Wirtschaft

Schwellenländer knüpfen Euro-Krisenhilfe an Reformen

Aktualisiert am 20.04.2012

Die erhoffte kurzfristige Aufstockung der IWF-Krisenabwehrmittel droht in Gefahr zu geraten. Heftiger Gegenwind kommt von Kanada und von den Schwellenländern Indien und Brasilien.

Fordert die Umsetzung der Reform der Quoten: Der indische Finanzminister Pranab Mukherjee in Washington.

Fordert die Umsetzung der Reform der Quoten: Der indische Finanzminister Pranab Mukherjee in Washington.
Bild: Reuters

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Indien hat die geplante Stimmrechtsreform des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Bedingung gemacht für eine Beteiligung an der Mittelaufstockung des IWF. Die schon 2010 angeschobene Reform der Quoten müsse umgesetzt werden, sagte Finanzminister Pranab Mukherjee am Donnerstag (Ortszeit) in Washington.

Auch Brasiliens Finanzminister Guido Mantega sagte, die Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika seien noch nicht bereit, zusätzliche Mittel für den IWF bereitzustellen, die dann auch Europa zugutekommen könnten.

«Bedingungen noch nicht erfüllt»

«Die Bedingungen dafür sind noch nicht von den Ländern erfüllt worden», erklärte er. Er bezog sich damit auf den für den Herbst verabredeten Abschluss der umfassenden IWF-Reformen, die den Schwellenländern mehr Einfluss im Fonds sichern sollen.

Auch Kanada lehnt weitere Milliarden weiterhin strikt ab. Europa selbst müsse noch viel mehr leisten, als es das bisher getan habe, erklärte Finanzminister Jim Flaherty laut der Nachrichtenagentur Reuters. Zentralbankchef Mark Carney sagte zugleich, eine Brandmauer sei nicht der Schlüssel zur Lösung der Probleme.

Es gehe viel mehr darum, welche Schritte Europa selbst über einen längeren Zeitraum unternehme. Der IWF möge der Ansicht sein, dass wegen Europa mehr Geld bereitgehalten werden müsse. Aber im Kreise der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer «gibt es derzeit keinen Konsens».

Schäubles Albtraum könnte wahr werden

Damit könnte es zu einer Situation kommen, vor der der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble schon im Vorfeld gewarnt hatte. Schäuble hatte erklärt, es dürfe nicht dazu kommen, dass die Frage einer besseren Mittelausstattung des IWF mit der verabredeten IWF-Quotenreform verknüpft wird. Das würde nämlich dazu führen, dass die Mittelerhöhung womöglich um längere Zeit verzögert werde.

IWF-Chefin Christine Lagarde erwartet, dass sie neben den – unter anderem von der Schweiz – zugesagten rund 320 Milliarden Dollar kurzfristig weitere Bereitschaftserklärungen erhält. Damit könnte die angestrebte Summe von mindestens 400 Milliarden Dollar erreicht werden. Zugleich machte Lagarde aber deutlich, der IWF sei nicht nur für Europa da, sondern wolle allen Ländern in Not helfen.

(wid/sda)

Erstellt: 20.04.2012, 07:02 Uhr

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