Die Angst vor einer Korrektur
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 25.01.2010
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Eine Korrektur an den Börsen von zehn Prozent oder mehr? Warum nicht? Nichts hassen die Börsianer mehr als Unsicherheiten, und gerade davon gibt es derzeit mehr als genug. Hier die wichtigsten drei:
Erstens: Die Politik hat den Banken den Krieg erklärt.
Die Banker haben sich zu früh in Sicherheit gewiegt. Mit Steuermilliarden haben die Regierungen dafür gesorgt, dass das Finanzsystem nicht zusammengekracht ist. Mit billigen Geld halten es die Notebanken weiter am laufen und sorgen dafür, dass die Gewinne wieder üppig sprudeln. Die Banker haben sich benommen wie ungezogene Kinder. Anstatt sich artig zu bedanken und Besserung zu geloben, quengeln sie und möchten noch höhere Boni. Das war erstens arrogant und zweitens dumm: Rund um den Globus hat die Wut auf die Banken neue Höchstwerte erreicht. Der politische Backlash ist eine logische Folge davon.
In der Schweiz ist die Situation speziell verworren. Nach den Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts herrscht ein Chaos in den Köpfen: Juristen streiten sich über die Auslegung des Rechts, Politiker über die Zukunft des Staatsvertrages und die gewöhnlichen Bürger haben keine Ahnung mehr, was überhaupt abgeht. Die Verwirrung wird noch grösser, weil der Fall UBS im Begriff ist, auch die traditionellen politischen Fronten auf den Kopf zu stellen: Die SP steigt mit der SVP ins Bett, und selbst einzelne Freisinnige haben offenbar genug von der Grossbank. Die UBS fallen zu lassen ist aber erstens fragwürdig und zweitens trifft es die Falschen. Villiger, Grübel & Co. sind nicht Schuld am Debakel, sondern Ospel, Kurer & Co. Diese lachen sich ins Fäustchen und geniessen ihre Abfindungen.
Mit seiner Abgabe für Grossbanken und der Absicht, den Eigenhandel zu erschweren, hat US-Präsident Barack Obama die Banker auf dem linken Fuss erwischt. Sie haben erkannt, dass es diesmal ernst gilt mit härteren Regulierungen. Goldman Sachs, ( 96.7 -0.17%) der Klassenprimus an der Wall Street, hat hastig Boni gekürzt und Wohltätigkeitsprogramme in Aussicht gestellt. Möglicherweise zu spät. «Wenn diese Gesetze umgesetzt werden, dann bedeutet das das Ende von Goldman Sachs, wie wir die Bank gekannt haben», sagt der Financier George Soros. Die Aussichten, dass Obama seinen «Glass Stegall Act lite» durch den Kongress bringt, stehen gut. Seine Reformabsichten werden mehrheitlich begrüsst, auch vom Präsidenten der Schweizer Nationalbank, Philipp Hildebrand.
Zweitens: Der Präsident der US-Notenbank wird in Frage gestellt.
Wer an der Spitze des Federal Reserve System (Fed) steht, wird gelegentlich auch als der mächtigste Mann der Welt bezeichnet. Der aktuelle Amtsinhaber, Ben Bernanke, steht vor der Wiederwahl und Präsident Obama hat diese Wiederwahl bereits dem Kongress vorgeschlagen. Was zunächst wie langweilige Routine aussah, ist nach der Schlappe von Massachusetts plötzlich zum Politthriller geworden. Bernanke gilt nun nicht mehr als brillianter Ökonom, der mit seiner mutigen Geldpolitik eine Depression vermieden hat, sondern als selbstgefälliger Notenbanker, der zusammen mit seinem Vorgänger Alan Greenspan die Krise mit seiner Tiefzinspolitik ermöglicht hat. So schnell werden heute nicht nur Politiker, sondern auch Notenbanker vom Sockel gestürzt.
Drittens: Was geschieht mit Griechenland und in China?
Okay, Griechenland ist klein und für die Weltwirtschaft nicht von Bedeutung. Aber Griechenland ist Mitglied von Euroland, einem Club, in den man nur ein-, aber nicht wieder austreten kann. Das ist weniger für Griechenland ein Problem – die Griechen würden lieber heute als morgen wieder austreten – sondern für die anderen Mitglieder. Weshalb? Griechenlands Staatsschulden sind völlig ausser Kontrolle geraten. Doch das Land darf nicht bankrott gehen, weil das einen gefährlichen Dominoeffekt auslösen würde. Geht Griechenland Pleite, was geschieht dann mit Portugal, Irland, aber auch Spanien und Italien? Euroland steht vor einem kniffligen Problem und hat die Lösung nicht gefunden. Das verunsichert die Investoren.
Ganz andere Sorgen plagen China: Es wächst zu schnell, mehr als zehn Prozent im letzten Quartal. Den Investoren wird dieses Wachstum langsam unheimlich. Alles nur eine Blase, oder was? Aber auch in Peking findet man dies eher zu viel des Guten. Die geldpolitischen Zügel werden gestraft, um eine Inflation zu verhindern. Um allfällige Blasenängste zu zerstreuen, wird gerne darauf hingewiesen, dass die Kassen sehr gut gefüllt sind. Chinas Devisenreserven sind inzwischen auf 2400 Milliarden Dollar angewachsen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.01.2010, 13:40 Uhr
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