Wirtschaft
Schauen wir mit Gaskraftwerken in die Röhre?
Aktualisiert am 16.04.2012 146 Kommentare
Keine Gasspeicher in der Schweiz
Im Gegensatz etwa zu Deutschland verfügt die Schweiz nicht über grössere Gasspeicher. Allerdings prüft man nun in einer wirtschaftlichen Machbarkeitsstudie ein Projekt im bernischen Innertkirchen. Bis Ende Jahr sollen Resultate vorliegen. In Deutschland gibt es rund 20 solcher Speicher, die in Salzkavernen oder leeren Gasfeldern angelegt wurden.
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«Muss Deutschland bald frieren?», fragte «Focus» vor drei Jahren, als sich die Ukraine und Russland wegen des Gaspreises in den Haaren lagen und Kiew damit drohte, die Pipeline Richtung Europa dichtzumachen. Am Schluss musste in Zentraleuropa niemand die Finger am offenen Holzfeuer wärmen, zumindest nicht wegen fehlendem Gas. Die Geschichte zeigte aber erstens, wie abhängig Westeuropa von Gaslieferungen aus dem Osten ist und zweitens, wie sensibel die Öffentlichkeit auf Friktionen im Gasmarkt reagiert.
Kein Wunder, gehören die Bedenken zur Versorgungssicherheit auch jetzt wieder zu den ersten kritischen Argumenten, wenn es um den Bau von Gaskraftwerken zum Ersatz von AKW geht. «Die Abhängigkeit vom Ausland ist ein Thema», sagt etwa SVP-Nationalrat Hans Killer. Beim Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) sieht man diesbezüglich aber keine Probleme: «Die Versorgungssicherheit in der Schweiz, was Gas betrifft, ist durch mehrere Lieferanten gewährleistet und geografisch breit abgestützt», sagt VSG-Sprecher Daniel Bächtold. Tatsächlich bezieht die Schweizer Gaswirtschaft den Rohstoff nicht nur aus Ländern im Osten, sondern verfügt auch über langfristige Lieferverträge mit Energiekonzernen in Westeuropa. Ein Grosslieferant zum Beispiel ist die deutsche EON Ruhrgas. Richard Rogers, Sprecher des Energiehändlers EGL – eine Tochter von Axpo – sagt: «Es gibt verschiedene Pipelineprojekte. Die EGL ist an der Trans Adriatic Pipeline beteiligt, die Gas aus dem kaspischen Raum nach Italien und weiter nach Zentraleuropa führen soll.»
Keine grossen Speicher in der Schweiz
Wenn schon nicht geopolitisch, so könnte der Ausbau der Stromwirtschaft mit Gaskraftwerken zumindest aus technischer Sicht an Grenzen stossen. Von bis zu sechs neuen Gaskraftwerken war in den Sonntagsmedien die Rede. Das wiederum würde einen Ausbau der Gas-Infrastruktur bedingen. «Das Gasnetz müsste ausgebaut werden», sagt Heinrich Schwendener, Leiter bei Swissgas, der Schweizer Erdgashandels- und Transportgesellschaft, zum «Blick». Nach dem derzeitigen Stand könnten gerade mal drei Kraftwerke betrieben werden. Eine Zahl, die auch Bächtold bestätigt.
Ein Thema in der Schweiz sind die fehlenden Gas-Speicherkapazitäten (siehe Box links). Während die Nachbarländer – allen voran Deutschland und Frankreich – über mehrere gigantische unterirdische Kavernen verfügen, fehlen hierzulande solche Möglichkeiten. Der Hintergrund der Debattte ist klar: Sollten dereinst doch Engpässe entstehen, liessen sich solche durch ein Anzapfen von gespeichertem Gas besser ausgleichen. Abgesehen davon spielen solche Speicher eine ökonomische Rolle. Bächtold sagt dazu: «Ein Vorteil daraus wäre sicherlich, dass man den Rohstoff vermehrt dann einkauft, wenn er billig ist.» Logisch: Die Schweizer Stauseen werden ja auch dann gefüllt, wenn der Strom billig ist.
Schweizer Stromversorger haben Know-how aus Gaswerken im Ausland
Sollten aus der Politik positive Signale für den Bau von Gaskraftwerken kommen, stehen die grossen Schweizer Stromversorger jedenfalls in den Startlöchern. Axpo, Alpiq und BKW sind allesamt an Gaskraftwerkprojekten im Ausland beteiligt, wenn nicht sogar Eigner. «In Italien besitzt die Axpo via EGL zwei Gas-Kombikraftwerke und ist an einem weiteren beteiligt. Damit verfügt unser Konzern über eine grosse Erfahrung in der Planung, beim Bau und Betrieb dieser Kraftwerke», sagt etwa EGL-Sprecher Michael Rogers.
Abgesehen vom Widerstand gegen Gaskraftwerke aus klimapolitischen Gründen, fällt für die Stromversorger aber derzeit auch die ökonomische Rechnung negativ aus. «Die heutigen Rahmenbedingungen verunmöglichen einen wirtschaftlichen Betrieb», sagt Rogers. Was er meint, ist die Frage der CO2-Kompensation. Also das Ausgleichen des CO2-Ausstosses mittels Kauf von sogenannten Zertifikaten. Mit diesem Geld wird anderswo der gleiche Anteil des klimaschädigenden Gases mittels technischer Aufrüstung eingespart. Muss diese Kompensation in der Schweiz erfolgen – was das Parlament derzeit fordert – wird es zu teuer, so der Tenor der Stromkonzerne. Diese politische Debatte ist allerdings noch nicht abgeschlossen.
Rasch gebaut
Würde sich die Schweiz dennoch in den nächsten Jahren für den Bau von Gaskraftwerken entscheiden, hätte dies wenigstens den Vorteil, dass solche Anlagen in vernünftiger Zeit gebaut werden können. Jüngsten Angaben aus Deutschland zufolge dauert die Errichtung eines Gaskraftwerks drei bis vier Jahre.
Noch aber ist die Zeit für Gas-Grosswerke nicht gekommen. Und solange setzt der VSG auf kleinere Anlagen, sogenannte WKK-Projekte (Wärme-Kraft-Kopplung) für einzelne Häuser oder ganze Siedlungen. WKK-Anlagen produzieren gleichzeitig Wärme für die Heizung und Warmwasser sowie Strom – aus Gas. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.04.2012, 15:10 Uhr
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146 Kommentare
Wen erstaunt s? Frau Leuthard ist eine Vertreterin der Atomlobby. So bringt man halt nur "unmögliche" Varianten. Dann geht s munter weiter mit AKW s! Bis zum bitteren Ende. Ich vertraue jedenfalls den VertreterInnen für alternative Energiekonzepte mehr als den Energie-
Konzernen und ihren VertreterInnen.
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Selbst wenn zum Schutz der Stromlobby der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Effizienz weiterhin behindert wird: 6 Gaskraftwerke sind ohnehin absurd angesichts der Tatsache, dass sämtliche CH-Reaktoren bereits mit 4 Gaskraftwerken vollständig ersetzt werden könnten.
Gaskraftwerke rechnen sich momentan kaum, weil die Grosshandelsstrompreise im Keller sind (Kapazitätsüberschuss in Europa).
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