Wirtschaft

Geschicktes Spiel mit den Erwartungen

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 25.10.2011 61 Kommentare

Mit einem Quartalsgewinn von 1 Milliarde Franken – gleich viel wie im Vorquartal – hat die UBS die Erwartungen deutlich übertroffen. Doch genau betrachtet, sieht das Ergebnis nicht ganz so glänzend aus.

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Hier ereignete sich das grosse Debakel im 3. Quartal: UBS-Niederlassung in London. (Bild: Keystone )

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Der Gewinn von rund 1 Milliarde Franken, den die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) heute für das dritte Quartal ausgewiesen hat, ist überraschend hoch. Die Analysten hatten nur etwa mit einem Drittel davon gerechnet. Für die Überraschung ist aber nicht nur das operative Geschäft der Bank verantwortlich, sondern vor allem auch deren Informationsmanagement. Denn am 4. Oktober liess die UBS die Öffentlichkeit bereits wissen, dass sie trotz des Verlustes von 2,3 Milliarden Dollar durch die Geschäfte des nun strafrechtlich verfolgten Händlers Kweku Adoboli einen «moderaten Reingewinn» erzielen wird. Mit den damals gelieferten Informationen machten sich die Analysten dann ans Rechnen und kamen im Schnitt auf eine Gewinnerwartung von rund 300 Millionen Franken.

Der Gewinn von 1 Milliarde Franken entspricht dem des Vorquartals. Berücksichtigt man nicht nur den Adoboli-Verlust, sondern auch noch die äusserst schwierigen Marktbedingungen im letzten Quartal, scheint dies auf den ersten Blick eine beachtliche Leistung zu sein. Der grösste Posten an diesem Erfolg ist aber ein rein buchhalterischer Erfolg, der eigentlich kein Grund zum Jubeln ist: Durch die verminderte Bonität der UBS – wie der meisten anderen Grossbanken auch – hat der Wert ihrer gehandelten Schuld um 1,765 Milliarden Franken abgenommen. Weil die Bank so ihre eigenen Schulden theoretisch billiger zurückkaufen könnte, wird dieser Betrag als Gewinn gebucht. Im letzten Quartal musste die Bank noch einen Verlust von 25 Millionen Franken verbuchen, weil damals die Bonität der Bank geringfügig zugenommen hatte.

Operativ hinter dem Vorquartal

Schon in ihrer Gewinnankündigung anfangs Monat hat die UBS auf diesen buchhalterischen Gewinn hingewiesen. Schon damals war klar, dass nur deshalb die Grossbank nicht in der Verlustzone landet. Doch damals ging sie noch von einem Gewinn aus der Bonitätsverschlechterung von 1,5 Milliarden aus. Dass es jetzt rund 300 Millionen mehr sind, erklärt beinahe die Hälfte des über Erwarten guten Abschneidens der Bank.

Dennoch hat die Bank in einigen Bereichen tatsächlich auch bessere Zahlen geliefert, als erwartet wurden. Das betrifft vor allem ihren Kernbereich Vermögensverwaltung («Wealth Management») und das Schweizer Firmen- und Privatkundengeschäft («Retail & Corporate»): Der Vorsteuergewinn des Vermögensverwaltungsgeschäft belief sich für das dritte Quartal auf 888 Millionen Franken, jener des Schweizergeschäfts auf 683 Millionen Franken. Erwartet wurden im ersten Bereich 530 Millionen, im zweiten 397 Millionen Franken.

Die Gewinnzahlen werden allerdings in beiden Bereichen stark durch Sondereffekte geschönt, die nicht auf die operative Leistung im engeren Sinn zurückgehen: Im Ergebnis des Vermögensverwaltungsgeschäft sind 433 Millionen Franken aus dem Verkauf von Anlagen enthalten – allerdings auch Restrukturierungskosten von 85 Millionen Franken. Auch der Gewinn im Retailgeschäft hat von Anlagenverkäufen von 289 Millionen Franken profitiert. Die Restrukturierungskosten beliefen sich hier auf 24 Millionen Franken. Ohne die Sondereffekte wären die Ergebnisse beider Sparten deutlich unter denjenigen des Vorquartals geblieben.

Investmentbanking als Klumpfuss

Besonderes Interesse weckt aber angesichts der aktuellen Debatte das Ergebnis im Investmentbanking: Hier weist die UBS einen Verlust von 650 Millionen Franken aus. Da sowohl der Adoboli-Verlust von 1,849 Milliarden Franken, wie auch der Gewinn durch die eingebüsste Bonität von 1,765 Milliarden Franken in diesem Bereich verbucht wurden, gleichen sich beide «Sondereffekte» in etwa aus. Das heisst, die UBS hätte auch ohne sie im Investmentbanking einen Verlust verzeichnet. Einen grossen Anteil daran hatten Restrukturierungskosten von 238 Millionen Franken. Dass der Adoboli-Verlust in Franken nun mit 1,849 Milliarden Franken tiefer ausgewiesen wird, als selbst nach Umrechnung des Dollarverlusts von 2,3 Milliarden, geht nur darauf zurück, dass ein Teil davon unter Währungsverlusten abgebucht wurde.

Zusammengefasst erscheint das Ergebnis der UBS von heute weniger leuchtend, als es die übertroffenen Erwartungen auf den ersten Blick suggerieren. Doch auf den Märkten interessiert man sich ohnehin nicht in erster Linie für die Zahlen. Viel wichtiger ist die Frage, was die UBS mit ihrem Investmentbanking künftig vorhat. Dazu aber wird sie erst an ihrem Investorentag am 17. November im New Yorker Luxushotel Astoria Waldorf mehr bekannt geben.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.10.2011, 08:51 Uhr

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61 Kommentare

Emanuel Alexander

25.10.2011, 10:53 Uhr
Melden 33 Empfehlung

Dieses ewige Bankengebashing von den Medien. Ist das heute noch die einzige Chance auf Leserschaft? Wie wäre es, wenn man stattdessen das Volk richtig aufklärt und die Milliarden-Gewinne aufzeigt welche die SNB mit den "Faulen Papieren* der UBS gemacht hat. Die Stimmung im Ausland hat sich gegenüber der UBS längst wieder positiv verändert. Nur in der Schweiz wird gebasht was das zeug hält. Antworten


Kurt Hofer

25.10.2011, 09:39 Uhr
Melden 30 Empfehlung

Meine nächste Steuererklärung lasse ich das nächste mal durch die Bilanzakrobaten der UBS AG ausfüllen.
Vielleicht werden dann meine Schulden plötzlich zu einem Gewinn und ich erhalte noch eine grosse Steuerrückzahlung samt Zinsen.
Antworten



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