Wirtschaft
Moderne Reiter der Apokalypse
Eine Analyse von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 24.04.2012 28 Kommentare
Inspirierte zahlreiche Künstler: In der Holzschnittfolge «Apokalypse» von Albrecht Dürer sind in Anlehnung an das Johannes-Evangelium die vier Reiter und der Untergang der Welt zu sehen. Der Schnitt wurde erstmals 1498 öffentlich gezeigt.
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Der ehemalige Wahlkampfmanager von Bill Clinton hat sich einmal gewünscht, als Anleihewächter wieder auf die Welt zu kommen, weil «man da allen Angst einjagen kann». Seit rund einem Vierteljahrhundert gibt es den Begriff «bond vigilants» (Anleihewächter). Dazu sind in der Regel alle institutionellen Obligationenhändler zu zählen. Wie einst die Reiter der Apokalypse im Mittelalter verbreiten sie Angst und Schrecken.
Anleihewächter sind Anleger, die gegen die Staatsanleihen eines Landes spekulieren. Auf diese Weise treiben sie die Zinskosten eines Landes in die Höhe. Anleihewächter gelten daher als Zuchtmeister der Staaten. Sie drängen auf Haushaltsdisziplin selbst in Zeiten von Massenarbeitslosigkeit. Bei Überschuldung drohen sie mittels gezielt gestreuten verbalen Äusserungen mit «Vertrauensverlust», einem Begriff, der mittlerweile gestandene Politiker vor Schrecken erbleichen lässt.
Jüngster Angriff wegen der Wahlen in Frankreich
Ausgelöst wurde der jüngste Angriff der Anleihewächter durch die französischen Wahlen. Dabei ist es weniger der Erfolg des Kandidaten der Sozialisten, François Hollande, der zu einem Vertrauensverlust geführt hat. Es ist die Erkenntnis, dass der Zustand der französischen Volkswirtschaft sehr viel mehr Ähnlichkeit zu den spanischen und italienischen aufweist, als zur deutschen.
In Prozenten des Bruttoinlandprodukts gemessen hat Frankreich letztes Jahr ein höheres Staatsdefizit ausgewiesen als Portugal. Dass gleichzeitig in den Niederlanden eine rechtskonservative Regierung gescheitert ist, erhöht die Nervosität der Anleihewächter zusätzlich.
Euroländer werden gegeneinander ausgespielt
Die Anleihewächter haben derzeit ein leichtes Spiel, denn der von Deutschland durchgedrückte Kurs der Wirtschaftspolitik verschafft ihnen ideale Voraussetzungen: Die harte Sparpolitik versetzt die Menschen in Angst und Schrecken und verhindert gleichzeitig, dass gemeinsame Lösungen gefunden werden können. Stattdessen werden die einzelnen Euroländer gegeneinander ausgespielt. Das hat zur Folge, dass einzelne Länder ins Visier der Spekulanten genommen werden können, weil die Anleihewächter «kein Vertrauen» in ihre Fiskalpolitik mehr haben. Die Zinsen schiessen in die Höhe, die Regierung muss den Gürtel noch enger schnallen, das Leid der Menschen wächst.
Nur wenn Staaten gegeneinander ausgespielt werden, können die Anleihewächter ihr übles Spiel treiben. In den USA sind die Staatsschulden ebenfalls explodiert, und die Ratingagenturen haben die Bonität herabgestuft. Japan hat die höchsten Staatsschulden überhaupt. Doch die Zinsen für amerikanische und japanische Staatsanleihen befinden sich nach wie vor auf einem rekordtiefen Niveau. Der Grund liegt darin, dass die USA und Japan ihre eigene Währung besitzen und dass – allem Geschrei hysterischer Warner zum Trotz – keine Inflationsgefahr besteht. Unter diesen Umständen sind die Anleihewächter machtlos.
Deutschland spielt Anleihewächtern in die Hände
In Europa hingegen haben die Deutschen bisher erfolgreich verhindert, dass den Anleihewächter das Handwerk gelegt wird. Sie haben einen gemeinsamen Markt für Staatsanleihen, die Eurobonds, blockiert und versagen der Europäischen Zentralbank die Möglichkeit, in Krisenzeiten Kreditgeberin in letzter Instanz zu spielen. Aus was für Gründen auch immer verschliesst sich die Regierung von Angela Merkel den fundamentalen Erkenntnissen aus der Grossen Depression und treibt damit Europa immer tiefer in die Krise.
Jetzt aber wächst die Wut der Menschen. Inzwischen ist das Scheitern der deutschen Austeritätspolitik offensichtlich: 17 Millionen Menschen sind in Europa arbeitslos. Selbst die Musterschüler der Sparpolitik wie Irland versinken immer tiefer im Morast der Wirtschaftskrise. Der Widerstand gegen Berlin wächst. «Es gibt einen gewaltigen Aufruhr gegen die strikten Sparmassnahmen», sagt Tanja Börzel, Politologieprofessorin an der Freien Universität in Berlin. «Und es sind vor allem die populistischen Parteien, die immer kritischer werden gegenüber der Austeritätspolitik.»
Merkel weiss, wann sie den Kurs ändern muss
Angela Merkel gerät nicht nur im Ausland, sondern auch im Inland immer stärker unter Druck. Ihre Koalitionspartner, die Sparapostel der FDP, versinken in der politischen Bedeutungslosigkeit. Gleichzeitig feiern die Dilettanten der Piratenpartei einen Erfolg nach dem anderen. Merkel ist eine Meisterin des Taktierens. Bisher hat sie immer gewusst, wann sie den Kurs ändern muss. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie bald ihre Austeritätspolitik mildert, ist gross. Dann werden auch für die Anleihewächter härtere Zeiten anbrechen.
Erstellt: 24.04.2012, 12:18 Uhr
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28 Kommentare
Was fuer ein schwacher Artikel. Einigen Laendern, die waehrend Jahren ueber ihre Verhaeltnisse gelebt haben, wird nun der Spiegel vorgehalten, und was sie da sehen ist halt graesslich. Und was macht der Phillipp Loepfe - er beschuldigt den Spiegel! Antworten
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