Wirtschaft

Hasliberger Bahnen in Finanznot

Von Hans Galli. Aktualisiert am 29.04.2011 5 Kommentare

Der schneearme Winter wirkt sich fatal aus: Die Bergbahnen Meiringen-Hasliberg können die Rechnungen nicht mehr bezahlen. Im Sommer droht die Betriebseinstellung.

Der schlechte Winter setzte den Skigebieten zu: Die Gondelbahn «Alpen Tower Express» bei Bidmi oberhalb von Hasliberg.

Der schlechte Winter setzte den Skigebieten zu: Die Gondelbahn «Alpen Tower Express» bei Bidmi oberhalb von Hasliberg.
Bild: PD

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Der Sommerbetrieb der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg ist nicht gesichert. Und die Banken fordern einen Abbau der Schulden. «Innert vier bis sechs Wochen müssen wir wissen, wie es weitergeht», sagte Gianni Biasiutti, der Vizepräsident des Verwaltungsrats, gestern. Verwaltungsratspräsident Ruedi Haefeli ist per sofort zurückgetreten, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Die Schulden seien seit vielen Jahren zu hoch gewesen, ein zu grosser Teil der finanziellen Mittel sei für Zinsen und Amortisationen abgeflossen, heisst es in der Mitteilung weiter. Ein Blick in den Geschäftsbericht zeigt es: Im Jahr 2009 mussten 4,5 Millionen Franken für den Schuldendienst aufgewendet werden – 30 Prozent des Umsatzes.

Das Ostergeschäft fiel aus

Weil das Geld fehlte, konnte über eine lange Zeit nicht genügend investiert werden. Neben der Erneuerung der Sesselbahn Bidmi-Käserstatt stand insbesondere der Ausbau der Beschneiungsanlagen an. Dafür wurde eine gesonderte Lösung ins Auge gefasst: Die neu zu gründende Hasli Schnee AG sollte die finanziellen Mittel für den Bau von Wasserreservoirs, Leitungen und Schneeerzeugungsmaschinen beschaffen. Während die Gemeinden Hasliberg, Guttannen und Schattenhalb sowie die Bäuertgemeinde Hasliberg zustimmten, scheiterte das Projekt am Nein der Gemeinden Innertkirchen und Meiringen.

Die vergleichsweise schwach ausgebaute künstliche Beschneiung wirkte sich im vergangenen Winter fatal aus. Während die Talabfahrten in der Jungfrauregion dank Kunstschnee bis weit in den Frühling offen blieben, waren die Schneeverhältnisse in der Region Hasliberg zu häufig unbefriedigend. Die Saison musste bereits am 11. April abgebrochen werden – das Ostergeschäft fiel aus. «Es hätte genügend kalte Tage gegeben. Weil wir zu wenig Beschneiungsanlagen hatten, konnten wir zu wenig Schnee produzieren», sagte Biasiutti. Der Winterumsatz sei um rund eine Million Franken tiefer ausgefallen als im Vorjahr.

Banken stellten sich quer

Die Banken waren laut der Medienmitteilung nicht bereit, weiteres Geld zur Verfügung zu stellen. Sie verlangten vielmehr einen Schuldenabbau. «Wir suchen jetzt einen Finanzexperten, der uns bei der Sanierung hilft», sagte Biasiutti. Als Lösungen im Vordergrund stünden ein freiwilliger Forderungsverzicht der Gläubiger oder die Nachlassstundung. Am langfristigen Fremdkapital von 31,6 Millionen Franken waren Ende 2009 die Banken mit 19,1 Millionen, die Gemeinden mit 3,5 Millionen sowie Bund und Kanton mit 5,4 Millionen Franken als Hauptgläubiger beteiligt. Sie müssen wohl alle auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und neue Mittel zur Verfügung stellen, damit die Meiringen-Hasliberg-Bahnen ihren Sommerbetrieb Anfang Juni aufnehmen können.

Aber auch die Angestellten werden betroffen sein. «Ein Stellenabbau ist unumgänglich; die Personalkosten sind die einzige Möglichkeit, im Betrieb etwas einzusparen», sagte Biasiutti. Mit 5,5 Millionen Franken machen sie mehr als ein Drittel des Jahresumsatzes aus.

«Schneeparadies» als Rettung?

Die Personalkosten gaben schon früher Anlass zu Diskussionen: Im Jahr 2008 hatten die Bergbahnen Meiringen-Hasliberg die Sportbahnen Hasliberg-Käserstatt übernommen. Dabei wurden von 81 Vollzeitstellen nur deren drei gestrichen, obwohl einzelne Verwaltungsräte schon damals grössere Einsparungen gefordert hatten.

Seit Ende 2003 wälzen Hasliberg, Melchsee-Frutt und Titlis unter dem Titel «Schneeparadies» den Zusammenschluss zu einem der grössten Skigebiete der Schweiz mit 42 Anlagen und 200 Kilometern Piste. Doch das Vorhaben stiess wegen der geplanten Erschliessung der heute noch unverbauten Engstlenalp in Natur- und Umweltschutzkreisen auf heftigen Widerstand. Ob die Finanzprobleme der Meiringen-Hasliberg-Bahnen die Fusion beschleunigen werden oder ob die Pläne deswegen definitiv scheitern, wird sich zeigen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.04.2011, 22:44 Uhr

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5 Kommentare

Eric Kurer Amstutz

29.04.2011, 07:34 Uhr
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Wieder eine Hoffnung mehr, dass die wunderschöne Engstlenalp so bleibt, wie sie heute ist..... Antworten


Fischer Fritz

29.04.2011, 16:16 Uhr
Melden 3 Empfehlung 0

Ein Armutszeugnis für den Verwaltungsrat. Sollte dieser doch vorausschauen und strategisch planen. Nein, Dilettantismus pur! Der ganze VR sollte, nein müsste zurücktretten und dann noch verklagen! Unwürdig. Für diese schöne Region. Da wurde jahrelang Sanierungen und Investitionen verschlampt. Sumpf von Vetterliwirtschaft. Jetzt aber gehörig ausmisten und richtig sanieren, fusionieren mit Titlis Antworten



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