«Mit hartem Auftreten Glaubwürdigkeit verschaffen»
Von Olivia Kühni, Bernhard Fischer. Aktualisiert am 24.06.2011 3 Kommentare
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Nach langem Hin und Her haben sich die EU-Staatschefs geeinigt: Mario Draghi wird am 1. November Präsident der Europäischen Zentralbank EZB. Er folgt auf Jean-Claude Trichet, dessen Amtszeit nach acht Jahren endet. Draghi gilt als zurückgezogener, rationaler Schaffer – und somit als Idealbesetzung für das Amt. Die ihm nachgesagte Gelassenheit wird dem gebürtigen Römer zugutekommen: Er übernimmt das Ruder der EZB mitten in der schlimmsten Krise der Gemeinschaftswährung.
Dabei dürfte Draghi in der Griechenland-Krise eine andere Position einnehmen als sein Vorgänger Trichet. Dieser habe gegenüber einer potenziellen Umschuldung Griechenlands eine «sehr stark kompromisslose Haltung» eingenommen, sagt Harris Dellas von der Universität Bern. Draghi dürfte dem Plan Deutschlands einer Umschuldung unter Einbindung der privaten Gläubiger offener gegenüberstehen, so Harris.
Gute Beziehungen zu Deutschland
Dasselbe sagt Thomas Url vom Wirtschaftsforschungsinstitut in Wien. Die EZB sei bislang stark davon überzeugt gewesen, dass Rückkopplungen der Griechenlandschulden auf die Kapitalmärkte sehr stark wirkten. «Es ist fraglich, ob Draghi das ähnlich streng beurteilen wird.» Als langjähriger Vorsitzender des Financial Stability Board FSB habe Draghi an vorderster Front an der Stabilisierung der Finanzmärkte und am Basel-III-Abkommen mitgearbeitet – und dort auch gute Beziehungen zu Deutschland aufgebaut. Diese guten Beziehungen dürften dem neuen EZB-Chef in spe nützen.
Mit aller Härte gegen Inflation
Die Wirtschaftsforscher geben sich überzeugt, dass Draghi die gesamteuropäische, auf Stabilität ausgerichtete Geldpolitik der EZB beibehalten werde. Möglicherweise werde Draghi langfristig sogar stärker auf Inflationsbekämpfung setzen als Trichet, meint Dellas. «Als Südeuropäer wird er sich hier wohl mit hartem Auftreten Glaubwürdigkeit verschaffen wollen.»
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.06.2011, 19:00 Uhr
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3 Kommentare
Mit hartem Auftreten ist noch kein Blumentopf gewonnen. Hohle dumme Sprüche klopfen ist das Einzige was diese Bürokraten verstehen. Die müssen jetzt um ihre Pfründe kämpfen um ihre Ärsche in Brüssel so lange wie möglich noch breitsitzen zu können. Antworten
Da will also ein Italiener die EZB wieder auf Kurs bringen und damit die EU-Mitgliedstaaten disziplinieren, was ihr Haushaltsmanagement angeht. Da darf man gespannt sein, ist es doch gerade Italien, dass dafür bekannt ist, weit über seinen Verhältnissen zu leben...wenn also der Bock zum Gärtner wird - wir dürfen gespannt sein, ob Signore Draghi das Vorurteil bestätigt oder widerlegt. Antworten
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