Wirtschaft

Geithner soll Wallstreet-Banken Geld beschafft haben

Der amerikanische Finanzminister hat angeblich den Versicherer AIG gezwungen, den taumelnden Kollegen unter die Arme zu greifen. Bisher zurückbehaltene Dokumente geben dem Vorwurf neue Nahrung.

Sein Stuhl gerät immer mehr ins wackeln: Timothy Geither, US-Finanzminister und ehemaliger Chef des New Yorker Fed.

Sein Stuhl gerät immer mehr ins wackeln: Timothy Geither, US-Finanzminister und ehemaliger Chef des New Yorker Fed.
Bild: Keystone

Der Druck auf den amerikanischen Finanzminister Timothy Geithner nimmt weiter zu. Angelastet wird ihm sein Verhalten bei der Rettung des US-Versicherungsriesen AIG, den die Regierung insgesamt mit der Riesensumme von 182 Milliarden Dollar gestützt hat. Bei der Rettung war vor allem das Fed von New York stark beteiligt. Dieses stand bis zu seiner Wahl zum Finanzminister unter Geithners Führung.

Der Hauptvorwurf besteht darin, dass die vom Untergang bedrohte AIG vom New Yorker Fed gegen ihren Willen aufgefordert wurde, einer Reihe von Banken Beträge von insgesamt 62,1 Milliarden Dollar ohne Abstriche auszuzahlen. Davon profitierte auch die Schweizer Grossbank UBS (siehe Artikelverweis). Die Zahlung an die Banken erfolgte, weil diese sich mit sogenannten «Credit Default Swaps» CDS bei AIG versichert hatten.

Ein Freund der «Wall Street»

Mit diesen CDS hatten sich die Banken gegen den Ausfall von komplex verbrieften Hypothekenpapieren versichert. Der Zusammenbruch dieser Derivate gilt aus Auslöser der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise seit der grossen Depression der 1930er Jahre.

Geithner galt schon seit längerem als besonderer Freund der Wallstreet-Banken. Die neusten Enthüllungen dürften diesen Eindruck noch verstärken. Wie die Nachrichtenagentur «Bloomberg» heute schreibt, zeigen Dokumente, die das Fed von New York bisher unter Verschluss hielt, wie die CDS-Deals zustande gekommen sind, welche Hypothekenderivate damit versichert wurden und wie die Banken genau profitiert haben.

Die Banken wussten, was sie versichern liessen

Offenbar hat mindestens ein Teil der Banken besser als AIG gewusst, wie riskant die Derivate waren, die sie bei AIG versichern liessen. Aus direkten Kontakten mit den Hypothekenverkäufern am Anfang der Verbriefungskette war offenbar klar, dass die Papiere hoch toxisch waren. Das heisst, dass die Immobilienkäufer ihre Schulden kaum bezahlen konnten.

So profitierten die Banken gleich doppelt: Beim Handel mit den Schrottpapieren und nochmals, als sich deren wahrer Wert offenbarte. Ein US-Parlamentarier verglich das Verhalten der Finanzinstitute mit einem Autohändler, der ein Auto mit kaputten Bremsen verkauft, darauf noch eine Versicherung abschliesst und nach dem Unfall noch einmal kassiert.

Am meisten Schrottpapiere hat offenbar Goldman Sachs versichern lassen – für einen Betrag von 17,2 Milliarden Dollar. Das weckt auch deshalb besonders das Interesse der Öffentlichkeit, weil Henry Paulson, US-Finanzminister zur Zeit der AIG-Rettung, früher Chef der Investmentbank war. Paulson gilt zusammen mit Geithner nicht nur als Architekt der staatlichen Stützung von AIG, sondern auch der Hilfe an eine Reihe Wall Street-Grossbanken.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.02.2010, 19:47 Uhr

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