Der Nächste, bitte!
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 26.09.2011 40 Kommentare
Dossiers
Artikel zum Thema
- «Wir haben keine Ambitionen, zu den fünf Grössten zu gehören»
- «Wir haben Oswald Grübel bekniet»
- «Kaspar Villiger war eine totale Nullnummer in dieser Geschichte»
- Jetzt muss auch Villiger gehen
- Villiger lässt Grübel hängen
- Die möglichen Ermotti-Herausforderer
- Warum erst jetzt?
- Ermotti will nicht aufs Geschäft mit reichen Amerikanern verzichten
Stichworte
SwissquoteExklusiver Trading-Partner
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Der sofortige Rücktritt von Oswald Grübel als CEO der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) macht eine rasche Ablösung im Verwaltungsratspräsidium dringlich. Diese Ansicht findet sich praktisch unisono in der weltweiten Finanzpresse wieder. Offiziell hat der amtierende Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger dem Anliegen allerdings eine Abfuhr erteilt. Er will am bisherigen Plan festhalten, nachdem sein designierter Nachfolger Axel Weber den Posten erst im Frühjahr 2013 übernehmen will.
Dass sich Villiger so lange halten kann, ist wenig wahrscheinlich. Laut der «Financial Times» soll sogar Oswald Grübel eine rasche Ablösung von Villiger gefordert haben. Auch weil Grübel unter anderem mit diesem Anliegen beim Verwaltungsrat abgeblitzt sei, hätte er seinen Rücktritt erklärt. Die Finanzzeitung bezieht sich bei dieser Information auf zwei ungenannte Spitzenmanager der Bank. Die Geschichte wirft auf jeden Fall ein anderes Licht auf die Aussagen von Villiger, wonach er Grübel bekniet habe, auf jeden Fall noch etwas länger zu bleiben.
«UBS stürzt ins Chaos»
Wie die Grossbank jetzt geleitet wird, ist wenig vertrauenserweckend. Die «Financial Times Deutschland» titelt auf ihrer zweiten Seite sogar: «UBS stürzt ins Chaos», nicht viel weniger dramatisch schreibt das «Wall Street Journal» von erneuten Unruhen, in die die UBS nach dem Abgang von Grübel stürze. Sergio Ermotti, der Mann mit den bisher grössten Chancen auf die Nachfolge Grübels als CEO, wurde vom Verwaltungsrat vorerst nur interimistisch eingesetzt. Damit hat man ihm nicht die nötige Durchsetzungskraft zugesprochen, die die Grossbank an der Spitze dringend brauchen würde. Kommt dazu, dass Ermotti erst seit April bei der UBS arbeitet. Selbst Routinier Oswald Grübel hat vor den Ereignissen der letzen Wochen – wie jetzt bekannt wurde – vor allem deshalb nie ein endgültiges Datum für seinen Rücktritt bekanntgeben wollen, weil ihn das in seiner Führungsfunktion geschwächt hätte.
Dass gleichzeitig Villiger an seinem Posten noch bis 2013 festhalten will – wie er sagt – macht die Sache noch schlimmer. Nicht nur, weil damit der Neuanfang an der Spitze noch viel zu lange auf sich warten lässt, sondern auch weil Villiger kein Banker ist. Als Unternehmer verkaufte er Fahrräder und Zigarren und er war Schweizer Bundesrat. Den Posten bei der UBS hat er erst seit zwei Jahren inne. Wie er den Medien am Samstag erklärte, habe er in dieser Zeit viel gelernt, was es ihm möglich mache, für die Kontinuität an der Bankspitze zu sorgen.
«Eigene Interessen über jene der Investoren gestellt»
Besonders überzeugend ist das nicht. Im Zusammenspiel zwischen Oswald Grübel und Kaspar Villiger war von Anfang an klar, dass Villigers Rolle vor allem darin besteht, dem neuen Konzernchef von Seiten der Politik den Rücken frei zu halten. Für die Rolle als Garant für die Stabilität der Bank selbst fehlt ihm auf den Märkten das Vertrauen. Doch das benötigt die Bank in nächster Zeit dringend. Die UBS steht vor besonders grossen Herausforderungen. Neben dem geplanten Umbau im Investmentbanking kommen die steigenden Unsicherheiten auf den Märkten im Zuge der Eurokrise. Wegen dem Führungsvakuum und voraussichtlich ausbleibender Boni als Folge des Verlustes in London droht der UBS auch der Verlust an Bankern, die mitsamt wichtigen Kunden und Beziehungen zur Konkurrenz wechseln. Die erneute Unsicherheit bei der UBS kann im schlimmsten Fall auch dazu führen, dass die vermögende Kundschaft wieder Vermögensverwaltungsmandate auflöst.
Geradezu vernichtend lautet das Urteil der sogenannten «Lex»-Kolumne der «Financial Times» über das «Führungsvakuum», in dem das oberste Gremium die Bank für längere Zeit belassen will: «Der Verwaltungsrat hat die eigenen Interessen über jene der Investoren gestellt», heisst es da. Mit Grübel sei der Mann von Bord gegangen, der am meisten befähigt wäre, die Bank wieder auf Kurs zu bringen und jetzt habe man eine unwillkommene Ungewissheit geschaffen. Der Verlust des Traders in London habe die UBS sogar wieder dahin zurückgeworfen, wo die Bank bei der Ankunft von Oswald Grübel gestanden habe.
«Nur eine temporäre Schwäche»
Der Abgang von Oswald Grübel wurde in vielen ersten Kommentaren für angemessen gehalten, weil er sich geweigert habe, die neuen Umstände im Banking nach der Finanzkrise zu akzeptieren. So hat Grübel anfänglich Gewinnziele wie zu alten Zeiten formuliert und sogar die Bemühungen der Politik öffentlich torpediert, mit neuen Regeln die Risiken der Banken für die Gesamtgesellschaft zu drosseln. Doch diese Ansichten hat nicht nur Grübel vertreten, sondern ebenso lautstark auch Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger. In einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» von gestern hat er sogar wörtlich erklärt: «Wir haben vor einem Jahr noch nicht in dieser Klarheit gesehen, dass es einen Paradigmawechsel im Bankwesen gibt und nicht nur eine temporäre Schwäche». Diese Aussage ist angesichts der Umwälzungen durch die Finanzkrise mehr als erstaunlich für den obersten Verantwortlichen der grössten Schweizer Bank.
Möglicherweise bereitet Kaspar Villiger seinen Abgang und die frühzeitige Übergabe seines Postens an Axel Weber trotz anderslautender Äusserungen bereits vor. Ein Hinweis darauf könnte sein, was Villiger am Samstag einem Journalisten geantwortet hat, der wissen wollte, warum denn Grübel noch kurz vor seinem Rücktritt genau diesen Schritt noch ausgeschlossen hat. Darauf meinte der Verwaltungsratspräsident, so etwas kommuniziere man nicht vorzeitig. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.09.2011, 13:07 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
40 Kommentare
Kaspar Villiger hält sich sich für unverzichtbar. Bewirkt hat er wenig bis gar nichts. Bankspezifisches Know-how hat er auch nicht. Wenn man schon für den CEO eine Übergangslösung gewählt hat, kann dies erst recht für den VR-Präsidenten machbar sein, bis Axel Weber übernimmt. Dies wäre der einzige Weg, um den Ruf der UBS wieder einigermassen herzurichten Antworten
Der UBS ist zu wünschen, dass sie rasch zu einer definitiven Spitze kommt - was soll denn das, den CEO "interimistisch" zu ernennen ? Man stelle sich vor - ein Schiff erhält bei schwererm Seegang (und "etwas" Schlagseite) einen "interimistischen" Kapitän! Der UBS ist ferner zu wünschen, dass sie bald - lieber heute als morgen - einen neuen (definitiven) VR-Präsidenten bekommt. Antworten
Wirtschaft
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.


Bitte warten

