Wirtschaft

Die Airlines erwarten ein Krisenjahr

Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 19.12.2011 17 Kommentare

Dass Swiss ihren Mitarbeitern das Weihnachtsgeld streicht, überrascht nicht: Bei den Airlines herrscht akute Nervosität.

Die unsichere Lage dämpft die Nachfrage: Passagiere am Flughafen Zürich (Archivbild).

Die unsichere Lage dämpft die Nachfrage: Passagiere am Flughafen Zürich (Archivbild).

Worst-Case-Szenario

Der Internationale Luftfahrtverband IATA rechnet für 2012 mit Verlusten von 600 Millionen Dollar bei den europäischen Fluggesellschaften. Dies ist die Schätzung, falls es den Regierungen gelingt, ein Ausweiten der Staatsschuldenkrise auf die Banken zu verhindern.

Gelingt dies nicht, sieht die Situation wesentlich drastischer aus. Dass das Schuldenvirus auf die Banken überspringe sei ein Worst-Case-Szenario, schreibt IATA-Direktor Tony Tyler. Doch dieses sei «ganz und gar nicht unvorstellbar». In diesem Fall rechnet Tyler mit Verlusten von 8,3 Milliarden Dollar für die Airlines weltweit, davon 4,4 Milliarden Dollar in Europa – «die grössten Verluste seit der Finanzkrise von 2008».

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Die Lufthansa-Tochter Swiss pfeift das Christkind zurück. Sie informierte am Wochenende ihre Kabinenmitarbeiter, dass sie dieses Jahr auf ihr Weihnachtsgeld – üblicherweise je nach Geschäftsgang etwas mehr oder weniger als 1000 Franken – verzichten müssen. Die Begründung: Die Prognosen für 2012 seien schwach. Laut Swiss-Kommunikationssprecherin Susanne Mühlemann seien 2011 die Unternehmensziele nicht übertroffen worden. «Die Massnahme ist vor diesem Hintergrund zu sehen.»

Bereits im September warnte die Lufthansa ihre Investoren, dass der Gewinn für 2011 nicht wie erwartet höher als das Vorjahresergebnis (876 Millionen Euro) ausfallen werde. Die Geschäftsleitung sprach bei der Gelegenheit von «anhaltenden konjunkturellen Unsicherheiten», bei der Präsentation des Neunmonatsergebnisses berichtete sie von «zunehmenden Absatz- und Ergebnisrisiken».

Das Jahresergebnis 2011 präsentiert der Lufthansa-Konzern erst am 15. März 2012. Doch seit September hat sich die Lage zugespitzt – nicht nur für Lufthansa, sondern auch für Air France KLM oder British Airways. Vor genau zehn Tagen kam die Warnung vom Direktor des Internationalen Luftfahrtverbands IATA: Er erwarte, schrieb Tony Tyler in einer pessimistischen Analyse zum kommenden Jahreswechsel, dass die europäischen Fluggesellschaften 2012 in die roten Zahlen schlittern werden. «Die Verluste werden nach unseren Erwartungen insgesamt bis zu 600 Millionen Dollar betragen», so Tyler. Die Frachtumsätze sind bereits seit dem zweiten Halbjahr 2011 eingebrochen, Air France KLM erwartet für das im Dezember zu Ende gehende Quartal einen operativen Verlust.

Rezession in Europa

Grund für die grosse Nervosität in der Airline-Industrie ist die Staatsschuldenkrise Europas. Diese wird den Fluggesellschaften Schaden zufügen, ist der IATA-Direktor überzeugt – selbst wenn es den Regierungen mithilfe des IWF gelingen sollte, den Kontinent zu stabilisieren. «Es ist kaum zu vermeiden, dass Europa in eine Rezession fällt; das Vertrauen von Unternehmen und Konsumenten ist bereits zu angeschlagen», schreibt Tyler. Zur Schwäche des Heimmarktes kommen zwei regulatorische Belastungen hinzu: Einerseits haben viele europäsiche Länder die Steuern auf Passagiertransporte angehoben – besonders British Airways hat sich darüber empört gezeigt. Andererseits haben die USA und die EU im Frühjahr gemeinsam beschlossen, die Subventionen für den Kauf neuer Flugzeuge abzubauen.

«2012 wird zweifellos ein sehr schwieriges Jahr für die Branche», sagt auch ZKB-Analyst Michael Winkler. Die Luftfahrtbranche sei extrem konjunkturabhängig – eine Abschwächung zeige sich sofort darin, dass Unternehmen von Business auf Economy umbuchten. Um die Flugzeuge voll zu bekommen, müssten die Airlines die Preise senken. «Die Auslastung bleibt dann hoch, aber die Umsätze sind niedrig», sagt Winkler. «Das ist für eine Fluggesellschaft das typische Rezessionsszenario.» Bereits jetzt stelle man als Beobachter fest, dass die Airlines mit günstigen Preisen um Passagiere werben.

Air France KLM baut Stellen ab

Für die grossen Linienflieger sind die Konjunktureinbrüche schlechter zu verkraften als für Billigflieger. Lufthansa und Co. unterhalten eine teure Langstrecken-Infrastruktur, zahlen tendenziell bessere Löhne, ihre Flugzeuge stehen tendenziell länger am Boden – das sind Kostenblöcke, welche sich nur begrenzt an die Konjunkturlage anpassen lassen. Wenn jetzt ausserdem die Absicherungen gegen die seit Monaten steigenden Benzinpreise ablaufen, bleibt den Konzernen nur eine Kurzfristmassnahme: Sie sparen bei den Menschen in ihrem Unternehmen. Eben beispielsweise beim Weihnachtsgeld.

Nicht nur Swiss, auch die Branchenkollegen sparen: Bei Air France KLM gilt seit Oktober Einstellungsstopp, laut einem unbestätigten Medienbericht soll im Januar ausserdem der Abbau von 2000 Stellen bekannt gegeben werden. Bei Swiss sei ein Personalabbau «aus heutiger Sicht absolut kein Thema», sagt Mühlemann. Das Unternehmen begegne den Schwierigkeiten des kommenden Jahres mit «konsequentem Kostenmanagement, verbesserter Flexibilität und Umsetzungsgeschwindigkeit».

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.12.2011, 15:44 Uhr

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17 Kommentare

Manfred Stierli

19.12.2011, 17:32 Uhr
Melden 65 Empfehlung

Man findet jedes Jahr Gründe, den Mitarbeitern zu erklären, warum es für sie nichts gibt... Antworten


Markus Stutz

19.12.2011, 17:32 Uhr
Melden 57 Empfehlung

Hauptsache oben wird schön abgarniert und den Normalsterblichen die 1000 Fränkli gestrichen. Als ob das den Braten feiss gemacht hätte, lächerlich mehr nicht. Aber mit der Krise lässt sich halt alles rechtfertigen. Vor ein paar Wochen konnten wir hier an gleicher Stelle noch lesen, wie supergut es der Swiss doch gehe. Antworten



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