Wirtschaft
Der Spion und die Weltbank
Eine Analyse von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 16.04.2012 5 Kommentare
Neuer Präsident für die Weltbank
Die Weltbank will heute Montag ihren neuen Präsidenten benennen. Das zuständige Gremium will dann nach Angaben aus Weltbankkreisen seine Wahl zwischen dem US-Kandidaten Jim Yong Kim und Nigerias Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala treffen. Am Wochenende hatte sich der dritte Kandidat, Kolumbiens Ex-Finanzminister José Antonio Ocampo, aus dem Rennen zurückgezogen. Die Nominierung des weitgehend unbekannten Akademikers Kim durch die US-Regierung war überraschend erfolgt. Da der Weltbank-Chef traditionell aus den USA kommt, hat der 52-Jährige jedoch grosse Chancen, Nachfolger von Robert Zoellick zu werden, der Ende Juni nach fünf Jahren an der Spitze der Finanzinstitution abtritt (AFP).
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Jim Yong Kim, der von Präsident Barack Obama nominierte Kandidat, wird es wohl schaffen und womöglich bereits heute an die Spitze der Weltbank gewählt werden. Die bevorstehende Wahl ist nicht ohne Nebengeräusche verlaufen. Vor allem die aufstrebenden Schwellenländer fordern seit langem und mit zunehmender Vehemenz, dass jemand aus ihren Reihen Chef der Weltbank wird. Auch um das Direktorium des Internationalen Währungsfonds (IWF) tobt eine ähnliche Diskussion. Bisher konnten sich die Schwellenländer jedoch nicht durchsetzen. Nach wie vor gilt: Der IWF wird von einem Europäer, die Weltbank von einem Amerikaner geleitet. Wie ist es zu dieser Arbeitsteilung gekommen? Und vor allem: Warum verzichten die USA auf den mächtigeren Posten des IWF-Chefs?
Weltbank und IWF sind 1944 in Bretton Woods (Bundesstaat New Hampshire) konzipiert worden. Um ein Chaos wie nach dem Ersten Weltkrieg zu vermeiden, trafen sich die Vertreter der Alliierten in einem Hotel und machten sich daran, eine neue internationale Finanzordnung auszuhandeln. Wortführer waren die Amerikaner und die Briten. Die US-Delegation wurde von Harry Dexter White angeführt, die britische von John Maynard Keynes, dem wohl bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts.
IWF unter die Fittiche nehmen
Das Abkommen von Bretton Woods hat den IWF zur «harten» Institution gemacht. Er soll darüber wachen, dass die Staaten ihre Finanzen im Griff haben. Notfalls stellt er Hilfskredite zur Verfügung, die jedoch mit politischen Auflagen verbunden sind. Die Weltbank ist in dieser Terminologie die «weiche» Zwillingsschwester des IWF. Sie ist für die Entwicklung für die ärmsten Länder zuständig und gibt diesen langfristige Kredite.
Ursprünglich war klar, wie die Chefposten verteilt würden: Die Amerikaner würden den harten IWF unter ihre Fittiche nehmen, die Europäer die weiche Weltbank. Harry Dexter White galt denn auch als designierter erster IWF-Chef. Keynes war damals schon todkrank und kam nicht als Weltbankchef infrage. Aber es war klar, dass ein Europäer diesen Posten übernehmen würde. Dann kam es zu einem unerwarteten Rollentausch. Weshalb?
US-Präsident Harry S. Truman hatte White schon als IWF-Direktor nominiert, als ihm der damalige FBI-Chef J. Edgar Hoover eine unangenehme Nachricht überbrachte: Es bestehe der dringende Verdacht, dass White ein Spion für die Sowjetunion sei. Sofort wurde das Verfahren sistiert. Den Amerikanern war das Ganze hochnotpeinlich. Ein Spion Stalins an der Spitze des mächtigsten Finanzgremiums der Welt? Unvorstellbar. Aber was tun, ohne das Gesicht zu verlieren?
Das grosse Glück der US-Politik
Zur allgemeinen Verblüffung der Europäer drängten die Amerikaner im letzten Moment auf einen Rollentausch. Sie beanspruchten nun das Präsidium der Weltbank. Erster IWF-Direktor wurde deshalb der Belgier Camille Gutt, erster Weltbank-Präsident der Amerikaner Eugene Meyer. Seither hat sich die Arbeitsteilung eingebürgert. Erst seit kurzem wird sie von den Schwellenländer infrage gestellt.
Was aber geschah mit Harry Dexter White? Er wurde zuerst zu einem «freiwilligen» Rücktritt genötigt. Dann wurde er von einem Kongressausschuss der «unamerikanischen Tätigkeiten» angeklagt. Er stritt die Vorwürfe vehement ab, starb aber kurz darauf an einem Herzleiden. Das war das grosse Glück der US-Politik. Wenig später wurde nämlich eindeutig bewiesen, dass White tatsächlich ein Spion der Sowjets gewesen war. Die Wahrheit kam jedoch erst ans Licht, als dies politisch keine Bedeutung mehr hatte.
Erstellt: 16.04.2012, 12:02 Uhr
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5 Kommentare
Das ist alles gesteuertet von der Macht/Geld-Elite und nichts, aber auch gar nichts was auf der Welt diesbezüglich passiert, ist dem Zufall überlassen! Es gibt höchstens kleine Streitereien um solche Posten die für viel Lohn tun was ihnen befohlen wird. Antworten
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