Wirtschaft

Draghi: «Ich will, dass am Gipfel etwas passiert»

Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 08.12.2011 12 Kommentare

Der EZB-Präsident wehrt sich nicht nur gegen eine Nothilfe von der Zentralbank – er sieht auch den Einsatz über den IWF kritisch. DerBund.ch/Newsnet berichtete live.

1/26 Der Eurogipfel ging am Freitagabend, 9. Dezember, zu Ende. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es geschafft, 26 der 27 EU-Staaten hinter sich zu scharen.

   

(DerBund.ch/Newsnet)

  • 15:45 Uhr  

    Wir liefern Ihnen in Kürze Reaktionen zu Mario Draghis Auftritt.

    Lesen Sie ausserdem hier alles zum EU-Gipfel in Brüssel.

  • Ende  

    Fazit:

    Draghi pumpt Geld in den Markt.

    Die EZB wird NICHT die Schulden der Krisenstaaten aufkaufen.

    Die EZB ist ebenfalls skeptisch bezüglich einer Finanzierung via den Währungsfonds IWF. Draghi deutet an: Das bedürfte einer Vertragsänderung in den Statuten der Bank.

    Draghi ist optimistisch, dass es den EU-Regierungschefs gelingen wird, die EU-Verträge zu ändern.

  • 15:36 Uhr  

    Die Medienkonferenz ist beendet.

  • 15:30 Uhr  

    Nochmal das wichtige IWF-Thema: Ein junger Journalist äussert Kritik:

    «Es scheint mir ziemlich seltsam, dass Sie dem Währungsfonds kein Geld geben wollen, wenn doch die ganze Welt auf die EZB, auf Sie persönlich hofft». Schliesslich seien entsprechende Massnahmen für die englische oder die amerikanische Zentralbank etwa das Normalste der Welt.

    Draghi: «Ich habe schon gesagt, dass wir vertragliche Pflichten haben. Jede Zentralbank handelt in einem anderen institutionellen Rahmen. Die EZB hat einen anderen Rahmen als etwa die Bank of England.»

    Mit anderen Worten: Die EZB spricht Deutsch!

  • 15:26 Uhr  

    Draghi zum Gipfel:

    «Ich habe keine Ahnung. Ich bin optimistisch, weil ich WILL, dass etwas passiert.» Noch einmal wiederholt Draghi: Er würde es begrüssen, wenn die EU-Verträge Massnahmen vorsehen, die automatisch Budgetüberschreitungen verhindern.

    «Und dann noch soviel: Die EZB ist hier....Aber bitte, das heisst jetzt nicht wieder, dass wir irgendwie...» Er lacht. Sehr charmant.

  • 15:25 Uhr  

    Frage zum Euro-Gipfel: Merkel und Sarkozy haben die Erwartungen geschürt – was passiert, wenn sie nicht liefern?

  • 15:20 Uhr  

    Euro wird stärker

    Während des Auftritts von Mario Draghi ist der Euro gegenüber dem Dollar blitzartig erstarkt.

  • 15:15 Uhr  

    Jetzt kommt die essenzielle Frage: Wie steht Draghi zur Hilfe via den Währungsfonds?

    Draghi: «Das ist rechtlich sehr komplex.» Der Geist des Vertrages halte fest, dass Gelder nicht so gesteuert werden können, dass der Vertrag umgangen werden kann.

    «Wenn der IWF beispielsweise Gelder ausschliesslich für den Aufkauf von Staatsanleihen verwendet, dann ist das meiner Meinung nach nicht vertragskonform.»

    IWF-Direktorin Christine Lagarde – und mutmasslich auch Merkel und Sarkozy – setzen sich für eine Rettung über den IWF ein.

    1/9 Die IWF-Direktorin muss zwischen den USA und Europa vermitteln. Denn die USA sind kaum gewillt, für die Schulden der Euroländer zu bezahlen. (Bild: Christine Lagarde bei einer Pressekonferenz des IWF am 24. September 2011 in Washington)

       

  • 15:10 Uhr  

    Warum sagt Draghi Nein?

    Eine Journalistin fragt nochmals nach: Warum hilft Draghi nicht einfach, indem er ganz direkt Staatsanleihen aufkauft?

    Draghi: «Ich sagte es bereits: Wir haben einen Vertrag, indem steht ganz deutlich, wofür die EZB zuständig ist und wofür nicht.»

    Er erinnere sich noch genau daran, dass damals, beim Abschluss des Vertrags, einige Staaten ihre Schulden sanierten, indem die Zentralbanken für sie Geld druckten. Das wollte man bewusst vermeiden. «Deswegen folgen wir der Tradition der Bundesbank, wo das schon immer verboten war.»

  • 15:05 Uhr  

    Amüsanter Blick über die Grenze: Während die Eurozone und die USA Zinsen drücken und Geldschleusen senken, hat Weissrussland offenbar ganz andere Probleme: Die Zentralbank hebt die Zinsen auf sagenhafte 45 Prozent, um die rasende Inflation zu bekämpfen.

  • 15 Uhr  

    Draghi äussert sich deutlich ausführlicher als sein Vorgänger Trichet – er betont die Trennung von Politik und Zentralbank, drückt aber Optimismus aus, dass die Stabilisierung gelingt.

  • 15 Uhr  

    Frage: Kann der Euro zerfallen, nur weil die Leute das Vertrauen zerreden?

    Draghi: «Wenn wir wirklich Fortschritte machen bei der Neuformulierung des EU-Pakts, dann würde das Vertrauen zurückkehren. Die Negativspirale würde so gestoppt.»


  • 15 Uhr  

    Trennung von Politik und EZB

    Draghi: «Wir haben einen Vertrag, in dem ganz deutlich steht, dass man die EZB nicht als Finanzierungsquelle für Regierungen sehen darf.» Man müsste sich ständig an den Geist dieses Vertrag erinnern, sagt Draghi.

  • 14:50 Uhr  

    Draghi: «Die Antwort ist Nein». Der EZB-Präsident holt aus, anders als sein eher nüchterner Vorgänger. Er erwarte Folgendes von der Politik, sagt Draghi:

    Massnahmen, um den Arbeitsmarkt anzukurbeln.

    Automatische Sanktionen im Falle von Budgetüberschreitungen in den EU-Verträgen.

    Ein Stabilisierungspakt. Für diesen sieht sich Draghi nicht zuständig – und die grosse Aufmerksamkeit der Medien auf diesen Punkt habe ihn irritiert: «Ich empfinde es immer als seltsam, dass man sich so stark auf diesen Punkt fokussiert, obwohl das eigentliche Glaubwürdigkeitsproblem bei den anderen Punkten liegt.»

  • 14:47 Uhr  

    Die Fragerunde beginnt:

    Natürlich als erstes: Erwägt Draghi, Staatsanleihen der Eurostaaten aufzukaufen?

  • 14:45 Uhr  

    Mahnfinger an die Euro-Staatschefs

    Mario Draghi sagt nur einen Satz zur Eurokrise:

    Der EZB-Präsident ruft die Euro-Staatschefs dazu auf, «mutige und ehrgeizige strukturelle Reformen» aufzugleisen.

  • 14:40 Uhr  

    Wirtschaftlicher Ausblick

    Es bestehen «grosse wirtschaftliche Unsicherheiten» in der Eurozone, sagt Draghi bezüglich des wirtschaftlichen Ausblicks, den die EZB zu jedem Zinsentscheid liefert.

    Aus diesem Grund sei der Druck auf die Preise moderat, so Draghi. Die Inflation werde voraussichtlich um die 2 Prozent betragen.


  • 14:30 Uhr  

    Draghi tritt vor die Medien

    Der EZB-Präsident erläutert den Entscheid des Leitgremiums. Die Zentralbank habe nicht nur entschieden, im November zusätzliche Liquidität in den Markt zu schleusen. Sondern wolle jetzt auch eine Kreditklemme verhindern.

    Mario Draghi erklärt die technischen Instrumente dazu: Die Leitzinssenkung, aber auch weitere Finanzierungsprogramme für die Banken. Sie können 36 Monate lang Kredite beziehen.


  • 14:15 Uhr  

    IWF beschafft 150 Milliarden Euro

    Die Zentralbanken verschiedener Länder sollen in einen Spezialfonds des Währungsfonds IWF einzahlen, um die Euro-Krisenstaaten zu retten.

    Was bereits seit dem Wochenende als Plan zirkuliert, schreibt nun die «Financial Times» mit Verweis auf die Verhandlungen im Vorfeld des Eurogipfels. Dieser beginnt heute Abend in Brüssel.

    Demmach hätten verschiedene Zentralbanken auch ausserhalb Europas signalisiert, 150 Milliarden Euro in einen Fonds einzuzahlen, so die FT. Einzig Deutschland zögere mit seiner Zustimmung.

  • 14:10 Uhr  

    Warten auf Draghis Auftritt

    Um 14:30 Uhr tritt der EZB-Präsident vor die Medien. Er wird dort die Zinssenkung kommentieren – und möglicherweise ankündigen, ob und wie die EZB in die Schuldenkrise eingreift.

    Seit einer Woche gilt es jedoch als wahrscheinlicher, dass die Nothilfe für die leidenden Staaten vom Währungsfonds IWF kommt.

    Lesen Sie zur Rolle des IWF und seiner Direktorin Christine Lagarde auch: «Die heimliche Kapitänin».

  • 14 Uhr  

    Geld so billig wie im Krisenfrühjahr 2009

    Zum zweiten Mal in Folge hat das EZB-Leitgremium unter Mario Draghi jetzt die Leitzinsen für die Eurozone gesenkt. Im November von 1,5 Prozent auf 1,25 Prozent und jetzt auf 1 Prozent. Dies, nachdem Vorgänger Jean-Claude Trichet im April und im Juli dieses Jahres erhöht hatte.

    Damit ist Eurogeld jetzt wieder so billig wie im Mai 2009. Das zeigt, dass die EZB mit einem Abschwung rechnet. Denn der Leitzins legt den Zinssatz fest, zudem Banken sich Geld bei der Zentralbank holen können. Setzt man ihn tief an, will man damit die Kreditvergabe und somit den Wirtschaftsmotor ankurbeln.

    Billiges Geld weckt jedoch immer auch die Angst vor Inflation: Dreht eine Zentralbank den Hahn zu spät zu, ist zuviel Geld im Markt, was zu einer Geldentwertung und somit zu steigenden Preisen führt.

  • 13:45 Uhr  

    Leitzins gesenkt

    Die EZB senkt den Leitzins um 0,25 Prozent auf 1 Prozent. Das hat die Zentralbank in Frankfurt soeben kommuniziert.

  • 13:30 Uhr  

    Börsen optimistisch

    Die Börsen geben sich heute Morgen vor dem EZB-Entscheid und dem Eurogipfel vorsichtig optimistisch: Der SMI notierte um 0,6 Prozent höher, der Dax um 0,9 Prozent höher.

    Die Anleger seien nervös, aber hoffnungsvoll, sagte ein Händler der Nachrichtenagentur Reuters. Einerseits werde eine Zinssenkung erwartet. Andererseits hoffe man auf Hinweise von Mario Draghi auf die Rolle der EZB im Kampf gegen die Schuldenkrise.

  • Fragen  

    Die wichtigsten Fragen zum Auftritt von Mario Draghi


    • Senkt die EZB den Leitzins von 1,25 Prozent?

    • Liefert die EZB Nothilfe, indem sie den unbeschränkten Aufkauf europäischer Staatsanleihen garantiert?

    • Oder äussert sich Draghi zu einer möglichen Nothilfe via den Währungsfonds IWF?



    (Bild: Draghi auf dem Weg zu einem Treffen der Eurogruppe in Brüssel, November 2011)

  • Ausgangslage  

    Im Zeichen des EU-Gipfels

    Heute und morgen treffen sich die Staatschefs der EU in Brüssel zum Euro-Gipfel – und die Wirtschaftswelt hofft, dass bis zum Ende des Gipfels der Weg aus der Euro-Krise beschlossen ist.

    Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy haben am Montag gesagt, wie sie sich diesen Weg vorstellen: Über eine Änderung der EU-Verträge.

    Noch offen ist jedoch, wie die dringende Nothilfe aussehen soll, die einige Euro-Staaten bis dahin benötigen. Im Gespräch sind verschiedene Modelle: Geld vom Internationalen Währungsfonds IWF, der dieses wiederum von verschiedenen Zentralbanken hat; Geld von der Europäischen Zentralbank EZB; Geld von beiden und vom eingerichteten Rettungsfonds oder Geld von den Märkten im Gegenzug zu Eurobonds.

    Die letzte Lösung scheint vorerst gestorben – die deutsche Kanzlerin hat die Bonds im aktuellen Zeitpunkt ausgeschlossen. Bleibt also die Frage: Was macht die EZB?

    1/5 Bis die EU-Verträge geändert sind, soll nicht die EZB, sondern der IWF einspringen: Direktorin Christine Lagarde. (6. Dezember 2011)
    Bild: Keystone

       

Erstellt: 08.12.2011, 13:34 Uhr

12

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

12 Kommentare

peter berger

08.12.2011, 14:38 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Wenn die EZB das Geld zu rekordtiefem Zinssatz verleiht, werden als nächster Schritt, die Zinsen vom Sparkonto und der 2 + 3. Säule gesenkt . Und das alles bei einer inofifziellen nicht zugegebenen Teuerung von 3%. Das ist Enteignung am Kleinsparer. Antworten


Christoph Züllig

08.12.2011, 13:54 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Frau Merkel verhält sich wie ein Kapitän der feststellt, dass sein Schiff ein grosses Loch im Bug hat und lediglich dieses Wasser abpumpt. Das Leck zu reparieren ist für Frau Merkel keine Notwendigkeit. Was macht sie, wenn die Pumpen heiss laufen?? Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Telefonbuch

Marktplatz

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!