Drei Dinge, die uns den Aufschwung vermiesen könnten
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 23.11.2009 24 Kommentare
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Das Finanzsystem hat sich stabilisiert, jetzt regt sich auch in der realen Wirtschaft neues Leben. Economiesuisse rechnet für das nächste Jahr mit einem Wachstum von bescheidenen 0,7 Prozent. Die Prognosen des Wirtschaftsdachverbandes stützen sich dabei auf die Exportindustrie. Nach einem katastrophalen Einbruch in diesem Jahr sollen die Schweizer Ausfuhren nächstes Jahr um 3,8 Prozent ansteigen.
Das sind realistische Annahmen – allerdings nur sofern drei Dinge nicht eintreten:
Erstens: Der Dollar stürzt ab
Die amerikanische Währung hängt derzeit wie ein Damoklesschwert über der Weltwirtschaft. Im letzten Halbjahr hat der Dollar gegenüber den wichtigsten anderen Währungen – mit Ausnahme des chinesischen Renminbi – zehn Prozent an Wert eingebüsst. Einmal mehr zeigt sich dabei, dass das berühmte Zitat des ehemaligen US-Finanzministers John Connally nach wie vor Gültigkeit hat: «Der Dollar ist unsere Währung aber euer Problem.» Vor allem in Asien herrscht wegen dem schwachen Greenback akute Überhitzungsgefahr. So warnte kürzlich der ehemalige Finanzminister von Hong Kong, Donald Tsang im «Wall Street Journal»: «Überall schiessen die Preise für Vermögenswerte in die Höhe, in Korea, Taiwan, Singapore und in Hongkong und zwar auf ein Niveau, das nichts mehr mit den ökonomischen Fundamentaldaten zu tun hat.»
Verschiedene Staaten beginnen sich gegen die Dollarflut mit Strafsteuern zu wehren. Ausländisches Kapital wird in Brasilien neuerdings mit einer fiskalischen Belastung von zwei Prozent belegt. Andere asiatischen Staaten haben angedeutet, diesem Beispiel zu Folgen, nicht aber China.
Zweitens: Handelskriege brechen aus
Die chinesische Notenbank hat den Renminbi an den Dollar festgezurrt. Mit künstlichen Manipulationen verhindert sie eine Aufwertung ihrer Währung und macht damit das Leben für die anderen umso schwerer. Deshalb drängen die USA, aber auch Europa und Japan immer heftiger auf eine Aufwertung des Renminbi. US-Präsident Barack Obama hat bei seinem Besuch in China darauf gedrängt, dass die chinesische Währung Peking endlich gemäss den ökonomischen Fundamentaldaten bewertet wird.
Bisher stellt sich Peking taub. Das wird langsam gefährlich. Dank dem künstlich verbilligten Renminibi erzielt China immer grössere Exportüberschüsse. Eine Studie der Investmentbank Goldman Sachs zeigt, dass China im Jahr 2020 mehr Exportüberschüsse aufweisen wird, als Deutschland, Japan und die Golfstaaten kombiniert, falls sich der aktuelle Trend so fortsetzt natürlich. Es liegt auf der Hand, dass die USA, aber auch Europa und Japan darauf reagieren werden, mit Strafzöllen beispielsweise. Das wiederum erhöht die Gefahr von Handelskriegen.
Drittens: Die Konjunktur wird vorschnell abgewürgt
Der Absturz in die Depression konnte verhindert werden, weil die Staaten sich verschuldet haben wie noch nie in Friedenszeiten. Mit riesigen staatlichen Konjunkturprogrammen ist der Ausfall der privaten Nachfrage kompensiert worden. Dafür ist jetzt die Rechnung fällig, und sie könnte happig ausfallen. Die jüngsten Schätzungen aus den USA gehen davon aus, dass der amerikanische Schuldendienst in zehn Jahren auf jährlich mehr als 700 Milliarden Dollar steigen könnte. Zum Vergleich: Derzeit beträgt die Zinslast jährlich 202 Milliarden Dollar.
Die Vereinigten Staaten sind kein Einzelfall: Japan, Deutschland und Grossbritannien haben im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt gar noch höhere Schulden. Mit Zinsen knapp um den Nullpunkt herum können diese Schulden derzeit noch relativ günstig bedient werden. Doch irgendwann werden die Notenbanken beginnen, ihre Leitzinsen zu erhöhen und damit wird automatisch auch die Last der Staatsschulden schwerer. Das wiederum erhöht den Spardruck auf die Politik, und das wiederum könnte dazu führen, dass der zarte Aufschwung abgewürgt wird, bevor sich die Wirtschaft erholt hat.
Düster auch hierzulande
Wenn die Weltwirtschaft einknickt, sieht es auch für die Schweizer Wirtschaft wieder düster aus. Das bescheidene Wachstum verdanken wir den Exporten. Die Binnenwirtschaft steht vor einem schwierigen Jahr. Der Bauboom läuft aus, die private Nachfrage schwächt sich ebenfalls ab. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.11.2009, 16:32 Uhr
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24 Kommentare
Eine Verunsicherung sind auch die unterschiedlichen Meldungen in den Zeitungen. Einmal ist die Krise vorbei und am nächsten Tag liest man ein Artikel, dass die richtige Krise erst noch ansteht. Meiner Meinung nach kommt es darauf an ob die ZB das Geld rechtzeitig vom Markt einsammeln können. Zu früh, dann wird der "Aufschwung" abgewürgt - zu spät und es entsteht eine Inflation! Antworten
Sehr realitätsfremder Bericht. Die Weltuntergangsstimmung welche durch die Medien vermittelt wird ist in meinen Augen sogar von den Banken gesteuert. Wieso? Meistens handelt es sich um frustrierte Grossanleger die seit Monaten aus der Börse ausgestiegen sind und versuchen die Aktienpreise mit allen möglichen Verschwörungstheorien zu drucken um auch wieder vom Aufschwung profitieren zu können. Antworten
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