Wirtschaft

Die Wiedergeburt des Goldstandards

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 08.11.2010 24 Kommentare

Der Chef der Weltbank fordert einen neuen Goldstandard als Antwort auf die Währungsturbulenzen, die auch den G-20-Gipfel beschäftigen werden. Doch Gold wird die Probleme auch diesmal nicht lösen.

«Gold als einen internationalen Referenzpunkt benützen»: Weltbankpräsident Robert Zoellick; Goldbarren.

«Gold als einen internationalen Referenzpunkt benützen»: Weltbankpräsident Robert Zoellick; Goldbarren.
Bild: Keystone

Die USA fluten die Welt mit Dollars, die Chinesen halten den Kurs des Renminbi künstlich tief, Schwellenländer errichten neue Zollbarrieren gegen «hot Money» – massenhaft zufliessendes Geld aus den reichen Ländern, das die Währungen der Schwellenländer steigen lässt und so der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exporte schadet. Das globale Finanzsystem hat schon bessere Tage gesehen. Im Vorfeld des G-20-Treffens dominiert deshalb das Thema Währungen die geopolitische Agenda. Vorschläge zur Stärkung der internationalen Finanzarchitektur gibt es zuhauf. Der spektakulärste stammt vom Präsidenten der Weltbank, Robert Zoellick. Er fordert heute in der «Financial Times» eine Rückkehr zum Goldstandard.

Was genau will Zoellick? Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges trafen sich die Siegermächte im amerikanischen Ferienort «Bretton Woods» und vereinbarten dort eine neue Weltfinanzordnung. Dreh- und Angelpunkt dieser Ordnung war der Dollar, an den alle anderen Währungen gebunden waren. Der Dollar seinerseits war an den Goldpreis fixiert. Deshalb hatte das System einen indirekten Goldstandard.

Eine Neuauflage von «Bretton Woods»

1971 schloss Präsident Richard Nixon das sogenannte «Goldfenster». Er weigerte sich, fortan Dollars zu einem fixen Kurs gegen Gold umzutauschen. Das internationale Währungssystem hat deshalb keinen festen Anker mehr. Seit 1971 «floaten» die Währungen resp. sie bewegen sich wild und oft irrational gegeneinander auf und ab.

Um dieses Chaos in der Griff zu bekommen, fordert Zoellick ein «Bretton Woods II»-Abkommen. Im Mittelpunkt sollen dabei die wichtigsten Weltwährungen stehen, Dollar, Euro, Yen, Renminbi und das britische Pfund. «Dieses System sollte Gold als einen internationalen Referenzpunkt benützen, an dem sich die Markterwartungen bezüglich Inflation, Deflation und des zukünftigen Wertes der Währungen messen lassen», schreibt der Weltbankpräsident in der «Financial Times».

Die Sehnsucht nach Stabilität

Was spricht für einen neuen Goldstandard? Er würde Klarheit schaffen. Derzeit nimmt das Chaos an der Währungsfront täglich zu. In den schon lange schwelenden Konflikt zwischen China und den USA mischt sich neuerdings auch Deutschland immer lauter ein. Finanzminister Wolfgang Schäuble attackiert die amerikanische Wirtschafts- und Geldpolitik aufs schärfste. Anlass ist die Ankündigung der US-Notenbank, erneut für 600 Milliarden Dollar Staatsanleihen aufzukaufen. Schäuble bezeichnet dieses Vorgehen als «ahnungslos» und beschuldigt die USA, sie würden die «Unsicherheit in der Weltwirtschaft» vergrössern. Grund für den deutschen Ärger: Die Massnahme der US-Notenbank schwächt den US-Dollar auch gegenüber dem Euro.

In den USA zahlt man mit gleicher Münze heim. «Alles, was ich dazu sagen kann, ist, dass die Heuchelei so dick aufgetragen ist, dass man sie mit dem Messer abschneiden kann», höhnt Nobelpreisträger Paul Krugman in der «New York Times» und fügt hinzu, es sei doch merkwürdig, dass ausgerechnet Deutschland sich gegen eine Politik der Amerikaner wendet, die höhere Exporte erlauben würde, immerhin würden die Deutschen selbst ihre Wirtschaft mit Exportüberschüssen über Wasser halten.

Der Fluch des goldenen Käfigs

Was spricht gegen einen neuen Goldstandard? Die simple Tatsache, dass die Fixierung der Währungen an Gold den Bedürfnissen moderner Volkswirtschaften und ihrer Finanzsysteme viel zu enge Grenzen setzt. Die Beratungsfirma McKinsey hat ausgerechnet, dass im Jahr 2008 die Notenbanken Gold im Wert von rund 1300 Milliarden Dollar besassen, im ganzen Bankensystem befanden sich gleichzeitig Vermögenswerte in der Höhe von 61'000 Milliarden Dollar. Notenbanken können im Krisenfall nicht flexibel genug reagieren. Daran liegt es auch, dass sich der Goldstandard historisch nicht bewährt hat.

Selbst für ökonomische Musterknaben kann sich der Goldstandard gravierend auswirken, wie Martin Wolf, Chefökonom der «Financial Times» ausführt: «Die Anbindung an einen fixen Goldpreis kann sich für eine Währung als sehr destabilisierend erweisen, dann nämlich, wenn andere Länder nicht mehr in der Lage sind, ihre finanzielle Stabilität aufrechtzuerhalten. In diesem Fall fliesst Gold unkontrolliert in eine Währung, die gut gemanagt ist. Die Konsequenzen können dramatisch sein, beispielsweise eine schwere Deflation.»

Für Martin Wolf ist deshalb klar: «Wir können und werden nicht zu einem Goldstandard zurückkehren. Wir können nicht mehr im 19. Jahrhundert leben, und es ist lächerlich, wenn wir so tun als ob.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.11.2010, 13:42 Uhr

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24 Kommentare

Michael Schwarz

08.11.2010, 16:29 Uhr
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Die Abschaffung des Goldstandard in 70er hat die Wirtschaft angekurbelt, weil Wirtschaft in 70er und 80er höheres Wachstum ausgewiesen hatte, deshalb benötige Wirtschaft dringend Liquidität, somit Abschaffung für damalige Situation richtig. Voraussetzung für Goldstandard ist tieferes, aber ein konstantes Wachstum. Indu.länder erfüllen diesen Wachstumsszenario, mehr Liq. brauche der Markt nicht. Antworten


Andreas Konz

08.11.2010, 14:58 Uhr
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Der Goldstandard hat sich nicht bewährt, weil die (Zentral)banken die Geldmenge viel mehr ausweiteten, als sie hätten sollen. Goldstandard hätte das verhindert und musste abgeschafft werden. Tatsache ist, dass es ohne Deckung keine wirkliche Möglichkeit gibt, sich vor Enteignung durch Inflation zu schützen. Und: wer sagt, dass Gold 1300/Unze kosten muss? Bei höherem Preis kann man das Geld decken! Antworten



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