Wirtschaft

Die Hoffnung liegt noch immer in der Tiefsee

Von Martin Läubli. Aktualisiert am 13.04.2011 5 Kommentare

Auch nach dem Unfall im Golf von Mexiko suchen Erdölmultis und Regierungen vor allem in der Tiefsee nach neuen Erdölquellen. Deren Erschliessung ist teuer und treibt die Welt weiter in die Erdölabhängigkeit.

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Bohrinsel vor Brasilien: Hier wurden in den vergangenen Jahren die grössten Ölreservoire entdeckt.

Verbilligte Energieträger

Subventionen steigern Nachfrage

Erdöl, Gas und Kohle wurden weltweit 2008 mit mehr als 550 Milliarden Dollar staatlich subventioniert, schätzt die Internationale Energieagentur IEA. Iran, Russland, Indien und China geben am meisten Geld aus. Die IEA rechnet, dass ohne Subventionen die globale Energienachfrage um knapp 6 Prozent gesenkt würde, der Erdölbedarf um etwa 7 Prozent – und die CO²-Emissionen würden damit um 7 Prozent reduziert. Die Gruppe der stärksten Wirtschaftsnationen G-20 sprach sich 2009 dafür aus, bis 2020 auf Subventionen zu verzichten. Die «Global Subsidies Initiative» führte jüngst eine Umfrage in über 80 Staaten durch. Die Mehrheit der Behörden waren nicht gewillt, Angaben zu Subventionen zu machen. Zu den Subventionen gehören erleichterte Bewilligungen oder Lizenzgebühren sowie Steuerbefreiung für die Industrie oder den Konsumenten. (ml)

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Es ist noch kein Jahr her, seit im Golf von Mexiko die BP-Bohrinsel Deepwater Horizon versank und Millionen Liter Erdöl das Meer katastrophal verschmutzten. Nun plant der Energiemulti BP (BPAM 5.53 0.27%) offenbar, schon im Sommer wieder im Golf Erdöl zu fördern. Wie BP setzen viele Energieunternehmen grosse Hoffnungen darauf, einen Teil der schwindenden Erdölreserven durch Bohrungen in der Erdkruste der Tiefsee zu ersetzen.

Der grössere Teil der konventionellen Erdölfelder der Welt, die bisher vergleichsweise «billig» erschlossen wurden, haben den Höhepunkt erreicht. Ihre Förderrate nimmt stetig ab. Die Internationale Energieagentur IEA prognostizierte im Jahr 2008, es brauche neue Produktionskapazitäten, sechsmal so gross wie die Fördermenge Saudiarabiens, um das Nachfragewachstum bis 2030 zu decken. Saudiarabien liefert ein Viertel des weltweiten Angebots.Mehr als die Hälfte der in den vergangenen zehn Jahren entdeckten Erdöl- und Gasreserven liegt laut Daten der international tätigen Beratergruppe IHS unter dem Meeresboden; davon wurden in den vergangenen fünf Jahren knapp 40 Prozent im Tiefwasser (Wassertiefe 400 bis 1500 Meter) und in der Tiefsee (tiefer als 1500 Meter) gefunden. Zu den grössten und wichtigsten Entdeckungen zählen die Reservoire unter den mehrere 1000 Meter dicken Salzschichten unter dem Meeresboden vor Brasilien. Die Geologen vermuten ein Lager von bis zu knapp 14 Milliarden Tonnen Erdöl – in den gesicherten Reserven sind heute gut 180 Milliarden Tonnen vorhanden.

Tiefer bohren im Golf von Mexiko

Neue grosse Funde sind zudem in den Schelfgebieten der USA gemacht worden. Obwohl die Bohrtätigkeit im Golf von Mexiko, besonders auf dem Gebiet der USA, seit Jahren abgenommen hat, bleibt laut den Experten der Deutschen Rohstoffagentur (Dera) diese Region eine Hauptquelle für die Tiefwasserförderung. Die Regierung Obama will den Erdölimport in den nächsten 15 Jahren um ein Drittel senken – unter anderem durch die Förderung der inländischen Produktion. Profiteure im Offshoregeschäft mit Erdöl und Erdgas könnten auch Angola, Australien, Nigeria, Ghana und Malaysia werden, wo ebenfalls in den letzten Jahren grosse Entdeckungen gemacht wurden.

Immer mehr unkonventionelle Ölfelder, die vor Jahren für eine Produktion nicht rentabel waren, kommen heute infrage. Dabei spielt nicht nur der technische Fortschritt eine Rolle, der es möglich macht, in Wassertiefen über 1500 Meter Erdöl aus der Erdkruste zu bohren. Entscheidend war laut Dera auch der relativ hohe Erdölpreis in den Jahren 2007 und Anfang 2008, dank dem die Firmenkassen der Ölmultis reichlich gefüllt wurden. Anfang 2010, so heisst es in der Branchenzeitschrift «Offshore», seien Lizenzen an Energieunternehmen vergeben worden, die weltweit eine Offshore-Erdölgewinnung auf einem Gebiet von nahezu 12 Millionen Quadratkilometer möglich macht. Vor rund zehn Jahren produzierten etwa 40 Plattformen in Wassertiefen von mehr als 500 Metern rund 3 Prozent der gesamten Erdölproduktion. 2009 betrug der Anteil bereits 7 Prozent. Das Beratungsunternehmen IHS sagt eine weitere Steigerung der Tiefwasserproduktion voraus und erwartet bis 2015 einen Anteil von 13 Prozent an der Gesamtproduktion.

Teure Quellen werden rentabel

Der deutsche Erdölexperte Werner Zittel von der Energieberatungsfirma Ludwig-Bölkow-Systemtechnik ist vorsichtiger. Zwar könnten die neuen Felder vor Brasilien die Förderung dereinst verdoppeln, das wäre im Vergleich zur täglichen Weltförderung ein Zuwachs um vielleicht 2 Prozent. «Berücksichtigt man den Förderrückgang in alten Förderregionen, erwarte ich jedoch, dass kurzfristig die Produktion gegenüber heute nicht mehr steigen wird», sagt Zittel.

Die Aussichten der Offshore-Produktion hat die IEA unter anderem dazu bewogen, im Vergleich zu 2008 optimistischere Prognosen für 2015 zu machen. Neu haben nicht nur die Opec-Erdölstaaten das Potenzial, ihre Erdölförderung zu steigern. Auch Länder ausserhalb dieses Paktes wie Brasilien oder die USA sollen nun dazu fähig sein. Der Grund: Unkonventionelle Erdölquellen – also die Offshorequellen, aber auch Ölsande etwa in Kanada – könnten in den nächsten Jahren rentabel werden.Der schnelle Meinungsumschwung der IEA verunsichere Industrie und Regierungen bei der Beurteilung der künftigen Energiepolitik, kritisiert Richard Miller vom britischen Oil Depletion Analysis Center. 25 bis 50 Prozent der von der IEA erfassten Erdölquellen könnten nicht als «billiges» Öl gefördert werden. Zumal nicht nur die Fördertechniken kostspielig sind, sondern auch die verlangten Sicherheits- und Umweltauflagen. Die brasilianische Erdölfirma Petrobras rechnet für die Offshoreförderung in den neu entdeckten Ölfeldern mit Kosten, die bei den gegenwärtigen Erdölpreisen erst in zehn Jahren amortisiert sind.Für Werner Zittel wird die Tiefseeförderung das Problem der Erdölabhängigkeit erst hinauszögern, dann verschärfen. Zunächst könne die Produktion zwar gehalten oder sogar gesteigert werden. «Allerdings um den Preis eines schnellen Förderrückganges nach Erreichen des Maximums», sagt Zittel. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.04.2011, 20:37 Uhr

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5 Kommentare

Daniel Zurbriggen

13.04.2011, 10:16 Uhr
Melden 3 Empfehlung 0

Wichtig ist vor allem dass das Eigengewicht von jedem Trottel mit Pferdestärken durch die Gegend kutschiert wird die das100 fache derselben Gattung bewältigen könnten. Je Gröser je Schneller..je ???? Antworten


Fabio Bonina

13.04.2011, 12:01 Uhr
Melden 2 Empfehlung 0

Verbrecher diese BP Leute!! Eine Sauerei und ein schlag ins Gesicht so etwas! Die Meere haben sich noch nicht erholt und werden dies wohl auch nicht mehr tun und schon wollen diese Verbrecher neue Bohrungen in übertriebenen Tiefen durchführen! Damit wieder ein Leck entsteht und Monate lang Öl ins Wasser fliesst!?!!? Warum zerstören wir unser Lebensraum?? Antworten



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