Wirtschaft

OECD: Weltweite Krise wird Schweiz mitreissen

Aktualisiert am 28.11.2011 9 Kommentare

Gemäss OECD muss die Schweiz noch bis Mitte 2012 mit einer schwachen Konjunktur rechnen. Die weitere Entwicklung sei dann von der Euro-Krise abhängig. Die Experten warnen offen vor einer weltweiter Rezession.

Die BIP-Prognosen im Überblick

Die BIP-Prognosen im Überblick


BIP-Prognose

Quelle: sda


Düsterer Ausblick für die Wirtschaft: Arbeiter auf einer Baustelle. (Bild: Keystone )

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Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) malt ein düsteres Bild der weltweiten Konjunktur. In ihrem Wirtschaftsausblick hat sie ihre Prognosen deutlich nach unten korrigiert.

Für das kommende Jahr geht die OECD von einem Wachstum der Weltwirtschaft von 3,4 Prozent aus. Im Mai hatte sie noch mit 4,6 Prozent gerechnet. Für das laufende Jahr senkte sie die Wachstumsprognose von 4,2 auf 3,8 Prozent.

Auch die Schweiz betroffen

Die weltweite Konjunkturabschwächung wird gemäss OECD auch die Schweiz mitreissen. Für das kommende Jahr rechnet die Wirtschaftsorganisation mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) der Schweiz von 0,8 Prozent. Vor sechs Monaten erst war sie noch von 2,5 Prozent Zuwachs ausgegangen. Das Wachstum in diesem Jahr veranschlagte die OECD auf 1,8 Prozent, im Mai lag ihre Schätzung bei 2,7 Prozent.

Bis Mitte des kommenden Jahres sei mit einer Fortsetzung der von lahmenden Exporten und einem starken Franken geprägten Konjunkturentwicklung zu rechnen, heisst es im Bericht. In der zweiten Hälfte 2012 sollte die Wirtschaft dann angetrieben von einer globalen Belebung wieder leicht an Fahrt gewinnen.

Untergrenze war angemessen

Wie sich die Konjunktur in der Schweiz entwickelt, ist nach Einschätzung der OECD weitgehend von der europäischen Schuldenkrise und dem Franken-Wechselkurs abhängig. Die Festlegung des Euro- Mindestkurses von 1,20 Franken durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) im September sei angesichts der schnellen und starken Aufwertung des Frankens angemessen gewesen, erklärte die OECD. Nur so habe die SNB die Preisstabilität sicherstellen können.

Da die Nachfrage hinter den Produktionsmöglichkeiten der Schweizer Wirtschaft zurückbleiben dürfte, sei nicht mit inflationärem Druck zu rechnen. Die SNB könne daher ihre Tiefzinspolitik fortsetzen und sollte erst Ende 2012 mit einer schrittweisen Erhöhung ihres Leitzinses beginnen.

Stagnierende Eurozone

Obschon die Wachstumsprognose für die Schweiz deutlich gesenkt wurde, liegt sie immer noch über jener für das umliegende Ausland. Die Wirtschaft der Eurozone wird laut OECD 2012 um lediglich 0,2 Prozent wachsen.

Besonders in den Krisenländern der Währungsunion präsentieren sich die Aussichten düster. Für Italien wird ein Rückgang des BIP um 0,5 Prozent prognostiziert. Portugal muss sogar mit einem Minus von 3,2 Prozent rechnen. Die Schätzung für Griechenland liegt bei minus 3,0 Prozent. Erst 2013 können die überschuldeten Staaten wieder auf positive Zahlen hoffen.

Auf «das Schlimmste» vorbereiten

Angesichts dieser Prognosen schlägt die OECD nun Alarm: Sie fordert ein stärkeres Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) und eine Rekapitalisierung der Banken. Die Verantwortlichen müssten sich auf «das Schlimmste» vorbereiten, heisst es im Bericht. Notfalls müsse die EZB intervenieren.

Auch von den USA gehen laut OECD erhebliche Risiken aus, wenn es nicht zu einer Einigung auf ein Sparprogramm kommt. In der globalen Perspektive verschärfe sich die konjunkturelle Lage zusätzlich, da sich das Wachstum in den Schwellenländern ebenfalls abschwäche. (kpn/sda)

Erstellt: 28.11.2011, 12:26 Uhr

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9 Kommentare

lucius mayer

28.11.2011, 15:16 Uhr
Melden 21 Empfehlung

Gibt es immer noch so viele fundamentalische Wachstumsgläubige? Was unsere Mutter Erde dringend braucht ist ein SCHRUMPFEN der Pandemie Menschheit. Antworten


Gerhard Keller

28.11.2011, 14:57 Uhr
Melden 14 Empfehlung

Wachstum und noch mehr nochmals Wachstum ist der Schlüssel zum Glück? Auch wenn dabei die Umwelt krepiert, noch mehr Kinder ausgebeutet und Menschenrechte mit Füssen getreten werden? Wann endlich macht sich die Erkenntnis breit, dass nicht quantitatives Wachstum sondern qualitativer Mehrwert anzustreben wäre? Aber offenbar sind zweistellige Zuwachsraten und fairer, ökologischer Handel unvereinbar. Antworten



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