Drücken Zuwanderer die Löhne?
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 13.09.2010 87 Kommentare
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Eine Million mehr Zuwanderer bis 2020: Damit rechnet die Credit Suisse in einer neuen Studie. Der Ausländeranteil würde damit von heute 22 auf 30 Prozent ansteigen, die Anzahl Menschen, die in diesem Land wohnen, auf über neun Millionen klettern. Die Zuwanderung wird von Ökonomen, Wirtschaftsvertretern und Politikern mit mehr Wohlstand für alle gerechtfertigt: In die Schweiz würden nur noch so genannte Leistungsträger zugelassen, so wird vermeldet. Will heissen: Zu uns kommen nicht dumme und faule Muslime (Thilo Sarrazin lässt grüssen), sondern gut ausgebildete Arbeitskräfte, die auf dem Arbeitsmarkt begehrt sind. Sie erhöhen die allgemeine Wohlfahrt und sorgen dafür, dass auch die Löhne des Schweizer Mittelstands erstens sicher sind und zweitens steigen. Stimmt dies auch?
Genau diese Frage hat das «Observatorium zum Freizügigkeitsabkommen» untersucht. Dieses Gremium wurde vom Bundesrat beauftragt, die Auswirkungen der Personenfreizügigkeit auf den Schweizer Arbeitsmarkt zu untersuchen. Es kam zu einem wenig spektakulären Schluss: Die allgemeine Lohnentwicklung wich in den Jahren nach Inkrafttreten des Freizügigkeitsabkommens nicht stark von jener in den Jahren zuvor ab. Mit anderen Worten: Nützt es nichts, so schadet es auch nichts.
Statistische Illusion
Nimmt man die Zahlen allerdings genauer unter die Lupe, dann ist die Bilanz ernüchternd. Zwischen 2002 und 2009 sind die Reallöhne in der Schweiz durchschnittlich 0,6 Prozent pro Jahr gestiegen. Das tönt nicht schlecht, doch Durchschnitte können bekanntlich das Bild verzerren. Betritt ein Milliardär einen Raum, dann erhöht sich das Durchschnittsvermögen aller Anwesenden schlagartig, nur ist das leider eine statistische Illusion.
Dieses Phänomen trifft auch auf den Schweizer Arbeitsmarkt zu. Die Einkommen der Topleute sind viel stärker angestiegen als die Löhne der normalen Angestellten. Für die grosse Masse der Arbeitnehmer beträgt die reale Zunahme der Löhne in den Nullerjahren bloss rund 0,1 Prozent. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) hat hingegen im gleichen Zeitraum um 7,9 Prozent zugenommen.
Grossartig ist das nicht
Die Bilanz für den normalen Schweizer Arbeitnehmer ist somit alles andere als berauschend. Er kann sich höchsten damit trösten, dass seine Löhne im Vergleich zu den Nachbarn, insbesondere Deutschland, nicht gesunken sind. Das Beste, das man in Sachen Zuwanderung und Löhne sagen kann, lautet daher: Dem Schweizer Mittelstand ist es gelungen, dem globalen Trend zu sinkenden Löhnen zu widerstehen und seinen Besitzstand zu wahren. Grossartig ist das nicht. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.09.2010, 12:05 Uhr
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87 Kommentare
Sollte die Überschrift vielleicht heissen: Drückt die Wirtschaft die Löhne? Wer hat denn die ganzen auswärtigen Leute eingestellt und verhandelt die Entlöhnung? Doch wohl die Firmenchefs und Personalverantwortlichen in den Unternehmen. Hier die Verwantwortung den Zuwanderern zuzuweisen, ist schon lustig. Es sind und waren SCHWEIZER für die schweizerischen Löhne verantwortlich. Also: selber schuld. Antworten
Die Uni Freiburg hat in einer Studie belegt, dass das BIP pro Kopf seit Einführung der Personenfreizügigkeit gesunken ist! Die PFZ wurde übrigens erst 07 eingeführt (vorher gab es Kontingente). Warum also eine Periode ab 2002 untersucht wurde, bleibt ein Rätsel. Aber der Lohn ist nicht einmal das grösste Problem der Masseneinwanderung: Wohnungsbau, Infrastruktur, Unis etc. kommen noch dazu. Antworten
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