Wirtschaft

«Der US-Aufschwung gewinnt an Breite»

Aktualisiert am 09.03.2012

Die US-Wirtschaft hat im Februar überraschend viele Jobs geschaffen. Die Arbeitslosenquote bleibt mit 8,3 Prozent auf einem Drei-Jahres-Tief. Die Entwicklung sorgte an der Wall Street für Zuversicht.

Leichte Zuversicht: Bauarbeiter in Valley Forge, Pennsylvania.

Leichte Zuversicht: Bauarbeiter in Valley Forge, Pennsylvania.
Bild: Keystone

Hohes Handelsdefizit

Vor dem Hintergrund einer gestiegenen Nachfrage nach ausländischen Autos, Computern und Lebensmitteln ist das Handelsdefizit in den Vereinigten Staaten im Januar auf 52,6 Milliarden Dollar (knapp 40 Milliarden Euro) gestiegen. Dabei handelt es sich um das grösste Ungleichgewicht seit mehr als drei Jahren. Insgesamt stiegen die Ausfuhren um 1,4 Prozent auf 180,8 Milliarden Dollar (136 Milliarden Euro), während die Importe um 2,1 Prozent auf einen Rekord von 233,4 Milliarden Euro (176 Milliarden Euro) kletterten. Die US-Exporte nach Europa fielen laut Handelsministerium um 7,5 Prozent. (sda)

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Die US-Börsen haben die Woche mit Gewinnen beendet. Die überraschend positive Entwicklung des US-Arbeitsmarkts sorgte für Zuversicht an der Wall Street. Die US-Wirtschaft schuf im Februar mehr Jobs als erwartet - ein Hinweis darauf, dass der Aufschwung in der weltgrössten Volkswirtschaft auf solider Basis fusst. «Die Arbeitsmarktdaten haben geholfen, den Aufwärtstrend zu stützen», sagte ein Analyst.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verabschiedete sich 0,1 Prozent höher bei 12'922 Punkten aus dem Handel. Im Tagesverlauf pendelte der Leitindex zwischen 12'906 und 12'968 Zählern. Der breiter gefasste S&P-500 legte 0,4 Prozent auf 1370 Zähler zu und die Technologiebörse Nasdaq gewann 0,6 Prozent auf 2988 Stellen. Auf Wochensicht verlor der Dow Jones 0,4 Prozent, der S&P 500 legte 0,1 Prozent und die Nasdaq 0,4 Prozent zu.

Neue Jobs entstanden

Die langsam wieder Tritt fassende US- Wirtschaft bringt immer mehr Amerikaner zurück in Lohn und Brot. Die Zahl der Beschäftigten stieg im Februar um 227'000 und damit deutlicher als erwartet, wie das Arbeitsministerium am Freitag mitteilte.

Die Bilanz wäre noch besser ausgefallen, hätte der unter Sparzwang stehende Staat nicht tausende Arbeitsplätze gestrichen. Trotzdem entstanden bereits den dritten Monat in Folge mehr als 200'000 Jobs - das hat es seit rund einem Jahr nicht mehr gegeben. Im Januar und Dezember fanden zudem 61'000 mehr Amerikaner eine Stelle als zunächst gemeldet. Die Arbeitslosenquote blieb mit 8,3 Prozent auf einem Drei-Jahres-Tief.

Aufschwung kräftiger

«Der Arbeitsmarkt liefert einen weiteren Hinweis dafür, dass der Aufschwung an Breite gewinnt», sagte Ryan Sweet von Moody's Analytics. Seit August entstanden etwa 1 Millionen neue Jobs. Grund dafür ist die Erholung der weltgrössten Volkswirtschaft. Sie wuchs im vierten Quartal um 0,7 Prozent, während die Euro-Zone um 0,3 Prozent schrumpfte.

Die wöchentliche Arbeitszeit verharrte mit 34,5 Stunden auf dem höchsten Niveau seit August 2008, während die Stundenlöhne um 0,1 Prozent zulegten. «Die aktuelle Dynamik am US-Arbeitsmarkt ist durchaus beachtlich», sagte Postbank-Ökonom Heinrich Bayer. Damit steige die Chance, dass der private Konsum stärker wachse. Er trägt zu rund 70 Prozent zum Bruttoinlandprodukt bei.

23,5 Millionen Arbeitslose

Das Tempo der Erholung ist aber nicht hoch genug, um das Heer der 23,5 Millionen Arbeitslosen oder nur geringfügig Beschäftigten merklich zu reduzieren. Der Arbeitsmarkt sei «von Normalität noch weit entfernt», stellte Notenbankchef Ben Bernanke jüngst fest. Dazu sei mehr Wachstum notwendig.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für dieses Jahr ein Plus von 1,8 Prozent voraus, andere Experten rechnen mit einer Zwei vor dem Komma. Auch die Notenbank erwartet angesichts der weltweiten Konjunkturflaute und der drohenden Rezession in der Euro-Zone keinen Boom. Sie will ihren Leitzins deshalb bis Ende 2014 bei null halten. Das billige Geld soll Konsum und Investitionen anschieben.

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt hat auch Einfluss auf den Präsidentschaftswahlen im November. Bis dahin dürfte die Arbeitslosenquote unter die Marke von 8 Prozent gefallen sein, sagen Experten voraus. Das könnte Präsident Barack Obama im Wahlkampf helfen.

(jak/sda, AFP)

Erstellt: 09.03.2012, 22:58 Uhr

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