Wirtschaft

Der künstliche Aufschwung

Aktualisiert am 02.03.2010 20 Kommentare

Trotz zwei Quartalen in Folge mit einem Wirtschaftswachstum warnt Seco-Chefökonom Aymo Brunetti vor Euphorie: Die Schweizer Wirtschaft erhole sich nur schleppend und «weitgehend künstlich».

Nach wie vor seien beträchtliche Risiken vorhanden, sagte Brunetti vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Denn die aktuelle Erholung der Weltwirtschaft sei «weitgehend künstlich», da sie zu einem guten Teil staatlichen Stützungsmassnahmen zu verdanken sei.

Ob die Weltwirtschaft nach Auslaufen dieser Programme aus eigener Kraft Tritt fasse, sei noch unklar. Der Ausstieg aus der expansiven Fiskal- und Geldpolitik sei mit Unsicherheiten verbunden, sagte Brunetti. Er verwies zudem auf die aufgetürmten Schuldenberge vieler Staaten, was sich in der Griechenland-Krise widerspiegle.

Zwei wichtige Stützen der Konjunktur

Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft im vierten Quartal von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal bezeichnete Brunetti als erfreulich. Bemerkenswert sei die breite Abstützung der Erholung. Brunetti verwies insbesondere auf die Ausrüstungsinvestitionen und den Privatkonsum - zwei wichtige Stützen der Konjunktur. «Die Schweizer Wirtschaft wächst seit Mitte letzten Jahres wieder», sagte Brunetti. «Wir erwarten aber, dass der Aufschwung im Vergleich zu früheren Erholungsphasen verhalten ausfallen wird.»

Und das sind die Zahlen zu Brunettis Kommentar: Die Schweizer Wirtschaft hat ihre Leistung im vierten Quartal 2009 weiter gesteigert. Im Vergleich zum Vorquartal wuchs das Bruttoinlandprodukt (BIP) um 0,7 Prozent, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag mitteilte.

Im dritten Quartal war das BIP um 0,5 Prozent gestiegen - nach vier Quartalen in Folge mit negativen Werten. Im Vergleich zur Vorjahresperiode nahm das BIP von Oktober bis Dezember um 0,6 Prozent zu. Für das gesamte Jahr 2009 errechnete das SECO einen Rückgang des realen Bruttoinlandprodukts von 1,5 Prozent. Zu laufenden Preisen sank das BIP um 1,2 Prozent.

Mehr exportiert

Positive Wachstumsimpulse gingen im vierten Quartal vom Aussenhandel aus: Die Warenexporte wuchsen gegenüber dem Vorquartal um 3,2 Prozent - es ist das zweite Quartal in Folge mit einem Anstieg. Gefragt waren namentlich Chemikalien und verwandte Erzeugnisse sowie Präzisionsinstrumente, Uhren und Schmuck.

Die von der Rezession besonders getroffenen Bereiche wie Metalle, Maschinen, Apparate und Elektronik stagnierten indes auch im vierten Quartal. Die Warenimporte gingen leicht um 0,2 Prozent zurück.

Mehr konsumiert

Die Anlageinvestitionen nahmen um 1,4 Prozent zu. Das ist vor allem den Ausrüstungsinvestitionen zu verdanken, die um 3,9 Prozent zulegten. Die Bauinvestitionen nahmen dagegen um 1,5 Prozent ab.

Trotz anhaltend düsterer Aussichten auf dem Arbeitsmarkt nahm auch der Privatkonsum erneut zu und lag um 0,4 Prozent über dem Wert des Vorquartals. Bedeutende Wachstumsbeiträge lieferten das Gesundheitswesen sowie die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie. Der Konsum des Staats legte sogar um 1,7 Prozent zu. (sam/sda)

Erstellt: 02.03.2010, 09:00 Uhr

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20 Kommentare

Marc Dimanch

02.03.2010, 10:44 Uhr
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Hat Wachstum vielleicht"doch"eine Grenze? Kann ich wirklich zu meinen 2 Fernseher nochmals 2 kaufen? Natürlich nur aus Nächstenliebe,damit ich das BIP fördere und Arbeitsplätze generiere.Wenn wir also die Geldmenge durch Geldschöpfung ausweiten,lässt sichs konsumieren auf "Teufel komm raus".Doch zweifeln darf man nicht, weil das"Geld"nicht gedeckt ist. Wehe, wer zu spät sein Geld materialisiert:-) Antworten


leo schale

02.03.2010, 09:07 Uhr
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Ja, wenn da nur nicht die Riesenabhängigkeit von der EU und insbesondere Deutschlands inkl. der Riesensummen von illegalem ausländischem Kapital auf CH Banken wäre... Antworten



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