Wirtschaft

Düstere Perspektiven für den Finanzplatz Zürich

Aktualisiert am 13.01.2012 20 Kommentare

Jeden fünften Franken erwirtschaftet Zürich laut einer Basler Studie mit dem Finanzsektor. Die Branche ist unter grossem Druck – in diesem Jahrzehnt sei kaum mit Wachstum zu rechnen.

Das Herz des Finanzplatzes: Am Zürcher Paradeplatz haben Grossbanken ihre Hauptsitze.

Das Herz des Finanzplatzes: Am Zürcher Paradeplatz haben Grossbanken ihre Hauptsitze.
Bild: Keystone

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Die Finanzbranche ist nach wie vor der wichtigste Sektor der Zürcher Wirtschaft. Jeder dritte Wertschöpfungsfranken und jeder fünfte Job hängen davon ab. Die langfristigen Aussichten sind allerdings wenig erfreulich, wie die Studie «Finanzplatz Zürich 2011» zeigt.

Der Paradeplatz werde auch in zehn Jahren noch das Symbol des Bankenplatzes Zürich sein, sagte Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker heute bei der Präsentation der Studie. Einiges deute aber darauf hin, dass der Zürcher Finanzplatz international an Bedeutung einbüssen werde. Die längerfristigen Perspektiven seien wenig erfreulich.

Erstellt wurde die Studie im Auftrag des Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA) vom Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Basel. Dieses analysierte die Bedeutung des Finanzplatzes Zürich im regionalen, nationalen und internationalen Kontext und dessen Auswirkungen auf die Volkswirtschaft bis ins Jahr 2020. In die Untersuchung einbezogen wurden auch die Kantone Schwyz und Zug.

Zürich besonders stark betroffen

Vieles deute darauf hin, dass der Finanzplatz Zürich – und die Schweizer Finanzbranche als Ganzes – international Marktanteile verlieren werde, sagte BAK-Direktor Urs Müller. Die Wachstumsmärkte verlagerten sich dabei immer stärker in die Schwellenländer, vornehmlich nach Asien.

Der Finanzplatz Zürich ist davon besonders stark betroffen. Die Finanzbranche sei das Rückgrat der Zürcher Wirtschaft, betonte Müller. Rund 100'000 Beschäftigte erwirtschafteten 2010 eine Bruttowertschöpfung von 30 Milliarden Franken, was einem Anteil von 22 Prozent am zürcherischen Bruttoinlandprodukt (BIP) entspricht.

Nur schwaches Wachstum

Laut der Studie sind die kurzfristigen Perspektiven für die Branche allerdings «wenig erfreulich» und die längerfristigen Aussichten «verhalten». Für das laufende Jahr wird mit einem Rückgang der Wertschöpfung von 2,1 Prozent gerechnet. Die Zahl der Beschäftigten werde gar um 3,1 Prozent sinken.

Für die gesamte Dekade 2010 bis 2020 rechnet das BAK Basel mit einem jährlichen Wachstum von lediglich einem Prozent. Die Wertschöpfung des Finanzmarktes werde damit anderen Branchen hinterherhinken und im Vergleich etwa zu den unternehmensbezogenen Dienstleistungen nur wenig zum Wachstum der Volkswirtschaft beitragen.

Personalabbau bei Banken

Die Studie geht zudem davon aus, dass die Zahl der Erwerbstätigen in den nächsten 10 Jahren voraussichtlich um durchschnittlich 0,3 Prozent pro Jahr schrumpfen wird. Damit würden bis 2020 insgesamt rund 3000 Stellen in der Finanzbranche abgebaut.

Dabei werden gemäss dem BAK-Direktor die Banken weit stärker betroffen sein als die Versicherungen. Letztere hätten in den vergangenen Jahren die notwendigen Restrukturierungen bereits vollzogen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssten nun auch die Banken Produktivitätssteigerungsprogramme umsetzen, das heisst Kosten senken und Personal abbauen.

Müller zeigte sich zudem überzeugt, dass die Zukunft des Zürcher Finanzmarktes nicht so sehr vom globalen Umfeld, sondern von der nationalen Politik beeinflusst wird. Zwei entscheidende «Baustellen» seien die Steuern und die Regulierungen. Zudem müsse mit den bilateralen Verträgen der freie Zugang zu den europäischen Finanzmärkten sichergestellt werden. (pia/sda)

Erstellt: 13.01.2012, 14:13 Uhr

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20 Kommentare

Alois Amrein

13.01.2012, 15:41 Uhr
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Die Zürcher Banken - allen voran UBS und CS - haben sich mit ihrer kriminellen Strategie (aktive Beihilfe zur Steuerhinterziehung im Ausland) selber an die Wand gefahren und diese Suppe selber eingebrockt. Wer nicht hören will, muss fühlen. Den mit dieser Strategie verursachten volkswirtschaftlichen Schaden müssen einmal mehr Staat und Steuerzahler übernehmen. Eine Schande. Antworten


Kurt Blaser

13.01.2012, 15:53 Uhr
Melden 14 Empfehlung

Nicht so schlimm für die Einen und die Anderen müssen halt auch wieder anfangen ihr Geld mit arbeiten zu verdienen, ist anstrengender, fühlt sich aber gar nicht so schlecht an .. Antworten



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