Reissen Spanien und Italien Europa in den Abgrund?
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 24.05.2011 146 Kommentare
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Rockfans können endlos darüber streiten, wer die grösste Band aller Zeiten ist: die Beatles oder die Rolling Stones. Krimi-Kenner schlagen sich darüber die Köpfe ein, ob der wahre «Hard boiled»-Erfinder Dashiell Hammett oder Raymond Chandler heisst. Seit einem Jahr können auch die Investoren eine solche Endlosdebatte führen, und zwar mit der Frage: Wer ist der wahre Schwächling der Devisenmärkte: der Euro oder der Dollar?
Derzeit hat der Euro die Nase wieder vorn. Die Einheitswährung taumelt. Schuld daran ist eine brutale Wahlschlappe der spanischen Sozialisten und eine Warnung der Ratingagentur Standard & Poor’s: Sie hat angekündigt, die Bonität der italienischen Staatsschulden herabzusetzen. Beides zusammen hat zu einem neuerlichen Einbruch des Euros und zu Hektik an den Finanzmärkten geführt.
Mit Spanien und Italien ist alles anders
«Ist Spanien sicher?», wird immer mehr zur zentralen Frage von Euroland. Dass Griechenland bankrott ist und Irland und Portugal wahrscheinlich auch, weiss inzwischen jeder. Doch damit könnte man leben. Die drei Volkswirtschaften sind zu klein, als dass sie den Euro aus den Angeln heben könnten. Mit Spanien und Italien ist das anders. Diese beiden Länder lassen sich nicht mit Hilfspaketen sanieren und mit Sparpaketen drangsalieren. Das wäre ökonomisch und politisch unmöglich.
Zumindest in Spanien spitzt sich die politische Lage jetzt schon zu. Die anhaltenden Proteste von arbeitslosen Jugendlichen in Madrid erinnern an die Situation vor ein paar Monaten in Kairo und lassen Spekulationen über eine europäische Version der Jasmin-Revolution aufkommen.
In Rom lebt Silvio Berlusconi wahrscheinlich das letzte seiner vielen politischen Leben. Er hat in seiner Karriere die italienische Politik nicht nur in eine Schmierenkomödie verwandelt, er hinterlässt vor allem eine katastrophale wirtschaftliche Bilanz. Die Staatsschulden betragen mittlerweile rund 120 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Die Ankündigung Berlusconis, seine Regierung werde ein Sparpaket schnüren, das 2014 einen ausgeglichenen Haushalt garantiert, wurde mit Zynismus quittiert.
«Es gibt Anzeichen von Provinzialismus»
Immer deutlicher wird, dass Europa primär ein politisches Problem hat. Die Solidarität schwindet, und es zeigt sich immer deutlicher, dass es keine politische Führung mehr gibt. «Es sieht danach aus, dass alles auseinanderfällt – jedermann schaut für sich selbst, deshalb ist Kooperation unmöglich geworden», sagt Paul de Grauwe, Ökonomieprofessor und Berater der EU. Auch der Ton untereinander ist gehässiger geworden. So hat der eitle Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, kürzlich wutschnaubend ein Meeting verlassen, bloss weil gewagt wurde, über eine mögliche Umschuldung Griechenlands zu diskutieren. «Es gibt Anzeichen einer schrittweisen Desintegration, von Provinzialismus und offener Xenophobie», klagt auch der Ökonom Christopher Potts im «Wall Street Journal».
Wenn der Euro seine Favoritenrolle als Schwächling der Devisenmärkte verteidigen kann, dann gibt es bald wieder eine neue Endlosdebatte: Wer hat den Untergang von Euroland eingeleitet, Spanien oder Italien? (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.05.2011, 12:00 Uhr
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146 Kommentare
Al das war vorhersehbar! Aber die politische Elite hat es nicht wahrhaben wollen. Der EURO war ein politisches Produkt mit einer ungenügenden wirtschaftlichen Einbindung. Die Realitätsverweigerung der Elite ist beispielslos. Jetzt haben wir den Salat in Europa! Antworten
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