas zur Lösung der Krise konzipiere, sagt Trichet, die Zentralbank würde gar nichts konzipieren, das sei Sache der Regierungen. Sie müssten ihre Staatsfinanzen im Griff haben und hätten dabei nicht brilliert.

  • 15.20  

    Trichet wird auf Differenzen zu einigen Regierungschefs der Eurozone angesprochen und ob es Aussicht auf einen Kompromiss gebe. Ein Beispiel dafür: Deutschland wünscht sich eine Beteiligung des Privatsektors bei der Schuldenbewältigung Griechenlands, bevor neue Kredite fliessen. Trichet will auch hier seinen bisherigen Ausführungen nichts Weiteres anfügen.

  • 15.17  

    Trichet wird gefragt, ob denn die EZB nicht Banken entgegenkommen könnte, die dann ein freiwilliges Roll-Over von griechischen Schulden ins Auge fassen würden. Trichet will seinen bisherigen Ausführungen dazu nichts mehr hinzufügen.

  • 15.15  

    Trichet wird auf den Dollar angesprochen. Er sagt, sowohl der US-Finanzminister Tim Geithner, wie auch Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank, seien an einem harten Dollar interessiert. Das hätten sie ihm versichert.

  • 15.14  

    Trichet wird gefragt, ob er denn nicht gesagt habe, er würde ein Roll-Over der Schulden Griechenlands unterstützen. Das verneint Trichet sofort. Noch einmal betont er, dass er jeden Zwang ausschliesst. Man werde nichts tun, das ein «Credit-Event» bedeuten würde.

  • 15.09  

    Man werde sehen, was die Völker übermorgen einfordern werden. Die Völker würden entscheiden. Aktuelle gebe es aber genügend Herausforderungen, die angegangen werden müssten.

  • 15.06  

    Trichet wird auf seine Idee angesprochen, einen europäischen Finanzminister einzuführen. Er will dazu einige persönliche Worte sagen. Er habe gesagt, momentan gebe es sehr harte Arbeit zu tun um die Europäische Union zu verbessern. Er mit dem Vorschlag die weitere Zukunft angesprochen. Es gehe dann darum, dass das Zentrum schwierige Entscheide für ein Land treffen würde.

  • 15.05  

    Noch einmal betont Trichet, dass er jede Form von Zwang gegenüber privaten Gläubigern ablehnt. Mehr sage er nicht mehr zu diesem Thema.

  • 15.00  

    Man hätte die Privatisierungen in Griechenland sehr unterstützt. Das sei eine sehr viel bessere Art, wie man privates Kapitel mobilisieren könne, um in den gefährdeten Ländern eine Verbesserung zu erreichen.

  • 14.58  

    Trichet erklärt, dass er gegen jede Art von Zwang ist, um private Gläubiger an einer griechischen Umschuldung zu beteiligen. Das sei schon lange und nach wie vor die Position der Zentralbank.

  • 14.56  

    Trichet erklärt, dass die Vollzuteilung von EZB-Geld an die Banken (normalerweise ist die EZB hier weniger grosszügig) auch im dritten Quartal fortgesetzt werde.

  • 14.55  

    Trichet betont, dass in einer nächsten Sitzung der Zentralbank die Zinsen angehoben werden könnten. Er hätte es aber mitgeteilt, wenn ein solcher Entscheid schon feststehen würde. Trichet versucht offensichtlich, jede entsprechende fixe Erwartung auszuräumen.

  • 14.52  

    Der Anstieg des Euros gegenüber dem Franken und dem Dollar ist mittlerweile wieder korrigiert worden.

  • 14.51  

    Trichet sagt auf eine Frage, dass tiefe Inflationserwartungen trotz den grossen Unterschieden im ganzen Euroraum allen nützen und überall das Wirtschaftswachstum unterstützen.

  • 15.51  

    Die Fragestunde hat begonnen.

  • 15.50  

    Die Krisenländer der Eurozone werden gemahnt, alle strukturellen Massnahmen zu ergreifen, um ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern

  • 15.47  

    Die Risiken der Inflation würden nach oben weisen. Noch einmal betont Trichet die starke Wachsamkeit der Notenbank («Strong Vigilance»).

  • 15.46  

    Die Banken sollen alles tun, um ihr Eigenkapital weiter zu stärken.

  • 15.45  

    Trichet erläutert die Bewegungen der Geldmengenaggregate.

  • 15.44  

    Trichet geht von etwas sinkenden Ölpreisen aus, was den Inflationsdruck etwas mindert. Aufwärtsrisiken sieht er aber dennoch vonseiten der Rohstoffpreise, aber auch von Seiten der indirekten Steuern und bei einer Überauslastung der Wirtschaft einiger Länder.

  • 15.42  

    Trichet warnt davor, dass die Inflationserwartungen auf keinen Fall ansteigen dürften. Sie sind für die EZB zentral für ihre Zinsentscheide. Denn steigen sie, droht eine Lohn-Preis-Spirale.

  • 15.40  

    Die Risiken für die Aussichten seien ausgewogen. Das Vertrauen der Unternehmen im Euroraum und eine stärkere Nachfrage durch Exporte könnten das Wachstum stärker stützen. Abwärtsrisiken gehen von möglichen Spannungen auf den Finanzmärkten aus und von einem weiteren Aufwertstrend bei den Rohstoffpreisen.

  • 14.37  

    Trichet geht nun auf die Wirtschaftsentwicklung der letzten Monate ein. Die Daten würden auf eine anhaltende Stärkung der Konjunktur hinweisen. Eine leichte jüngste Abschwächung sei nur temporär und werden sich im zweiten Halbjahr bereits nicht mehr zeigen.

  • 14.34  

    Trichet gibt sich locker und startet die Konferenz spassend. Schon bei den einführenden Worten erklärt der EZB-Chef, dass eine strenge Wachsamkeit geboten sei. Die Märkte werden das als Hinweis für eine Zinserhöhung im nächsten Monat auffassen. Sofort schoss auch der Eurokurs gegenüber dem Dollar und dem Franken nach oben.

  • 14.30  

    Jean-Claude Trichet eröffnet die Medienkonferenz.

  • Ausgangslage  

    Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank(EZB) ihren Leitzins (den so genannten Hauptrefinanzierungssatz) bei 1,25 Prozent belassen. Was die Finanzgemeinde aber besonders interessiert, sind Hinweise von EZB-Chef Jean-Claude Trichet darauf, ob die Zentralbank den Leitzins im nächsten Monat erhöht, womit viele Marktbeobachter rechnen. Diese Erwartung ist auch der Grund dafür, dass der Eurokurs in den letzten Tagen sowohl gegenüber dem Franken, wie auch gegenüber dem Dollar angestiegen ist. Gibt Trichet Hinweise darauf, dass auch künftig keine Leitzinserhöhungen erfolgen werden, dürfte der Eurokurs fallen.

Erstellt: 09.06.2011, 14:18 Uhr

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7 Kommentare

Roli Meier

09.06.2011, 15:04 Uhr
Melden 14 Empfehlung

Ein bisschen zu spät für 'strong' vigilance'. Diese hätte schon vor zehn Jahren stattfinden sollen, aber dann wäre Griechenland ja gar nicht aufgenommen worden. Was nachweislich besser gewesen wäre wie man nun weiss. Antworten


Bruno Waldvogel-Frei

09.06.2011, 15:31 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Ach ja! Nichts Neues. Wenn Trichet anhebt, bläst es Griechenland und anderen das Licht aus. Also wird nicht angehoben werden. Das wird nur zur Beruhigung gesagt. Die EZB hat schon lange ihre Seriosität verloren. Sie kauft ja jetzt jeden Schuldenmist auf und verkommt zur Bad Bank. Antworten



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