Wirtschaft

S&P warnt vor Rezession in Eurozone

Aktualisiert am 17.12.2011 20 Kommentare

Laut Jean-Michel Six, Chefökonom von Standard & Poor's, wird im Kampf gegen die Eurokrise das Wirtschaftswachstum vernachlässigt. Die Chancen für eine «wirklich ernste» Rezession sieht er bei 40 Prozent.

«Wachstumsförderung ist eines der Beine auf denen Europa laufen muss»: Der Chefökonom von Standard & Poor's, Jean-Michel Six vor den Medien.

«Wachstumsförderung ist eines der Beine auf denen Europa laufen muss»: Der Chefökonom von Standard & Poor's, Jean-Michel Six vor den Medien.
Bild: AFP

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Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hat die Eurozone vor einer starken Rezession gewarnt und mehr Anstrengungen für ein stabiles Wirtschaftswachstum gefordert. Die Sanierung der Staatsfinanzen und die Wachstumsförderung seien die «beiden Beine, auf denen Europa laufen muss», sagte Chefökonom Jean-Michel Six heute dem französischen Radiosender BFM Business. Konkurrent Moody's stufte die Kreditwürdigkeit Belgiens herab.

Die Wachstumsproblematik sei beim jüngsten Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union in der vergangenen Woche in Brüssel vernachlässigt worden, kritisierte Six. Die Gefahr, dass die Eurozone in eine starke Rezession rutschen könne, bezeichnete er als «sehr hoch». In derzeitigen Szenarien gehe Standard & Poor's von einer 40-prozentigen Wahrscheinlichkeit für einen «wirklich ernsten» Wirtschaftsabschwung aus.

Rasche Umsetzung

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, der Deutsche Jürgen Stark, forderte in der «Wirtschaftswoche», die Beschlüsse des jüngsten Brüsseler Gipfels rasch umzusetzen, um die Refinanzierung Italiens im kommenden Jahr sicherstellen zu können. «Die Märkte erwarten kurzfristige Lösungen», sagte er dem Magazin. Entscheidend sei es, bald die Verringerung der Defizite als auch die der Schuldenstände in den Verfassungen der Mitgliedsländer zu verankern.

Einige hoch verschuldete Mitgliedsländer der Eurozone wie Griechenland und Italien stehen derzeit unter starkem Druck der Finanzmärkte. Die Sparbemühungen in der Währungsunion könnten in diesem Zusammenhang zudem zu einem weiteren Absinken der Wachstumsraten führen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hatte bereits Ende November vor einer «leichten Rezession» in der Eurozone gewarnt.

Belgien herabgestuft

Die US-Ratingagentur Moody's teilte indes gestern mit, die Bonität Belgiens werde von Aa1 auf Aa3 heruntergesetzt und mit einem negativen Ausblick bewertet. Zur Begründung nannte das Unternehmen schlechtere Bedingungen für verschuldete Eurostaaten, sich Geld zu leihen, die Risiken hinsichtlich des Wachstums der belgischen Wirtschaft sowie die möglichen Kosten für die Rettung von Banken, beispielsweise der angeschlagenen Dexia-Bank. (wid/AFP)

Erstellt: 17.12.2011, 12:59 Uhr

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20 Kommentare

Alex Renge

17.12.2011, 18:16 Uhr
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Und was soll die EU noch alles machen? Euro-Krise lösen, Sozialstaaten reformieren, Schulden abbauen, Banken sanieren, korrupte Regierungen ablösen, Wirtschaftswachstum fördern, Währung stabilisieren, Fiskalunion schaffen, Vertrauen herstellen. Und alles muss natürlich schon bis morgen erledigt sein. Man sollte lieber mal die Rating-Agenturen zum Schweigen bringen, und zwar am besten für immer. Antworten


Gerhard Keller

17.12.2011, 16:14 Uhr
Melden 15 Empfehlung 0

Warnungen, Herabstufungen - und alles im Tagestakt. Wie bloss hat man das eigentlich früher gemacht als man noch nicht ständig von Ratingagenturen gegängelt wurde und dem goodwill der "Märkte" des Boniadels ausgeliefert war? Und wie viel Politik und Eigeninteresse ist mit im Spiel bei solchen Beurteilungen? Antworten



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