Wirtschaft
In Australien sind Minenarbeiter plötzlich Topverdiener
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Rohstoffe sind weltweit so gefragt wie noch nie. Der Wirtschaftsboom in China und anderen Schwellenländern hat die Nachfrage nach Eisenerz, Gold und anderen Metallen explodieren lassen. Die Folge ist ein akuter Mangel an Arbeitskräften in den Minen von Australien, Kanada und Peru.
Alleine in Kanada werden gemäss dem «Wall Street Journal» bis 2017 bis zu 90'000 Minenarbeiter fehlen. Auch Peru benötigt in den nächsten zehn Jahren 40'000 weitere Arbeitskräfte. «Es handelt sich um einen historischen Engpass», fasst Sigur Mareels, Verantwortlicher für die Beratung der Rohstoffbranche bei McKinsey, die aktuelle Situation zusammen.
Für die Arbeiter selbst sind dies gute Nachrichten. Im Rohstoffland Australien, wo der Mangel an Minenarbeitern besonders akut ist, sind sie die neue, begehrte Arbeiterklasse. Die Löhne in dieser Branche würden im zweistelligen Prozentbereich wachsen, bestätigt Tom Albanese, Konzernchef von Rio Tinto, der weltweit drittgrössten Bergbaugesellschaft, gegenüber dem amerikanischen Wirtschaftsblatt. Der australische Minenverband hat die Immigrationsbehörden bereits aufgefordert, das Visumsverfahren für ausländische Arbeiter möglichst schnell zu vereinfachen, wie «9 News» berichtet.
Eine ganze Branche schwimmt im Geld
Um die zusätzlichen 90'000 Bergarbeiter bis 2020 anzulocken, sind die australischen Konzerne inzwischen bereit, einiges hinzublättern. Ein 25-jähriger Schulaussteiger aus West-Australien bestätigt dem «Wall Street Journal», nach sieben Jahren als Bergbauarbeiter rund 200'000 US-Dollar zu verdienen. Der durchschnittliche Jahreslohn in der Branche liegt bei 110'000 US-Dollar. Das ist immer noch fast doppelt so viel wie der nationale Durchschnittslohn.
Der attraktive Lohn birgt aber erhebliche Risiken. Die Arbeitsbedingungen des Minenarbeiters sind äusserst gefährlich, die Einsatzschichten dauern langwierige 12 Stunden und nicht selten sieht der Arbeiter seine Familie während Wochen nicht.
Preisexplosionen als Folge
Die neureichen Minenarbeiter haben gleichzeitig ein neues gesellschaftliches Phänomen hervorgebracht. Viele von ihnen können mit dem plötzlichen Reichtum nicht wirklich umgehen. Das Verdiente wird sofort wieder ausgegeben.
Der Reichtum führt gerade in den abgelegenen Minenstädten im Westen des Landes zu einer regelrechten Preisexplosion. In der Rohstoffstadt Karratha im Nordwesten des Landes sind die Preise gemäss «Bloomberg Business Week» inzwischen doppelt so hoch wie in New York, derweil in den grossen Städten Australiens die Preise innert drei Monaten um 1,2 Prozent gesunken sind. Das Wirtschaftsblatt spricht vom australischen Dilemma einer Wirtschaft, die mit zwei komplett verschiedenen Geschwindigkeiten voranschreitet. (jak)
Erstellt: 16.11.2011, 20:24 Uhr
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