So legen in der Krise die Superreichen ihre Millionen an
Von Richard Diethelm, Genf. Aktualisiert am 11.03.2009 8 Kommentare
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Wie die Wallenbergs, Agnellis, Bertarellis, Hoffmanns und Oeris ihre Milliardenvermögen verwalten, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Eine gestern in Genf präsentierte Studie öffnet immerhin einen Spalt weit die Tür zu den sogenannten Single Family Offices (SFO). Diese kleinen, feinen Dienstleistungsbüros kümmern sich von Anlagegeschäften über Steuern und Versicherungen bis hin zu gemeinnützigen Vergaben und Hausmeisterdiensten um jene Geldangelegenheiten, die superreiche Familien nicht allein erledigen wollen.
John Pettifor, Direktor der auf Informationen über Vermögensverwaltung spezialisierten Campden Media, schätzt die Zahl der Family Offices in Europa auf 500, mehr als 90 in der Schweiz. Die Finanzzentren London, Genf und Zürich sind die beliebtesten Standorte. Hinter den SFO stehen vor allem schwerreiche europäische Familien. In Genf betreiben auch arabische Ölscheichs ein Family Office, in London wohlhabende New Yorker Familien. Ein Vermögen von mindestens 150 Millionen Euro gilt als «kritische Masse».
Aktien vorübergehend gemieden
Im Auftrag der Merrill Lynch Bank (Suisse), die ausschliesslich Vermögen privater Kunden verwaltet, befragte Campden 40 SFO in elf europäischen Ländern. Da die zweite Umfrage in die Zeit zwischen Oktober und Dezember 2008 fiel, liefert sie Erkenntnisse, wie die reichsten Familien auf die globale Finanzkrise reagieren.
Auffallend, doch nicht überraschend ist die Flucht aus den Aktien. Im Vergleich zu 2007 sackte der Aktienanteil von 34 auf 18 Prozent und nahm der Anteil der flüssigen Mittel von 5 auf 26 Prozent zu. Sorgen macht den Superreichen, dass der Wert des Familienvermögens arg geschwunden ist und sie nicht wissen, wo sie ihre flüssige Mittel anlegen sollen. Bis in drei Jahren wollen die SFO den Aktienanteil aber wieder auf die ursprüngliche Höhe steigern. Gemäss der Studie «Conserving Family Wealth» verfolgen sehr wohlhabende Familie eben langfristige Renditeziele.
Die Krise hat deren Einschätzung externer Anbieter von Finanzdienstleistungen verändert. 2007 waren Anlageberater top, die hohe Renditeerwartungen weckten. Ein Jahr später gewichteten die SFO Vertrauenswürdigkeit und einen guten Ruf am höchsten. Nun beanspruchen die Superreichen vermehrt die Dienste von Privatbanken, während andere Anlageberater und Investmentbanken Aufträge verlieren. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.03.2009, 11:17 Uhr
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8 Kommentare
O. Liechti: Viele Familien tun viel für andere (siehe nur Frau Oeri mit Museen, Theater etc.). Aber wenn eine automatisch erzwungene Umverteilung stattfinden würde, wären wir allesamt gerne arbeitslose Parasiten, die nur noch konsumieren. Der Mensch ist ein Faultier! Ich bin zufrieden, auch ohne Millionen. Und ich verstehe es, wenn keine Umverteilung stattfindet! Antworten
Family Offices tönt indiekt nach Hedge-Fund ! Typisch ist der Einsatz von Derivaten und Leerverkäufen und die meisten Hedge-Fonds haben ihren Sitz an Offshore-Finanzplätzen; welche natürlich als Administrator eine Bank brauchen ! Ups ! Darum das Theater wegen dem Bankgeheimnis ? Die Schweiz ist ja dafür prädestiniert (klein und unscheinbar) !!! Antworten
Es ist doch klar, dass vermögende Clans ihr Tafelsilber über Family Offices verwalten lassen. Es glaubt doch keiner, dass "Wallenbergs, Agnellis, Bertarellis, Hoffmanns und Oeris" sich von Herrn Müller um die Ecke beraten lassen. Grobfahrläsige Böcke schiesst bei wohlhabenden Personen einer nicht zwei Mal! Antworten
"und sie nicht wissen, wo sie ihre flüssige(n?) mittel anlgegen sollen." daran merken wir, dass derartige konzentrationen von vermögen ("reichtum") wirtschaftlich unsinnig oder gar unökonomisch sein können. und das ist es meist. denn geld muss dorthin, wo es gebraucht wird: als risikokapital für firmen oder als faire löhne, damit alle genug für ein anständiges leben haben. Antworten
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Hans E. Brülhart
Begüterte Private und Gesellschaften haben in der heutigen Krise eine gesellschaftliche Verantwortung. Anstatt an der Börse durch Spekulation immer mehr Geld machen zu wollen, und dabei Milliarden zu verlieren, wäre der Gemeinschaft und auch ihnen selbst auf Dauer besser gedient, wenn sie jetzt vermehrt gezielt in die Realwirtschaft zum Erhalt von Arbeitsplätzen investieren würden. Antworten