Wirtschaft

Spaniens Rekordzinsen zur Unzeit

Aktualisiert am 19.06.2012 4 Kommentare

Spanien möchte sich diese Woche mit der Versteigerung von Anleihen frisches Geld besorgen. Doch die Zinsen verharren auf Rekordniveau – dennoch verläuft der gegenwärtige Verkauf überraschend gut.

Steht auch unter Druck der internationalen Gemeinschaft: Spaniens Premier Mariano Rajoy trifft am G20-Gipfel auf Barack Obama. (18. Juni 2012)

Steht auch unter Druck der internationalen Gemeinschaft: Spaniens Premier Mariano Rajoy trifft am G20-Gipfel auf Barack Obama. (18. Juni 2012)
Bild: Keystone

Die Verunsicherung an den Märkten ist immer noch gross: Börsenakteure warten ab. (Video: Reuters)

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Alle Augen sind zur Zeit wieder auf Spanien gerichtet. Die Renditen für kurzfristige spanische Staatsanleihen sind heute rapide gestiegen. Mit 3,040 Milliarden Euro konnte Spanien zwar mehr Geld an den Finanzmärkten aufnehmen als die geplanten zwei bis drei Milliarden Euro. Die Rendite für einjährige und anderthalbjährige Anleihen stiegen jedoch auf 5,074 beziehungsweise 5,107 Prozent.

Mitte Mai hatte das Land für Schuldtitel mit zwölf- und 18-monatiger Laufzeit nur rund drei Prozent Rendite zahlen müssen. Einzig beruhigend war heute die weiterhin starke Nachfrage der Investoren, die acht Milliarden Euro überstieg. Der starke Anstieg der Renditen war erwartet worden. Die Finanzmärkte blicken immer noch beunruhigt auf das Land, dessen angeschlagenes Bankensystem unter einer geplatzten Immobilien- und Kreditblase leidet. Am Montag waren die Renditen für zehnjährige spanische Anleihen erstmals seit der Schaffung der Euro-Zone auf über 7,0 Prozent und damit auf einen neuen Höchststand gestiegen.

Analyse des Bankensektors auf September verschoben

Am Donnerstag wollen die beiden Beratungsunternehmen Oliver Wyman und Roland Berger ihre Berichte vorlegen, aus denen hervorgeht, wie hoch die Finanzhilfen für Spaniens Bankensystem sein müssen. Eine zweite, gründlichere Analyse des Bankensektors soll nicht wie geplant im Juli veröffentlicht werden, sondern erst im September, wie aus Finanzkreisen in Madrid verlautete. Die Euro-Zone hat zugesichert, Spaniens Banken mit bis zu 100 Milliarden Euro krisenfest zu machen.

Die Rendite gibt Auskunft darüber, wie hoch die Nachfrage nach Staatsanleihen und wie hoch der Risikozuschlag ist, den die Investoren verlangen. Je niedriger die Nachfrage und je niedriger der Preis, den sie für die Schuldpapiere bieten, desto höher ist die Rendite. Sie ändert aber nichts am Zinssatz, den Spanien oder Italien auf diese Anleihen zahlen muss, denn dieser wird bei der Ausgabe der Papiere festgelegt. Die Rendite gibt aber einen Hinweis darauf, wie hoch der Zinssatz für die nächsten auszugebenden Anleihen sein könnte.

Abgaben in Asien

Die Börsen reagieren entsprechend negativ auf die Meldung aus Spanien: Der japanische Nikkei-Index fiel heute um 0,4 Prozent auf 8689,79. Auch in Hongkong, Australien und Südkorea gaben die Leitindizes leicht nach. Grund waren offenbar Sorgen der Anleger, dass es Europa nicht gelingen könnte, die Finanzkrise in den Griff zu bekommen.

Der Leitindex der Schweizer Börse SMI (SMI 8168.78 0.00%) stand kurz vor 11 Uhr bei rund 5950 Punkten und verzeichnete ein leichtes Plus von 0,17 Prozent. Der deutsche DAX notierte praktisch unverändert und der FTSE-100 legte um rund 0,5 Prozent zu.

Das Ergebnis der griechischen Parlamentswahl vom Sonntag, aus der die Konservativen knapp als Sieger hervorgingen, hatte die Märkte zunächst beruhigt. Das Vertrauen wurde aber erneut erschüttert, als gestern die Zinsen für spanische Staatsanleihen mit 7,18 Prozent auf den höchsten Wert seit der Euro-Einführung stiegen. Sie erreichten damit erstmals das Niveau, bei dem andere Krisenländer wie Griechenland unter den EU-Rettungsschirm flüchteten.

Erleichterung nach Griechenwahl

Verluste mussten in Tokio vor allem Aktien japanischer Stahlhersteller verzeichnen. US-Konkurrent AK Steel kündigte an, dass der Gewinn im zweite Quartal unter den Erwartungen der Experten liegen werde.

An der Wall Street war die Erleichterung über den Wahlsieg der griechischen Sparbefürworter bereits am Montag rasch verpufft. Auch in den USA drückten die Furcht vor einem Übergreifen der Schuldenkrise auf Spanien und Italien auf die Stimmung. (mrs/dapd, sda)

Erstellt: 19.06.2012, 10:43 Uhr

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4 Kommentare

jack allen

19.06.2012, 12:09 Uhr
Melden 15 Empfehlung 0

kein wunder bleiben die zinsen tief: die spanischen banken kaufen spanische anleihen mit geld der ezb die sie erhalten durch hinterlegten garantien in form von spanischen anleihen ... und so weiter ... madoff lässt grüssen ... Antworten


Hanna Messerli

19.06.2012, 12:59 Uhr
Melden

Gut möglich, dass die Zinsen noch höher steigen für Spanien. Jedermann weiss, dass es ein grosses Risiko ist, Spanien Geld zu leihen, man sieht was in Griechenland passiert. So steigen die Zinsen immer höher, denn die Höhe des Zinses ist ein Gradmesser für das Risiko. Ein minimales Risiko geht man offenbar bei Deutschen Anleihen ein, dafür bekommt man da aber weniger als 1 Prozent Zinsen. Antworten



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