Wirtschaft

Ratingagentur stuft Spanien deutlich herab

Aktualisiert am 08.06.2012 18 Kommentare

Fitch hat die Kreditwürdigkeit Spaniens um drei Stufen herabgestuft. Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen sind derweil erneut gestiegen. Trotz der wirtschaftlichen Lage will das Land nicht unter den Rettungsschirm.

Der Bankensektor bereitet ihm zurzeit Kopfzerbrechen: Dennoch gebe es  keine konkreten Pläne, um Hilfe für die angeschlagenen Banken zu bitten, sagt Wirtschaftsminister Luis de Guindos. (31. Mai 2012)

Der Bankensektor bereitet ihm zurzeit Kopfzerbrechen: Dennoch gebe es keine konkreten Pläne, um Hilfe für die angeschlagenen Banken zu bitten, sagt Wirtschaftsminister Luis de Guindos. (31. Mai 2012)

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Die spanische Regierung muss bei ihrem Rettungsversuch des vom Kollaps bedrohten Bankensektors einen weiteren Rückschlag hinnehmen: Die Ratingagentur Fitch stufte gestern die Kreditwürdigkeit des Landes um drei Stufen von A auf BBB herab. Zugleich stieg der Zinssatz für zehnjährige Staatsanleihen auf ein gefährliches Niveau.

Fitch geht davon aus, dass Spanien bis zu 100 Milliarden Euro zur Stabilisierung seiner Banken benötigt, und bewertete den Ausblick für die Bonität des hoch verschuldeten Landes mit negativ. Die Rekapitalisierung des spanischen Bankensektors würde jüngsten Schätzungen zufolge teurer als zuvor prognostiziert, schrieben die Analysten der Ratingagentur in ihrer Begründung. Zudem werde es Spanien wohl weder in diesem noch im kommenden Jahr gelingen, die Rezession zu überwinden.

Auktion mit symbolischem Charakter

Zwar konnte sich Spanien erfolgreich dringend benötigtes Geld am Kapitalmarkt beschaffen. Allerdings musste das Land dafür tiefer in die Tasche greifen. Das spanische Finanzministerium nahm mit dem Verkauf von zehnjährigen Anleihen gestern 2,1 Milliarden Euro ein. Der Zinssatz stieg Ministeriumsangaben zufolge von 5,7 Prozent auf das von Experten als gefährlich eingestufte Niveau von 6 Prozent. Die Nachfrage sei hoch gewesen und habe die angebotene Menge um das 3,3-fache überstiegen. Analysten erklärten allerdings, der von der spanischen Regierung angepeilte Erlös von zwei Milliarden Euro sei so niedrig angesetzt gewesen, dass die Auktion eher symbolischen Charakter gehabt habe.

Die Auktion der zehnjährigen Anleihen war mit Spannung erwartet worden, nachdem der spanische Finanzminister Cristóbal Montoro am Dienstag erstmals explizit gewarnt hatte, dass «die Tür zu den Märkten für Spanien nicht offen ist».

Spanien will noch nicht unter Rettungsschirm

Trotz der prekären wirtschaftlichen Lage im Land will Spanien aber offenbar nicht unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen, zumindest vorerst nicht. Es gebe auch keine konkreten Pläne, um Hilfen für die angeschlagenen Banken zu bitten, sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos am Vortag in Brüssel. Zunächst müssten der Internationale Währungsfonds (IWF) und die beauftragten unabhängigen Bilanzprüfer ihre Berichte zum Finanzierungsbedarf der Banken vorlegen. «Erst dann will die spanische Regierung die erforderlichen Beschlüsse zur Rekapitalisierung der Institute fassen», sagte de Guindos.

Der IWF-Bericht soll Anfang kommender Woche, der Bericht der unabhängigen Bilanzprüfer Ende Juni vorgelegt werden. Wenn die Eurogruppe am 20. Juni zu ihrem nächsten Treffen zusammenkommt, könnte Madrid seine Pläne offenbaren. Es wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank und die Europäische Kommission beim EU-Gipfel Pläne für eine Bankenunion vorlegen, die Rettungspakete direkt vergeben soll, ohne dabei den Umweg über die Regierungen der einzelnen Länder zu nehmen.

Spanien möchte seinen Banken gerne diesen Zugang zu direkter Hilfe ermöglichen. Zur Rettung des gesamten spanischen Bankensektors wären schätzungsweise zwischen 40 und 100 Milliarden Euro nötig. Aus Kreisen der Eurogruppe wurden direkte Finanzspritzen aus dem Rettungsschirm EFSF an den spanischen Bankenrettungsfonds Frob allerdings abgelehnt. Um Hilfe zur Bankenrekapitalisierung zu bekommen, «müsste die spanische Regierung einen normalen Antrag stellen», sagte ein Diplomat. (rbi/dapd)

Erstellt: 08.06.2012, 06:26 Uhr

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18 Kommentare

carlos zapato

08.06.2012, 08:19 Uhr
Melden 18 Empfehlung 0

Es wohl eher zu befürchten, dass die span. Banken eher das Doppelte, also 200 Mia. brauchen und dass der Staat sich früher oder später doch unter den Schirm stellen muss. Das ganze Spiel wie bei den siechenden Griechen. Antworten


Hanspeter Buehler

08.06.2012, 08:07 Uhr
Melden 16 Empfehlung 0

Es gibt eine klare Regel und diese heisst: "Es kann nicht zusammengehören was nicht zusammengehört." Diese Regel wird in der EU andauernd gebrochen, nur aus Prestige. Ich finde auch, dass "Solidarität" etwas Gutes darstellt - aber nicht wenn diese masslos ausgenutzt wird. Wer weiss, dass seine "Löcher" immer wieder gestopft werden, wird nie echt an seiner Volkswirtschaft arbeiten. Antworten



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