Schweizer Finanzchefs befürchten Rezession

Die Aufbruchsstimmung unter den Schweizer CFOs erhielt im zweiten Quartal 2010 einen deutlichen Dämpfer. Sie äusserten sich auch zur Zukunft des Frankens und über einen möglichen EU-Beitritt.

Insgesamt nahmen 47 CFOs (Chief Financial Officers) an der quartalsweise stattfindenden Umfrage der Beratungsfirma Deloitte teil. Die Aufbruchstimmung, die noch in den letzten beiden Quartalen zu spüren war, hat sich gelegt. Unter den Befragten herrscht Unsicherheit, ob die Erholung in der Schweiz anhält oder ob es zu einem Rückfall in die Rezession kommen wird.

Im Juni ging der Optimismus der CFOs von 75 Prozent auf einen Nettosaldo von 60 Prozent zurück. Im Vergleich zu lediglich 2 Prozent im März nehmen 17 Prozent der im 2. Quartal Befragten inzwischen eine pessimistische Haltung in Bezug auf die Wirtschaftsentwicklung ein. Es ist der erste Anstieg seit einem Jahr. Der Optimismus der CFOs bezüglich der finanziellen Entwicklung ihrer eigenen Unternehmen sank von 55 Prozent im März auf 30 Prozent im Juni.

Für eine überwiegende Mehrheit der Finanzchefs (73 Prozent) geht von der Schuldenkrise der Eurozone ein mittleres Risiko für die konjunkturelle Erholung in der Schweiz aus. Für 22 Prozent stellt diese sogar ein gravierendes Risiko dar.

Weitere Ergebnisse der Studie:

  • 39 Prozent der befragten CFOs erwarten, dass der Schweizer Franken in zwölf Monaten zwischen 1.30 und 1.40 pro Euro gehandelt wird; 26 Prozent glauben, dass er unter 1.30 pro Euro liegen wird.
  • 48 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben, nach den Auswirkungen der jüngsten Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro befragt, an, dass sie mit einer deutlich verlangsamten Erholung der Schweizer Wirtschaft rechnen.
  • Für die kommenden zwölf Monate sehen die CFOs vor allem anhaltende Probleme im Finanzssystem, die Aufwertung des Schweizer Frankens sowie eine schwächere Auslandsnachfrage als die wichtigsten Themen an.
  • Die Studie deutet auf eine anhaltende positive Tendenz bezüglich der Verfügbarkeit von Krediten hin. Wie in den Quartalen zuvor betrachtet eine deutliche Mehrheit (56 Prozent) der Umfrageteilnehmer Kredite als leicht verfügbar.
  • Eine überwiegende Mehrheit (86 Prozent) hält den Verschuldungsgrad in den Bilanzen von Schweizer Unternehmen für angemessen.
  • Sechs von zehn Schweizer Finanzchefs können einem EU-Beitritt der Schweiz nichts abgewinnen. 38 Prozent befürworten dagegen einen Beitritt.
(sam)

Erstellt: 26.07.2010, 11:37 Uhr

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24 KOMMENTARE

Gianin May

27.07.2010, 13:25 Uhr

Wobei man sich immer vor Augen halten muss, dass die gegenwärtige Krise gezeigt hat, dass man Aeusserungen von "Schweizer Finanzchefs" mit Vorsicht geniessen muss, der Schuss kann auch leicht nach Hinten losgehen.


Paul Thürig

27.07.2010, 11:43 Uhr

Diese Zielgruppe darf man nicht all zu ernst nehmen.Hauptsache ist bei diesen Herren doch,dass die Bonis weiterhin grosszüig "gedeihen"...


Mike Keller

27.07.2010, 02:54 Uhr

Seit wann sehen CFO's eine rosige Zukunft. Diese Berufsgattung ist per se konservativ pessimistisch veranlagt. Taktisch gesehen will ein CFO in der heutigen Zeit die Euphorie von Verkäufern und CEO's ins rechte Licht rücken, d.h. ein bisschen weniger als was Schönschwätzer glauben zu sehen - Managing Expectations, wie es so schön heisst.


Hans Iseli

27.07.2010, 02:03 Uhr

Alle sind sich wenigstens in Einem absolut einig: Kein Wachstum = Krise und Absturz. Irgendwo und irgendwann wird aber das Wachstum unmöglich werden! Was dann?


Sibylle Weiss

26.07.2010, 18:27 Uhr

M.Sold; das Budget beinhaltet die Zahlen, die u.a. aufzeigen, wieviel Geld ausgegeben werden kann und darf, im Gegensatz zur Bilanz, welche in der Vergangheit liegt.Allerdings sollte man beim Budget das auszugebende Geld berücksichtigen, welches effektiv vorhanden ist und nicht auf Krediten basiert!Auf diese Weise könnte tatsächlich so manches Unheil vermieden werden.


alfred bleuler

26.07.2010, 17:02 Uhr

es zeigt sich wieder einmal mehr, dass man die volkswirtschaft nicht dem kapital überlassen kann. die wollen immer nur noch mehr wachstum und glaben das die bäume in den himmel wachsen --- daraus erfolgt unweigerlich der kollaps --- und otto normalverbraucher muss dafür büssen. einsparungen bei der AHV, pension usw. und teurung der lebenhaltungskosten -- sparen ja, aber nicht beim management


robert mueller

26.07.2010, 16:34 Uhr

Von Studie kann doch hier nicht die Rede sein. Die CFO's erhalten vom entsprechenden Branchenverband jeweils einen Fragebogen mit Fragen zur Konjunktur. Hier können sie bei den Fragen ankreuzen - steigend, gleichbleibend oder weniger. Dann wird ausgewertet. Wo ist da die Studie...!


Klaus Werner Wegmüller

26.07.2010, 16:20 Uhr

Hört doch mal mit den ,, gejammer ,, auf es gibt uns seit 1291 mal ist es uns besser gegangen mal schlechter. Aber wir sind eines der reichsten Länder der Welt. Und so wird es auch im Jahr 2050 sein.


robert mueller

26.07.2010, 16:16 Uhr

Meistens um diese Jahreszeit beginnen die CEO's und CFO's mit pessimistischen Prognosen. Der Grund dafür liegt darin, dass man frühzeitig allfälligen Gelüsten für Lohnerhöhungen der bevorstehenden Lohnrunde entgegenwirken will. Man ist ja jetzt bei den meisten Firmen in der Budgetphase. Dies hat System und in der Vergangenheit leider meistens auch Wirkung.


karl scheri

26.07.2010, 16:00 Uhr

solange es goldene fallschirme gibt für die ceo, cfo und wie sie alle heissen mögen...solange werden sie keine echte verantwortung übernehmen müssen. täglich liest man von experten wie es kommen wird. es wird papier ohne ende produziert und progrnosen gestellt. den zufall kann niemand kontrollieren. nur das elend den die chefetage verbreitet, dieses elend sehen wir jetzt schon.


Niklaus Zumthür

26.07.2010, 15:31 Uhr

Der "CFO" (altdeutsch: "Buchhalter") ist von Natur aus ein Rappenspalter, der immer hinterher rennt. Er hat weder von Marketing noch von Produktentwicklung eine Ahnung (zu haben), sondern verbucht ganz einfach die Geschäftsvorfälle („keine Buchung ohne Beleg“). Besser, als einen CFO als vorauseilenden Indikator zu betrachten, hält man sich and den Minirock-Index (je kürzer, desto Konjunktur).


Toni Lauber

26.07.2010, 14:37 Uhr

Schafft die Boersen ab und hoert auf mit Geld, Geld zu verdienen.


Peter Müller

26.07.2010, 14:21 Uhr

Ja ja, auch die Arbeitslosenzahlen sind rückläufig. Die Wahrheit ist, dass in den letzten 3 Monaten ganz einfach überdurchschnittlich viele Arbeitslose ausgesteuert wurden und nun auf der Kasse der Sozialämter in den Gemeinden ihre Gelder beziehen und nicht mehr beim RAV. In der Presse heisst es dann, "es gibt weniger Arbeitslose!"


Ulrich Scheidegger

26.07.2010, 14:13 Uhr

Alles Ding hat seine Zeit. So auch unser über sechzig Jahre altes wirtschaftliches Nachkriegzeitalter. Was sich während dieser Zeit alles als wertvoll entwickelt hat, muss sich nun mit allen neuen zeitgenössischen Gegebenheiten weiter in eine Form entwickeln, die sowohl im menschlichen wie auch in umweltfreundlichen Sinne umgesetzt werden muss.


Caroline Brunner

26.07.2010, 14:13 Uhr

Die Binnenwirtschaft kann angehoben werden, sowie die wichtige Konsumentenstimmung in der Schweiz - In dem endlich wieder Schweizer oder zumindest in der Schweiz wohnhafte eingestellt werden. Alle Anderen transpotieren den wertvollen Schweizerfranken über die Grenzen und freuen sich über die überdurchnittliche Lohnaufbesserung bedingt durch den Eurozerfall!


Werner Braun

26.07.2010, 14:01 Uhr

Ahhh, ja ähhh! Das sind ja alles absolute Finanzgurus und die wissen ja was sie tun! Aber egal die sind ja alle selbst Schuld, denn sie haben die Krise mit verursacht! Die würden besser mal höhere Löhne bezahlen, das würde dann einen Aufschwung geben, höhere Steuererträge für den Staat................hat alles schon einmal funktioniert in den USA in den 50er Jahren!


Nadine Binsberger

26.07.2010, 13:56 Uhr

@Sold 13:36: Sie haben teilweise Recht. Sie sollten sich aber bewusst sein, dass Wirtschaftswachstum sofort aufhört, wenn alle nur das ausgeben, was sie verdienen bzw. haben. Bitte verstehen Sie mich richtig: ich befürworte das. Denn stetiges blindes Wachstum führt nur in den ökologischen und sozialen Kollaps. Aber: Europa oder Schweiz ist Hans was Heiri..


Bruno Moser

26.07.2010, 13:49 Uhr

Wieso sagt mir niemand, dass die Rezession bereits vorbei ist und die nächste erst folgt ? Der momentane Hypothekenzinssatz ist ein Spiegel der Wirtschaft und sagt eigentlich alles über den seit mehr als 2 Jahren andauernden Zustand der Wirtschaft aus. Alles andere ist Augenwischerei.


Jürg Suter

26.07.2010, 13:49 Uhr

Die Studie hat unter dem Strich nichts konkretes ans Licht gebracht. Die CFO's scheinen genau so auf ihr Bauchgefühl zu verlassen wie jeder andere Mensch auch.


Michael Sold

26.07.2010, 13:36 Uhr

Wollen uns die CFOs verklausuliert sagen, dass wir Schuld sind und sie dann leichter Entlassungen durchführen können? Und warum ist der CHF so viel wert? Na? Weil trotz Probleme die Schweiz wohl besser die wirtschafltichen Hausaufgaben gemacht hat. Wo steht da bitte Europa? oder gar die USA? Die Regierungen sollten nicht aus Budgetzahlen Geld ausgeben, sondern von dem das sie einnehmen, wie wir.


Fred Büchi

26.07.2010, 13:26 Uhr

Was niemand sagt: Das System ist dem Kollaps nahe. Was folgt, ist gewiss nicht schlechter für das, was unsere Lebensgrundlage ist. Die Ausbeutung der Ärmsten geht zurück, die Natur gedeiht neu, Umweltkrankheiten nehmen so ab wie die Prämien, die alle zu bezahlen hätten. Und letztlich gehen auch die Steuern zurück. Bad news are good news.


Sibylle Weiss

26.07.2010, 13:11 Uhr

Also wenn wirklich jemand im Ernst glaubte,dass die Krise und Rezession quasi über Nacht verschwindet,der ist schlichtweg naiv.Da nützt alles Schönreden u.massive Ueberbewertung der kommenden Wachstumszahlen rein gar nichts!Demzufolge bleibt nichts anderes übrig,als wieder auf den Boden der Realität zurückzukehren.Ein EU-Beitritt würde bei diesem wackeligen Fundament alles verschlimmern!


Peter Pfrunder

26.07.2010, 12:35 Uhr

Die CFO sind eine der Personengruppen in der CH, die sicher am Puls der Wirtschaft sind.Ein Rückgang des ökonomischen Wachstums zeichnet sich ab und ist vor allem mit dem hohen Verschuldungsgrad in Europa zu begründen.Da wir immer noch zu stark von Europa abhängig sind,wird das unsere Volkswirtschaft ebenfalls beeinträchtigen.Interessant aber nicht überraschend ist die Ablehnung eines EU-Beitritts


Nadine Binsberger

26.07.2010, 12:13 Uhr

Na bitte: Kredite sind leicht verfügbar. Ein Unternehmen, das investieren will, kann das. Nur: der Konsum entspricht nicht den Anforderungen einer Wachstumswirtschaft. Wir haben alles, was wir benötigen, deshalb müssen wir nicht immer noch mehr und noch mehr konsumieren. Wachstum war nötig, um Wohlstand zu erreichen. Jetzt ist der Wohlstand da, also braucht es auch kein Wachstum mehr.



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