Wirtschaft

Die fünf zentralen Fragen und Antworten zu Griechenland

Die EU strebt ein Verbot von spekulativen Wetteinsätzen auf Griechenland an. Was geschieht da genau?

Welche Spekulationen hat die EU-Kommission im Auge, wenn sie morgen mit Finanzmarktaufsehern, Banken und Hedge-Funds die Griechenland-Krise erörtert?

Diskutiert wird die Rolle von Kreditausfall-Versicherungen (CDS) für griechische Staatsanleihen. Sie dienen Investoren dazu, sich für den Fall einer Zahlungsunfähigkeit der griechischen Regierung abzusichern, und sind somit ein Instrument der Risikominderung. Indessen haben Spekulanten auch CDS erworben, ohne die ihnen zugrundeliegende Staatsanleihen zu besitzen. Dies erlaubt ihnen, mit sehr geringem Kapitaleinsatz grossen Einfluss auf den Markt zu nehmen. Ähnliche Manipulationen – im Fachjargon: nackte Leerverkäufe – sind aus dem Aktienmarkt bekannt. Die Spekulation mit griechischen CDS wiegt besonders schwer, da es um eine ganze Volkswirtschaft und letztlich um die Zukunft des Euro geht.

Wie umfangreich sind die Spekulationen mit griechischen Papieren?

Die britische Finanzaufsichtsbehörde schätzt, dass die Leerpositionen auf griechischen Staatsanleihen 3 bis 4 Prozent des Marktvolumens ausmachen. Ein Verbot von Leerverkäufen allein würde deshalb kaum entscheidenden Einfluss haben, sagt der Vorsitzende der Behörde, Lord Turner. Wichtiger ist, dass der CDS-Markt intransparent und unreguliert ist, also das bevorzugte Tummelfeld von Hedge-Funds darstellt.

Unterstützt die US-Regierung das Vorgehen der EU-Kommission?

Die Regierung Obama setzt an mehreren Fronten an. Das Justizministerium eröffnete am Mittwoch ein Verfahren gegen vier Hedge-Funds (SAC, Greenlight, Soros, Paulson). Sie stehen im Verdacht der Kollusion, das heisst der gegenseitigen Absprache, um den Euro in den Boden zu reiten. Daneben ermitteln die US-Notenbank und die Börsenaufsicht gegen Goldman Sachs und weitere Wallstreet-Banken in der Frage, ob sie in Griechenland ein Doppelspiel spielten, indem sie dem Land zunächst halfen, seine Finanzlage zu schönen, um später mithilfe von CDS auf dessen Zahlungsfähigkeit zu wetten. Nicht geklärt ist zudem die Rolle des Versicherungskonzerns AIG bei der Vermittlung von CDS für griechische Anleihen. Da die US-Regierung Mehrheitsbesitzerin von AIG ist, steht Obama unter Handlungsdruck.

Wie aussichtsreich sind die laufenden Untersuchungen?

Wenig. Ermittlungen gegen Private- Equity-Gruppen wegen vermuteter illegaler Absprachen führten 2006 ebenso ins Leere wie frühere Untersuchungen gegen Hedge-Funds. Zudem haben einige grosse Hedge-Funds ihre CDS- und Euro-Positionen bereits aufgelöst, weil zu viele Nachahmer aufgesprungen sind. Der grosse Gewinn mindestens mit den CDS dürfte gemacht sein.

Sind die Ermittlungen durch die EU und die USA somit nur symbolisch?

Sie sind vor allem politischer Natur. Die Aufsichtsbehörden beidseits des Atlantiks haben die letzte grosse Finanzkrise 2008/09 verschlafen und müssen nun beweisen, dass sie mehr sind als nur die Marionetten der ihnen unterstellten Branche. Mit dem vereinten Vorgehen tragen die EU und die USA auch zur Beruhigung der Märkte bei. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.03.2010, 07:37 Uhr

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8 Kommentare

Catherine Hafner

05.03.2010, 12:35 Uhr
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Viele vergessen, dass einige Länder im Westen überschuldet sind, weil wir alle über unsere Verhältnisse gelebt haben. Spanien, Portugal, England, Amerika, Italien, etc. werden bald Griechenland folgen. Sogar Deutschland ist überschuldet und muss eine Milliarde Euro täglich zahlen nur für die Zinsen seiner Schulden! also von was reden wir eigentlich? der Bankrott steht vor der Tür vielen Ländern Antworten


Jan van Beilen

04.03.2010, 17:14 Uhr
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CDS abschliessen ist wie Lebensversicherungen auf fremde Leute abschliessen. Plotzlich hat mann Interesse am Todesfall, mann besitzt auch noch die finanzielle Mordinstrumente, und es ist alles völlig legal dank unseren eifrigen Deregulierer zur rechten Seite. Antworten


Bruno Bänninger

04.03.2010, 15:40 Uhr
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Die kreativen Politiker-Clans in Griechenland sollen doch den Euro abschaffen und den Drachmen wieder einführen. Wechselkurs ca. 20'000 Drachmen für 1 Euro. Dann alle Schulden und Zinsen mit Drachmen zurückzahlen, korrupt weiterwursteln und allen anderen, insbesondere der bösen EU, die Schuld geben. Antworten


Lena Manser

04.03.2010, 15:23 Uhr
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Es zeigt sich immer mehr, dass der Euro eine Fehlkonstruktion ist. Oder besser gesagt, da passen nur Länder rein, die etwas gleich funktionieren. Zu gross ist sonst die Gefahr, dass ganze Völker, vor allem Deutschland, die andern durchfüttern müssen. Die Griechen werden niemals freiwillig auf etwas verzichten. Schlussendlich müssen sie halt doch den Drachmen wieder einführen, eigentlich schade. Antworten


Rolf Bryner

04.03.2010, 15:04 Uhr
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Wir stehen vor dem 2. globalen Crash nur vertuschen das die Behörden aber er ist unabwendbar. Nur dieses Mal wird es noch viel schlimmer werden, vorallem Deutschland wird darunter besonders leiden. Da nützen auch keine gekauften gestohlenen CDS. Antworten


Hansueli Zürcher

04.03.2010, 12:55 Uhr
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Oder anders gesagt, hat Marx doch recht? Ich für meinen Teil habe die Neuauflage von Marx DAS KAPITAL gekauft! Antworten


peter berger

04.03.2010, 08:51 Uhr
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Karl Marx würde sich im Grabe umdrehen. Antworten


Heinz Butz

04.03.2010, 08:43 Uhr
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Es wird immer dringender, dass alle Banken weltweit verstaatlicht werden. Damit bekämen die Staaten ihre Wirtschaft wieder in den Griff. Heute wird 95% des gesamten Geldes von privaten Banken generiert (hergestellt). Auch kann niemand logisch erklären, wieso die Staaten Geld von privaten Banken aufnehmen müssen (Staatsanleihen).Wir stehen am Abgrund. Antworten



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