Laufen lassen oder Zügel anziehen?
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 05.05.2011 10 Kommentare
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Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hat sich einen Ruf als entschlossener Kämpfer gegen die Inflation erworben. Im März hat er deshalb den Leitzins um 25 Basispunkt auf 1,25 Prozent erhöht, die erste Zinserhöhung seit Ausbruch der Finanzkrise. Und heute hat Trichet durchblicken lassen, dass der nächste Zinsschritt nur eine Frage der Zeit sei. Experten erwarten ihn spätestens im Juli.
Damit ist die EZB deutlich auf Distanz gegangen zur US-Notenbank, dem Federal Reserve System (Fed). Sie hat die Zinsen nicht erhöht, und Fed-Präsident Ben Bernanke hat auch angedeutet, dass er nicht im Sinn hat, dies demnächst zu tun. Warum verfolgen die beiden Schwergewichte unter den Notenbanken so unterschiedliche Strategien?
Erstens: Die Inflationsgefahr wird unterschiedlich bewertet. Steigende Rohstoffpreise, vor allem Öl, haben die Teuerung rund um den Globus angeheizt. In der Eurozone ist sie im April auf 2,8 Prozent geklettert, also deutlich über die 2-Prozent-Marke, die allgemein als unproblematisch eingestuft wird.
Doch Inflation ist nicht gleich Inflation. Experten sprechen von einer «Kerninflation», bei der die stark schwankenden Energie- und Nahrungsmittelpreise nicht berücksichtigt werden. Die Kerninflation ist in den USA und Europa nach wie vor sehr tief. Deshalb sieht Fed-Präsident Bernanke keinen Grund, an der Zinsschraube zu drehen. EZB-Präsident Trichet hingegen befürchtet sogenannte Zweitrunden-Effekte. Mit anderen Worten: Er glaubt, dass die hohen Energiepreise bald auch zu massiven Lohn- und Preissteigerungen führen werden. Dafür gibt es jedoch bisher keinerlei Anzeichen.
Zweitens: Die EZB muss nur die Inflation bekämpfen, das Fed muss auch die Konjunktur ankurbeln. Dieser unterschiedliche Auftrag hat Konsequenzen. In den USA beträgt die Arbeitslosenquote immer noch 8,8 Prozent, ein Wert, der langfristig inakzeptabel ist. Bernanke würde auch gegen seine Pflichten verstossen, wenn er ohne sehr gute Gründe jetzt das Geld verteuern und den ohnehin schon schwachen Aufschwung nochmals schwächen würde. Für Trichet hingegen stellt sich dieses Problem nicht, obwohl die Arbeitslosenzahl in der Eurozone höher ist als in den USA. Derzeit beträgt sie 9,9 Prozent. Für die Beschäftigung sind jedoch nach wie vor die nationalen Regierungen zuständig.
Beide Wege können scheitern
Ob Fed oder EZB, die Strategien beider Notenbanken haben hohe Risiken. Bei Fed besteht die Gefahr darin, dass die Politik des billigen Geldes aus dem Ruder läuft und tatsächlich eine Inflationsspirale in Gang setzt. Zudem verlieren wichtige Investoren die Lust, weiterhin amerikanische Staatsanleihen zu kaufen. So hat der grösste Bondhändler der Welt, Pimco, erklärt, bis auf weiteres die Finger von T-Bonds zu lassen.
Bei der EZB besteht die Gefahr darin, dass sie im Kampf gegen die Inflation blind wird und die viel bedrohlicheren Strukturprobleme übersieht. Die Patienten in der Notfallstation, Griechenland, Irland und Portugal, haben jetzt zwar alle eine Kapitalinfusion erhalten. Über den Berg sind sie aber noch längst nicht. Ein Kollaps von einem oder gar mehreren dieser Notfallpatienten würde im europäischen Bankensystem einen katastrophalen Dominoeffekt auslösen – «viel schlimmer noch als der Lehman-Kollaps», wie es ein Experte ausdrückt.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.05.2011, 16:14 Uhr
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Wenn ich Geld wetten würde, würde ich Fr.100'000.- auf die Euro-Zone setzen, 20'000 auf die USA und je 10'000 auf China und Russland. Im Unterschied zu EU-Skeptikern prophezeie ich, dass die Euro-Zone am besten in 20 Jahren dastehen wird. Wer ernsthaft eine andere Meinung hat, sollte auch zu Wetten bereit sein. Ab Fr. 1'000.- ist man dabei. Wer will dabei sein? Antworten
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