Ist die Zeit des Dollars als globale Leitwährung abgelaufen?
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 07.10.2009 20 Kommentare
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Henry Ford pflegte sein T-Model in jeder Farbe zu verkaufen, solange es schwarz war. Die Investoren befolgen derzeit ein ähnliches, ungeschriebenes Gesetz: Sie kaufen alles, solange es keine Dollar sind. Gold, Euro, Schweizer Franken sind willkommen, die US-Währung wird gemieden wie die Pest. Seit mehr als einem halben Jahr verliert der Greenback deshalb kontinuierlich an Wert.
Diese Schwindsucht betrifft nicht bloss die Amerikaner: Zur Erinnerung: Der Dollar ist die globale Leitwährung. Zwei Drittel aller Währungsreserven werden in Dollar gehalten, die meisten Güter und die wichtigsten Rohstoffe, vor allem Erdöl, werden darin gehandelt. Wird also die Dollarschwäche zum Problem für die Weltwirtschaft? Die Antwort auf diese Frage ist zwiespältig, die Dollarschwäche kann nämlich sehr widersprüchlich interpretiert werden.
Comeback der «Animal Spirits»
Für die Optimisten ist die Dollarschwäche ein gutes Zeichen. Sie zeigt, dass bei den Anlegern die sogenannten «Animal Spirits», die Lust auf Risiko, wieder zurückgekehrt sind. Wer Dollar kauft, ist ein Feigling. Die Renditen sind tief – die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen liegen derzeit bei mageren 3,3 Prozent – und die Papiere gelten als sehr sicher. Trotz einer Neuverschuldung von rund 1600 Milliarden Dollar sind US-Staatsanleihen deshalb immer noch sehr gefragt. Aber wer eine höhere Rendite anstrebt, schaut sich nach Alternativen um, verkauft Dollar und treibt damit den Kurs in den Keller.
Die Pessimisten sehen das ganz anders. Für sie ist jeder Schwächeanfall eine weitere Drehung einer endlosen Spirale nach unten: Die Menschen verlieren das Vertrauen in die US-Währung. Das wird über kurz oder lang dazu führen, dass die Notenbank die Leitzinsen erhöhen muss; das wiederum lässt die ohnehin schon enormen Schuldzinsen noch weiter anwachsen und den Schuldenberg noch höher werden und provoziert damit den nächsten Schwächeanfall.
Petro-Staaten sind unglücklich
Die Dollarschwindsucht ist inzwischen ein geopolitisches Dauerproblem geworden. Chinesen und Russen, die beide grosse Dollarreserven besitzen, haben ihren Unmut schon mehrmals und öffentlich geäussert. Auch Petro-Staaten wie Saudiarabien sind unglücklich. Immer wieder tauchen deshalb Gerüchte auf, dass der Euro als Alternativ-Leitwährung ausgebaut werden soll, dass die Sonderziehungsrechte des IWF – eine Kunstwährung – eine bedeutendere Rolle spielen sollen, oder dass gar der chinesische Renminbi den Dollar ersetzen wird.
Die jüngste Dollarschwäche ist teilweise ebenfalls mit dem Gerücht verbunden, wonach China, Frankreich, Japan und Russland zusammen mit den Golfstaaten heimlich an einer Alternative zum Dollar basteln sollen. Kurzfristig ist ein solches Ansinnen allerdings wenig realistisch. Erstens sind die technischen Probleme ziemlich gewaltig, und zweitens sind die USA nach wie vor militärisch gesehen die Supermacht. Falls die Gespräche zwischen den erwähnten Ländern überhaupt stattgefunden haben sollten, waren sie wahrscheinlich harmlos. «Ich bezweifle, dass es sich um einen ernsthaften Versuch handelt, die bestehende Finanzordnung und die Rolle des Dollars in Frage zu stellen», sagt Fred Hu von der Investmentbank Goldman Sachs in der «New York Times». Hu ist auch Berater der chinesischen Regierung.
Britisches Pfund wurde immer irrelevanter
Heisst dies, dass der Dollar als globale Leitwährung auf alle Zeiten sicher ist? Keineswegs. Er hat diese Rolle erst seit dem Zweiten Weltkrieg. Zuvor war das britische Pfund das Mass aller Dinge. Die beiden Weltkriege haben jedoch die Staatsfinanzen des Vereinigten Königreichs und seinen politischen Einfluss zerstört, das Pfund wurde immer irrelevanter. Grundsätzlich ist es nicht auszuschliessen, dass dem Dollar ein ähnliches Schicksal droht, ist doch die Bekämpfung der Wirtschaftkrise kostenmässig durchaus mit einem Krieg zu vergleichen. Aber heute und morgen wird das nicht passieren. Eine Alternative zum Dollar als globale Leitwährung gibt es bloss in der Phantasie. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.10.2009, 12:16 Uhr
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20 Kommentare
Herr Kunz, suchen Sie doch mal im Internet nach Publikationen zu diesem Thema. Und bitte nicht von gewissen Instituten die nur Firmenpolitik betreiben. Da werden Sie diese Informationen sicher nicht finden, da deren Schreiber leider befangen sind um die Wahrheit zu schreiben. Antworten
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