So holen sich Hauskäufer schnelles, billiges Geld
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 05.07.2011 32 Kommentare
Was bedeutet das für Mieter?
Die Hausbesitzer orientieren sich bei der Festsetzung des Mietzinses nicht an den wechselnden Hypothekarzinssätzen, sondern an einem vom Bundesamt für Wohnungswesen BWO regelmässig publizierten Durchschnittssatz. Er beträgt seit Dezember unverändert 2,75 Prozent.
Das BWO wird zum 1. September erneut diesen Referenzzinssatz publizieren. Eine Veränderung ist jedoch nicht zu erwarten – dafür ist der jetzige Zinsabfall zu gering.
Prozent der nachgefr. Hypotheken
Quelle: Comparis
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Seit Monaten erwarten Hauskäufer und Banken einen Anstieg der Hypothekarzinsen – doch jetzt passiert das Gegenteil: Nach einem leichten Anstieg im Frühling sind die Zinsen Ende Juni wieder gefallen. Der Vergleichsdienst Comparis, der die Angebote von 75 Instituten verglichen hat, spricht von einem Rückgang von 2,6 Prozentpunkten im April auf 2,3 Prozent bei den fünfjährigen Hypotheken und von einem Rückgang von 3,3 Prozentpunkten auf 3 Prozent bei einer zehnjährigen Laufzeit.
Der Grund für die Zinsflaute liegt hauptsächlich in der Eurokrise: Der starke Franken hält die Nationalbank davon ab, den Leitzins zu erhöhen und so das Schweizer Geld zu verteuern. Offenbar haben die Banken zum Anfang des Quartals eher mit einem Zinsanstieg gerechnet – die durchschnittlichen Hypothekarzinsen stiegen im April und Mai leicht an. Jetzt sind sie angesichts der andauernden Euro-Schwäche wieder auf das Niveau von Dezember gefallen.
Nicht alle Schulden über eine Libor-Hypothek finanzieren
Das billige Geld sorgt gar dafür, dass die sonst vorsichtigen Schweizer vermehrt schnelle, billige Libor-Hypotheken nachfragen – die Nachfrage ist laut Comparis in den letzten drei Monaten von 6 auf 9 Prozent aller Hypothekaranfragen gestiegen. Diese direkt an den Referenzzins gekoppelten Kredite laufen über eine sehr kurze Frist von drei Monaten: Sie sind aktuell extrem billig, verteuern sich aber bei einem Zinsanstieg praktisch über Nacht. Steigt der Hauskäufer dann auf eine Festhypothek um, muss er mit deutlich höheren Zinsen rechnen, als er sie jetzt bekommt.
Experten empfehlen darum, nicht den ganzen Kauf über eine Libor-Hypothek zu finanzieren. Sinnvoll sei, einen Teil des Kaufs mit einer zehnjährigen Festhypothek zu decken, sagt Hypothekenexperte Adrian Wenger vom Zürcher Vermögenszentrum VZ. So könne man gleichzeitig von den billigen Libor-Angeboten wie von den nachhaltig günstigen Langfristangeboten profitieren. Dasselbe sagt Martin Scherrer von Comparis. Offenbar folgen Interessenten den Empfehlungen der Experten: Neben der Nachfrage nach Libor-Hypotheken ist gemäss Comparis auch jene nach Spezialangeboten gestiegen – darunter fallen auch die sogenannten Mischhypotheken.
«Die Finma schaut genau hin»
Eine Gefahr, dass aufgrund der anhaltenden Zinsflaute zu leichtfertig Hypotheken vergeben werden, sehen beide Experten nicht. «Die Institute wissen, dass die Finma sehr genau hinschaut», sagt Wenger. Die Finanzmarktaufsicht hatte in den vergangenen Monaten die Banken wiederholt daran erinnert, bei der Vergabe der Kredite streng zu bleiben. Seriöse Kundenberater rechnen bei einer Hypothekenvergabe mit ein, dass der Zins auf bis zu 5 Prozent steigen kann.
Grundsätzlich sei jedoch auch Eigenverantwortung gefragt, sagt Scherrer von Comparis. «Die Leute schauen oft darauf, was erhältlich ist, und nicht darauf, was für sie sinnvoll wäre», so Scherrer. Ob jemand gerne und oft auswärts isst, teure Reisen macht und so weniger Geld fürs Wohnen hat, könne ein Berater von sich aus nicht erkennen – das müsse jeder Kunde für sich selber festlegen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.07.2011, 14:31 Uhr
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32 Kommentare
Wir haben unsere gesamte Hypothek über den Libor finanziert. Bei CHF 800'000.-- bezahlen wir gerade mal
jährlich CHF 7'200.--. Bei einer Festhypothek von 3% wären es CHF 24'000.--!
Guten Geschäft für uns, schlechtes für die Bank. Falls die Zinsen steigen sollten zahlen wir einfach das über die Jahre vom Libor gesparte Geld wieder ein.
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