Dollar und Franken auf Augenhöhe

Warum die beiden Währungen inzwischen gleich viel wert sind – und warum wir uns darüber nicht freuen sollten.

Andreas Glutz

In den Sechziger Jahren gaben alte Hasen unter den Taxifahrern den jungen Anfängern folgenden Tipp: Gebt den Amerikanern beim Wechselgeld möglichst viele Fünfliber. Erstens sind in den USA die Münzen wenig wert. Und zweitens ist für den Amerikaner der Dollar etwa gleich viel wert wie ein Fünffrankenstück. Er merkt also gar nicht, dass er viel zu viel Trinkgeld gibt. Inzwischen müssen Schweizer Taxifahrer froh sein, wenn sich überhaupt noch ab und zu ein amerikanischer Tourist in ihren Wagen verirrt. Schweizer Taxipreise sind für den Mittelstand in den USA unerschwinglich geworden, üppige Trinkgelder sind längst passé. Willkommen im Zeitalter, wo sich Dollar und Franken auf Augenhöhe treffen – im Verhältnis von eins zu eins. Zum zweiten Mal in seiner Geschichte ist er am Mittwoch unter die Parität gefallen. Am Mittwoch um 12.40 Uhr kostete der Dollar 0.9995 Franken.

Der Dollar ist nicht irgendeine Währung, sondern seit dem Abkommen von Bretton Woods am Ende des Zweiten Weltkriegs die globale Leitwährung. Er hat damit die traditionelle Rolle des Goldes übernommen, er wurde der Anker des Weltwährungssystems. Die amerikanische Notenbank, das Federal Reserve System, hat denn auch Dollar zu einem fixen Wechselkurs gegen Gold getauscht. 1971 hat Präsident Richard Nixon diese Goldfenster geschlossen, weil die USA das Versprechen nicht mehr einhalten konnten. Trotzdem werden auch heute noch zwei Drittel der globalen Devisenreserven auf den Notenbanken in Dollar gehalten. Und die wichtigsten Rohstoffe wie Erdöl oder Metalle werden in Dollar gehandelt.

Es geht um das Interesse der USA

Der Dollar ist aber primär nicht eine globale Leitwährung, sondern die Währung des USA. Im Vordergrund steht nicht das Interesse der Weltwirtschaft, sondern das Interesse des amerikanischen Stimmbürgers. Nixons Finanzminister John Connally erklärte denn auch beim Schliessen des Goldfensters allen, die das nicht begreifen wollten (vor allem den Franzosen) – unmissverständlich: «Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.» Das gilt bis heute. Ja gerade heute, denn der schwache Dollar richtet derzeit ein Chaos auf den Finanzmärkten an. Zusammen mit den tiefen Leitzinsen verführt er zu sogenannten «Carry Trades», will heissen: Spekulanten verschulden sich in Dollar und investieren anderswo, wo die Rendite höher ist.

Verschiedene Experten befürchten, dass diese Carry Trades im Begriff sind, neue Blasen zu erzeugen. Vor allem in Asien boomen deswegen Häuserpreise und Aktienmärkte. China hat seine Währung an den Dollar gezurrt, der Wechselkurs ist mehr oder weniger konstant. Das bedeutet, dass auch der Renminbi parallel mit dem Dollar an Wert verliert. Beides zusammen erhöht den Druck auf die übrigen Länder, die immer grössere Mühe mit dem Export erhalten.

Kein vorübergehendes Phänomen

Die durch einen schwachen Dollar ausgelösten Währungsturbulenzen werden nicht rasch abklingen. Die Ursachen des schwachen Dollars liegen nämlich in der höchsten Verschuldung der USA in Friedenszeiten. Um einen Absturz in die Depression zu vermeiden, sind die Staatsschulden auf jährlich über zwölf Prozent des Bruttoinlandprodukts geklettert. Das Fed hat gleichzeitig die Märkte mit billigem Geld überflutet. Allen Experten ist klar, dass dieser Zustand nicht ewig andauern kann. Den meisten Experten ist aber auch klar, dass es jetzt noch zu früh wäre, die Zinsen zu erhöhen und den Staatshaushalt zu sanieren. Das würde wahrscheinlich zu einem erneuten Kollaps der Wirtschaft führen.

Fazit: Die Welt wird noch eine Weile mit dem schwachen Dollar leben müssen – und Schweizer Taxifahrer müssen sich etwas Neues einfallen lassen, wenn sie von Amerikanern ein üppiges Trinkgeld erwarten. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.11.2009, 14:20 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland





Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

26 Kommentare

Boris Scavezzon

25.11.2009, 19:05 Uhr
Melden

Nun, wer eine Reise in die USA plant kann sich durchaus über diese Entwicklung freuen. Die Amis selber können sich nur teilweise darüber freuen. Zwar ist es auf der einen Seite gut für den Export und die Schulden, wenn der Dollar tief ist. Andererseits steigen für sie die Impotkosten für Rohstoffe wie Petrol etc. an! Ein zweischneidiges Schwert. Der USD ist nun zum Glück auch ihr Problem! Antworten


Tommy Rasmussen

25.11.2009, 17:38 Uhr
Melden

Die EZB hat in ihrer Bilanz Goldforderungen von rund 10.000 Tonnen, aber nur echte physische Bestände im Umfang von rund 500 Tonnen. ( 13. November 2009 ). Die Gold-Forderungen übersteigen also die echten physischen Bestände um gut das 20-fache! 500t sind noch da, der Rest ist verleast. Voltaire: "Es ist gefährlich, richtig zu liegen, wenn die Regierung falsch liegt." Antworten


Martin Holzherr

25.11.2009, 17:08 Uhr
Melden

Wenn die Zinsen erhöht werden, kann der Dollar vorübergehend wieder steigen. Allerding wird das die Absetzbewegung vom Dollar nicht aufhalten. Eine universal anerkannte Ersatzleitwährung ist noch einige Jahre weit weg, vorübergehend gibt es eine Diversifikation und Gold könnte wichtiger werden (Indien hat z.B. seine Reserven erhöht), Antworten


Josef Kunz

25.11.2009, 16:33 Uhr
Melden

Sobald sich die erste richtige Korrektur der Börsen abzeichnet, wird der USD gestützt. Dies wird wiederum zu den ersten Revesals in den Carrytrades führen. Der USD/CHF könnte innert kürzester Zeit um 15-20 % korrigieren. Also keine Panik. Das die USA hoch verschuldet ist, ist ja nicht erst seit gestern bekannt. Der Lacher des Tages war jedoch der mit dem "gefälschten Gold" an China.... :) Antworten


Max Meier

25.11.2009, 16:13 Uhr
Melden

@Jacques Renault: Entweder spricht man von einer jährlichen Neuverschuldung oder von Staatsschulden. Staatsschulden sind eine Feste Grösse, also eine Bilanzposition und haben in einer jährlichen Erfolgsrechung keinen Platz. "auf...geklettert" markiert eine fixe Grösse. Wennschon hätte er schreiben müssen "die Staatsverschuldung erhöht sich jährlich um 12%". Ich kann schon lesen ;-) Antworten


Marco Albrecht

25.11.2009, 16:03 Uhr
Melden

Gerhard Oldmann.Von den 1.1 Milliarden die der Kanton Wallis vom Goldverkauf erhalten hat sind 950 Millionen in die Lehrer und Angestellten Pensionskasse des Kantons Wallis (Republik) geflossen.Wie blöd darf man als Eidgenosse eigentlich sein. Antworten


Ales Tilen

25.11.2009, 16:02 Uhr
Melden

Aber, hallo. Herr Löpfe redet von einer Verschuldung von 12% BIP innerhalb eines Jahres. Dann ist diese doch riesig... Antworten


Roby Zellweger

25.11.2009, 15:42 Uhr
Melden

Super, mein nagelneuer Shelby Mustang GT 500 ist seit einer Woche auf dem Weg von Miami nach Bremerhaven. Jetzt lohnt sich der Selbstimport echt wieder. Dank dem tollen Umrechnungskurs. Einfach fantastisch. Antworten


Jacques Renault

25.11.2009, 15:39 Uhr
Melden

@ Walter Wiedemann, Max Meier, Stefan Flüeler: Wer lesen kann ist im Vorteil...! Herr Löpfe schreibt "jährlich über zwölf Prozent des Bruttoinlandprodukts geklettert." Damit ist das Jahresdefizit gemeint und nicht die angehäuften Gesamtschulden... Antworten


Nicolas Berger

25.11.2009, 15:25 Uhr
Melden

@ W. Wiedemann & Co: "...sind die Staatsschulden auf JAEHRLICH über zwölf Prozent des Bruttoinlandprodukts geklettert." Antworten


Max Meier

25.11.2009, 14:51 Uhr
Melden

@Wiedemann: Um meinen Blutdruck mache ich mir keine Sorgen, aber um den meiner Kinder, die mit dem Scherbenhaufen unserer Politiker leben müssen. UND ich habe nicht über die persönlichen Liabilities geschrieben, sondern ausschliesslich über die staatlichen. Nämen wir die Privatschulden mit, kämen dann noch einmal netto rund 50000$ pro US-Einwohner dazu. Antworten


Walter Wiedemann

25.11.2009, 14:29 Uhr
Melden

Pankraz Aeschlimann Der Euro/CHF Kurs dümpelt doch seit Monaten bei +/- 1.50 rum. Woher haben Sie denn ihre grossartige Erkenntnis? Antworten


Walter Wiedemann

25.11.2009, 14:20 Uhr
Melden

Max Meier Wenn man unsere versteckten Schulden mitrechnen würde, dann wäre das für unseren Blutdruck ziemlich schlecht. Da siehts nicht gar so gut aus. Antworten


Walter Wiedemann

25.11.2009, 14:15 Uhr
Melden

Philip Löpfe. BITTE nachsitzen. 12% Des BIP? Dann wäre ja alles in Butter und alle anderen Nationen würden alt aussehen ( vor allem Japan mit 294% ) Wir reden hier über 12 Billionen Dollar Schulden, nicht Prozente. Ein, wie ich meine, recht peinlicher Fehler. Antworten


Walter Wiedemann

25.11.2009, 14:10 Uhr
Melden

Gerhard Oldmann Es sind die Chinesen, die "Goldbarren" mit Wolframkern zu verkaufen versuchen, nicht die Amerikaner. Mit 12 Billionen Schulden ( davon alleine 2 seit Obama Präsident ist ), kann man keine grossen Sprünge erwarten. Antworten


Thomi Horath

25.11.2009, 14:06 Uhr
Melden

Genau, Herr Oldmann, dass macht mir fast mehr Sorgen: Unser Franken will und will nicht steigen. Die Nationalbank muss da gigantisch was am basteln sein, so dass der Franken gleich tief wie der Euro und der Dollar bleiben. Das einzige, was "hochgeht", sind die Edelmetalle. Und wenn die Chinesen tatsächlich gefälschtes Gold bekommen haben, wow! Dann könnten die vielleicht bald hässig werden? Antworten


Max Meier

25.11.2009, 13:53 Uhr
Melden

...auf über 12% des BIP geklettert, Herr Löpfe? Die Staatsverschuldung der USA wird per Ende 2009 etwa bei 90% des BIP sein (rund 40000$ pro Einwohner oder 120000$ pro Steuerzahler), zukünftige nicht gedeckte Liabilities nicht eingerechnet. Zählt man diese mit, sind wir bei etwa 700-900% des BIP (also rund 350000$ pro Einw.). noch eine Weile leben müssen? Wohl eher die nächsten 100 Jahre. Antworten


Pankraz Aeschlimann

25.11.2009, 13:50 Uhr
Melden

Was hier nicht steht, ist dass der Franken gegenüber dem Euro immer schwächer und zusehends zum Fränkli wird. Antworten


Stefan Flüeler

25.11.2009, 13:46 Uhr
Melden

Wenn Löpfe's Zahlen wenigstens stimmen würden... Die Verschuldung der USA ist 2009 nicht bloss auf 12% des US BIP (brutto Inlandprodukt) angestiegen, sondern auf über 98% ! Und bereits im Februar 2010 wird die US Bundesverschuldung die 100%-Marke überschreiten ! Nur die US Kriegsschulden nach dem WW2 waren höher Antworten


Roland Tschäppeler

25.11.2009, 13:39 Uhr
Melden

Ja der Dollar ist schon seit langem Brief ohne und wird auch in der nächsten Zeit nicht mehr nach oben gehen, gibt ja auch keinen Grund dafür. Oder was meint ihr? Antworten


Gerhard Oldmann

25.11.2009, 13:23 Uhr
Melden

Verharmlosender Artikel! Die $-carry trades sind bereits die grösste Blase die es je gab! 80% der Staatsanleihen werden durch die FED monetisiert! Weit über 100% Bilanzausweitung. Die USA scheinen an China gefälschte Goldbarren geliefert zu haben. Überall gigantischer Lug und Betrug. Und unsere SNB unterstützt das Ganze! Mit dauernd neuen swaps wird unser Erspartes entwertet! Wo ist unser Gold? Antworten


Marcel Zufferey

25.11.2009, 13:08 Uhr
Melden

Die Stärke der einen Währung ist immer auch die Schwäche der anderen Währung, ein Umstand, der immer wieder vergessen wird. Und die Stärke des Schweizer Frankens ist gleichzeitig die Schwäche des US-Dollars, die Yen-Stärke auf den USD bezogen ebenfalls und diejenige des Euros auf den Dollar bezogen auch. Gut für die amerikanischen Exporte- aber schlecht für die Eigenen! Antworten


ROLF BAUMANN

25.11.2009, 12:57 Uhr
Melden

Schon sehr bald nur noch auf Bauchnabelhöhe! "The $ is your money but not anymore our problem... we have got the €". Thank you Mr Mitterand! Antworten


Boris Radtke

25.11.2009, 12:57 Uhr
Melden

Der Vorteil ist der, dass für uns aus Europa die Reisen nach USA zum Schnäppchen geworden sind. Für Amerikaner wird es immer teuerer, Eurpa zu besuchen. Als "Kompensation" schikaniert man uns Europäer an den Zollstellen der Einreisebehörde in den USA, indem man 10sfr "Strafzoll" verlangt und uns unangenehme, ja oft peinlich dumme Fragen stellt. Aber wen kümmert's, USA Ferien werden immer billiger. Antworten


Niklaus von-Melchtal

25.11.2009, 12:53 Uhr
Melden

@ Ph. Loepfe: Staatsschulden von über 12 % des BIP ? Bitte auf die Terminologie achten ! Antworten


Julian Gerber

25.11.2009, 12:52 Uhr
Melden

Amerika hat riesige Schulden im Ausland - in Dollar. Wenn der Dollar wenig Wert hat, ist das für sie gut. Ich denke aber nicht, dass der Dollar abstürzt, denn grosse Gläubiger - wie China - haben daran kein Interesse. Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Meistgelesen in der Rubrik Wirtschaft

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Frühlingsdeko
homegate Lassen Sie jetzt schon den Frühling ins Haus. Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Lokale Suche

Marktplatz

Internet auf dem Fernsehen: Der Trend geht klar in diese Richtung. Werden Sie sich einen Smart TV kaufen?

Ja, auf jeden Fall

 
15.1%

Nein, interessiert mich nicht

 
40.2%

Erst wenn die Geräte billiger geworden sind

 
35.1%

Ich habe schon einen

 
9.7%

Gratis ePaper für «Bund»-Abonnenten