Wirtschaft

Steuerabkommen «so gut wie tot»

Aktualisiert am 16.08.2012 231 Kommentare

Die Spitzen der deutschen Sozialdemokraten haben Anfang Woche eine brisante Telefonkonferenz zum Thema Steuerabkommen abgehalten. Resultat: Offenbar sind die letzten Wackelkandidaten auf die Nein-Seite gekippt.

Kämpfen um das Steuerabkommen, dessen Aussichten auf Umsetzung immer unwahrscheinlicher werden: Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf und der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. (21. September 2011)

Kämpfen um das Steuerabkommen, dessen Aussichten auf Umsetzung immer unwahrscheinlicher werden: Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf und der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. (21. September 2011)
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Chronologie: Steuerstreit mit Deutschland

Chronologie: Steuerstreit mit Deutschland
Ein Steuerabkommen soll den Streit um deutsches Schwarzgeld endlich beenden. Doch die politischen Ränkespiele gehen weiter.

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Selbstanzeigen wird schwierig

Der Kauf der Daten-CD hat in Deutschland die Anzahl Selbstanzeigen wieder ansteigen lassen. Doch die Finanzämter lehnen Selbstanzeigen von Steuerhinterziehern mittlerweile häufig ab. Das berichtet die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» heute.

Da die Tat durch die Medienberichte über die Auswertung von Bankdaten bereits vorher entdeckt worden sei, könne es keine Straffreiheit mehr geben, hiess es zur Begründung in einem der Zeitung vorliegenden Schreiben der Steuerfahndung Wuppertal.

«Die Finanzverwaltung in Nordrhein-Westfalen hat eine ganz harte Linie eingenommen», sagte ein Steuerstrafverteidiger der Zeitung. Er habe bereits etliche solcher «Rückläufer» gesehen.
(dapd/kle)

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Die deutschen Bundesländer Baden-Württemberg, Hamburg und Berlin galten bislang als Wackelkandidaten in den deutschen Verhandlungen zum Steuerabkommen. Doch die jüngsten Vorkommnisse rund um den Kauf von Bankkundendaten scheint sie nun zu einer Entscheidung geführt haben. Wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet, habe eine Telefonkonferenz der deutschen SPD-Parteiführung am Montag gezeigt, dass auch «bei den letzten Wackelkandidaten» der rot geführten Länder nun ein «Stimmungsumschwung» stattgefunden habe.

Angeblich soll aus den Daten der gekauften CDs ersichtlich werden, dass Schweizer Banken Beihilfe zur Steuerhinterziehung leisteten. Das habe die Regierungen in Baden-Württemberg (grün-rot) sowie in Hamburg (rot-grün) und Berlin (rot-schwarz) davon überzeugt, das Abkommen zu Fall bringen zu lassen. «Die Übereinkunft ist so gut wie tot», hiess es. Die offizielle Entscheidung der Partei fällt jedoch erst bei einer koordinierten Vorbesprechung im September.

«Das ist ungerecht»

«Es ist gut, dass die Länder das Steuerabkommen mit der Schweiz jetzt stoppen wollen», sagte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, dazu. Das Abkommen verhindere Steuerhinterziehung nicht. «Stattdessen wird es noch schwerer, die Steuerkriminellen zu verfolgen.» Die Bundesregierung mache es den Reichen leicht, ihr Geld am Fiskus vorbei ins Ausland zu schaffen. «Das ist ungerecht.»

Bereits in den vergangenen Tagen hatten deutsche Politiker den Ton verschärft. SPD-Chef Sigmar Gabriel warf den Schweizer Banken im Deutschlandfunk «organisierte Kriminalität» vor. Wer bandenmässig Steuern hinterziehe, könne mit zehn Jahren Haft bestraft werden. «Das ist ein schwerer Straftatbestand.»

Nachverhandlungen?

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) sagte, er halte Neuverhandlungen für möglich – spätestens nach den Bundestagswahlen in Deutschland im kommenden Jahr. Dies wird allerdings von Schweizer Seite bestritten. «Es wird keine Nachverhandlungen geben», sagte Bundesratssprecher André Simonazzi gestern vor den Medien in Bern. Dies habe der Bundesrat festgehalten. Die Lösung sei durch das Steuerabkommen gegeben.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) machen sich für die Ratifizierung des Abkommens stark.

In Deutschland soll die Länderkammer im Herbst über das Abkommen entscheiden. In der Schweiz war das Abkommen im Juni von National- und Ständerat angenommen worden. Sollte das lancierte Referendum zustande kommen, hat das Stimmvolk am 25. November das letzte Wort. Geplant ist, dass das Abkommen 2013 in Kraft tritt. (kle)

Erstellt: 16.08.2012, 10:11 Uhr

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231 Kommentare

Karl Bucher

16.08.2012, 10:21 Uhr
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Endlich. Statt dem Geld der Steuerflüchtlinge hinterherzujammern, können «unsere» Banken jetzt ihre gewaltige Beige von Hausaufgaben angehen: Bonus-Sauställe ausmisten, Rechtssicherheit für die normalen Bankangestellten schaffen, die Schweizer KMU bedienen, das Investmentbanking abgeben, das EK aufstocken, die überrissenen Gebühren für Private senken, neue Dienstleistungen entwickeln ... Antworten


Samuel Bendicht

16.08.2012, 10:26 Uhr
Melden 190 Empfehlung 0

Bravo!!! Steuerhinterziehung darf nicht mehr länger als Kavaliersdelikt gelten und dieses Abkommen glich eher einer Generalamnestie für alle, die diesen Steuerbetrügern mit Rat und Tat zur Seite standen und mithalfen, den Deutschen Staat und dessen ehrliche Bürger um viele Milliarden € zu prellen. Antworten



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