Wirtschaft

Der Unmut über Merkels Spardiktat wächst

Von Stephan Israel, Brüssel, und Oliver Meiler, Paris. Aktualisiert am 28.04.2012 142 Kommentare

Die Hoffnungen des krisengebeutelten Südens ruhen auf einer Wahl von François Hollande. Derweil steht die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel immer isolierter da.

«Der Fiskalpakt ist nicht verhandelbar», bekräftige Kanzlerin Angela Merkel am Freitag.

«Der Fiskalpakt ist nicht verhandelbar», bekräftige Kanzlerin Angela Merkel am Freitag.
Bild: Reuters

Bildstrecke

Frankreich erwartet den Machtwechsel

Frankreich erwartet den Machtwechsel
Das zweitgrösste EU-Land wählt den Staatspräsidenten. Bis der Sozialist François Hollande tatsächlich ins Elysée einziehen kann, stehen ihm noch zwei Wochen Konfrontation mit Nicolas Sarkozy bevor.

Artikel zum Thema

Teilen und kommentieren

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Werbung

Plötzlich kommt Bewegung in das vermeintliche Einheitsdenken zur Schulden- und Defizitkrise in der Eurozone. Am Freitag fühlte sich die deutsche Kanzlerin Angela Merkel gedrängt, mit Nachdruck ihren zusehends umstrittenen Sparkurs zu verteidigen: «Der Fiskalpakt ist nicht verhandelbar», sagte sie. Doch alle Anzeichen deuten darauf hin, dass Deutschlands Führungsrolle unter Druck gerät – und mit ihr die verordnete Budgetdisziplin.

In erster Linie richtete sich Merkels Botschaft an den Sozialisten François Hollande, den Favoriten der französischen Präsidentenwahl. Der drängt darauf, dass der Fiskalpakt durch ein Konjunkturprogramm ergänzt wird, damit die lahme Wirtschaft im gebeutelten Süden Europas stimuliert wird. Gewinnt Hollande am 6. Mai die Stichwahl, verliert Merkel ihren wichtigsten Verbündeten: Nicolas Sarkozy.

Freundlich, aber bestimmt

Hollande wäre wahrscheinlich deutlich weniger gefügig. Auf Merkels Massregelung reagierte er kühl: «Deutschland entscheidet nicht allein über Europa.» Der Sozialist verspricht den Franzosen, er werde der Kanzlerin «freundlich, aber bestimmt» begegnen. Er sieht sich als Herold eines neuen Europa und gilt deshalb vor allem in den Ländern am Mittelmeer als Hoffnungsträger.

Es mehren sich die Signale, dass sich auch die konservativen Regierungschefs in Italien und Spanien, Mario Monti und Mariano Rajoy, nach einer Korrektur sehnen. Beide leiden schon kurze Zeit nach Amtsantritt unter rasch sinkenden Beliebtheitswerten, weil ihre Länder trotz grösster Sparanstrengungen noch immer hohe Zinsen auf neue Kredite bezahlen müssen. Der Ruf nach einer Wachstumsinitiative ist in Mode gekommen. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hat den Ball aufgenommen und plant bereits einen Sondergipfel zum Thema Wachstum.

Dramatische Lage in Spanien

Die Märkte aber lassen nicht locker. Besonders dramatisch ist die Lage Spaniens. In der Nacht auf Freitag hat eine Ratingagentur die Bonität des Landes weiter herabgesetzt, was dessen Situation verschärft. Spanien steckt in der Rezession. Die Arbeitslosigkeit ist auf 24,4 Prozent angestiegen. Dennoch versucht Madrid mit einem historischen Spareffort den Defizitvorgaben aus Brüssel zu entsprechen – und versinkt gerade deshalb noch tiefer in der Krise.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.04.2012, 11:21 Uhr

142

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

142 Kommentare

Christian Homuth

28.04.2012, 07:20 Uhr
Melden 160 Empfehlung 0

Wie lange sollen wir uns das Theater mit der EU noch antun? Ohne die EU würde Deutschland viel besser da stehen. Griechenland, Spanien, Portugal und Irland sind jetzt schon die Kandidaten die wir mit durchfüttern. Mal schaun wie wir den Ostblock in den nächsten Jahren noch auffangen wollen. Antworten


werner hueppi

28.04.2012, 07:29 Uhr
Melden 140 Empfehlung 0

Die Kritik an Frau Merkel ist in der Theorie berechtigt. Leider hat aber die Vergangenheit gezeigt, dass Milliarden Transferzahlungen in dubiose Projekte verpuffen. So hat in Spanien bald jedes kleine "Kaff" einen eigenen Flughafen oder in Italien war die Mafia ein Hauptprofiteur der Agrarsubventionen aus Bruessel. Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen

Umfrage

Eine volle Rente soll nur noch erhalten, wer zu 80 Prozent invalid ist. Sind Sie mit dem Entscheid des Ständerats einverstanden?




Nicht von dieser Welt!

Entdecken Sie die arabische Märchenwelt aus 1001 Nacht!

Online-Wettbewerb

Gewinnen Sie ein tropisches Wochenende in Frutigen.

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Abopreise vergleichen

Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.

Online-Wettbewerb

Wir feiern - Sie profitieren. Einen Tag lang freie Fahrt ab CHF 25.- mit Bahn, Bus und Schiff im gesamten BLS-Gebiet.