Wirtschaft
Jobsegen aus dem Steuerparadies
Von Amir Ali. Aktualisiert am 19.04.2012 27 Kommentare
«Die USA sind für die Schweizer Wirtschaft ein Klumpenrisiko»: Martin Naville, Chef der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer. (Bild: Keystone )
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Die Schweiz war 2011 mit knapp 30 Milliarden Dollar der zweitgrösste ausländische Direktinvestor in den USA und macht damit 13 Prozent des Gesamtvolumens aus. Dies schätzt jedenfalls eine aktuelle Statistik der amerikanischen Organization for International Investment (OFII), die die Interessen der US-Ableger multinationaler und ausländischer Konzerne vertritt. Im Jahr davor flossen sogar über 40 Milliarden Dollar an Direktinvestitionen aus der Schweiz in die USA.
Die Zahlen schwanken zwar von Jahr zu Jahr. Für die Silbermedaille von 2011 seien «einige grosse Kisten» verantwortlich, sagt Martin Naville, Chef der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, im Gespräch mit DerBund.ch/Newsnet. So etwa Nestlés Übernahme des nordamerikanischen Tiefkühlpizzageschäftes vom US-Konzern Kraft Foods sowie weitere Übernahmen in der Pharmabranche.
Der Langzeitvergleich bestätigt aber die Momentaufnahme: Die kleine Schweiz «liegt kumulativ mit ihren Direktinvestitionen in den USA auf Rang sechs», so Naville. Auch als Abnehmer von US-Exporten ist die Schweiz weit bedeutender, als die Grösse ihrer Volkswirtschaft nahelegen würde: Unter den wichtigsten Importeuren von US-Produkten liegt die Schweiz auf Rang 16.
Notwendigkeit, nicht Gelegenheit
Der starke Franken begünstigt den Kapitalfluss in Richtung USA. Akquisitionen in Übersee sind für Schweizer Unternehmen billig wie nie. «Gleichzeitig kommen sie unter Preisdruck und lagern die Produktion dorthin aus, wo sie auch die Umsätze generieren», so Naville.
Zahlreiche Schweizer Multis verdienen einen guten Teil ihres Geldes in den USA, so etwa die Pharma- und Chemieriesen Roche, Novartis und Syngenta. Aber auch für die grossen Schweizer Rückversicherer ist der US-Markt überlebenswichtig. Und seit Europa stagniert, nimmt die Bedeutung der USA für die Schweiz noch zu.
Das heisst im Klartext: Investieren in die USA ist nicht nur eine Gelegenheit, sondern zunehmend auch betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Für die USA wiederum bedeutet dies nicht zuletzt, dass dringend benötigte Jobs geschaffen werden.
«Solange es nicht knallt...»
Vor dem Hintergrund des andauernden Steuerstreites könnte sich die starke Abhängigkeit der Schweizer Wirtschaft von den USA negativ auswirken. «Solange es nicht knallt, besteht keine Gefahr», schätzt Naville. «Grundsätzlich aber ist das starke US-Engagement für die Schweizer Volkswirtschaft ein Klumpenrisiko.» Im Falle einer Eskalation nämlich sieht er Washington am längeren Hebel – die wahrscheinlichste Waffe der Amerikaner wäre dann die Bürokratiekeule.
So könnte die Steuerbehörde IRS die Schweiz auf eine schwarze Liste von Ländern setzen, die sich in Steuerfragen nicht kooperativ zeigen. Dies könnte im Extremfall dazu führen, dass jede Transaktion aus den USA in die Schweiz kontrolliert wird. «Solche bürokratischen Hindernisse wären dann ein Grund, auf Anbieter aus anderen Ländern auszuweichen», schätzt Naville. Dann würde die enge Partnerschaft mit der immer noch grössten Volkswirtschaft der Welt plötzlich zur Achillesferse. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.04.2012, 16:39 Uhr
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27 Kommentare
Was Nashville als Interessenvertreter der USA unterschlägt ist, dass offenbar die USA sehr auf Investitionen aus der CH angewiesen ist. Gar nicht zu reden von den Anlagevermögen die aus der CH in den USA investieren und deren Schulden kaufen. Wenn wir uns richtig gewehrt hätten (Banken z.B. mit Ausstieg aus US Anlagen gedroht hätten) hätten wir mehr rausgeholt und USA wäre handzahm geworden. Antworten
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