Wirtschaft

Der Krieg um Jobs

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 07.11.2011 54 Kommentare

Weltweit fehlen 1,8 Milliarden gute Jobs. Experten sprechen bereits von einem kommenden «Krieg um Arbeitsplätze».

Das Thema Arbeitsmarkt entzweit die politischen Lager in den USA: Der Sprecher des US-Repräsentantenhauses John Boehner bei einer Pressekonferenz zum Thema Arbeitslosigkeit am 4. November in Washington.

Das Thema Arbeitsmarkt entzweit die politischen Lager in den USA: Der Sprecher des US-Repräsentantenhauses John Boehner bei einer Pressekonferenz zum Thema Arbeitslosigkeit am 4. November in Washington.
Bild: Keystone

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Jim Clifton ist CEO von Gallup. Unter seiner Leitung hat das weltweit renommierte Umfrageinstitut eine Art Sorgen-Index erarbeitet, der erforscht, was die Menschen rund um den Globus an meisten beschäftigt. Das Resultat ist eindeutig: Überall auf der Welt ist es das Wichtigste, einen guten Job zu haben.

«Der nächste Weltkrieg»

Einen guten Job zu ergattern – das ist gar nicht so einfach. Die aktuellen Zahlen des globalen Arbeitsmarktes sehen nämlich wie folgt aus: Von den sieben Milliarden Einwohnern auf der Welt sind rund fünf Milliarden im erwerbsfähigen Alter. Drei Milliarden erklären bei der Gallup-Umfrage, sie wünschen sich einen «guten Job», wobei «guter Job» bedeutet: eine geregelte Wochenarbeitszeit von 30 Stunden und mehr. Doch weltweit gibt es derzeit bloss 1,2 Milliarden dieser «guten Jobs». Es fehlen mit anderen Worten 1,8 Milliarden. Gallup-Chef Clifton sagt dazu mit dramatischen Worten: «Der nächste Weltkrieg wird ein totaler, globaler Krieg um Arbeitsplätze sein.»

Dieser «Krieg» wird gerade in den etablierten Industriestaaten besonders heftig ausfallen. In den USA erholt sich der Arbeitsmarkt nur schleppend. Die Arbeitslosigkeit liegt bei neun Prozent, rund 25 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner sind derzeit auf der Suche nach Arbeit. Von der Politik haben sie keine Hilfe zu erwarten. Die Hardliner der republikanischen Partei blocken jeden Vorschlag von Barack Obamas Jobprogramm ab. So wollte der Präsident 60 Milliarden Dollar zur Verbesserung der Infrastruktur bewilligen. Das hätte Hunderttausende neue Jobs in der von der Krise besonders betroffenen Baubranche geschaffen. Finanziert worden wäre das mit einer Steuererhöhung von 0,7 Prozent für Einkommen von mehr als einer Million Dollar. Der Senat winkte ab.

US-Infrastruktur bröckelt

Dass sich Demokraten und Republikaner bei Investitionen in die Infrastruktur nicht einigen können, ist neu. Denn wenn es um Strassen, Dämme, Brücken oder die IT-Autobahn ging, waren die beiden Parteien stets ein Herz und eine Seele. Jetzt ist das politische Klima so vergiftet, dass auch dies nicht mehr klappt. Dabei wäre ein solcher Konsens von grösster Bedeutung. Die Vereinigten Staaten investieren bloss rund zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts in die Infrastruktur. Europa investiert doppelt und China viermal so viel.

Kein Wunder, befindet sich die Infrastruktur des nach wie vor reichsten Landes der Welt in einem erbärmlichen Zustand. Strassen sind löchrig, Brücken stürzen ein, und selbst im IT-Sektor sind die USA weit zurückgefallen. «Länder wie Frankreich, Japan und Schweden stellen ein Breitbandnetz zur Verfügung, das viermal schneller ist als das amerikanische», stellt die «Financial Times» fest. «Selbst die unglücklichen Menschen in Griechenland – wohlgemerkt in Griechenland – haben ein schnelleres Internet als die Amerikaner.»

Kaputt gespart

Notwendige Investitionen in die Infrastruktur im Namen der Sparpolitik zu verhindern, ist volkswirtschaftlicher Unsinn. In diesem Punkt ist sich die Mehrheit der Ökonomen inzwischen einig. Man kann ein Land auch kaputt sparen, wie das verschiedene europäische Beispiele zeigen.

Es geht also darum, kurzfristig vernünftige Investitionen mit einem langfristig sinnvollen Budget zu kombinieren. Dazu gehören notwendige Kürzungen bei Konsumausgaben genauso wie Steuererhöhungen bei den Superreichen. Je länger diese Einsicht aus rein ideologischen Gründen blockiert wird, desto heftiger wird der kommende «Job-Krieg» toben. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.11.2011, 13:29 Uhr

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54 Kommentare

David Arjuna

07.11.2011, 13:42 Uhr
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Viele Staaten in Eurpa und die USA haben die Staaten tatsächlich kaputt gespart, sprich ausgehungert. Dies auf Kosten des Mittelstandes und der Unterschicht. Jahrzehntelang hat man Steuersenkungen für Superreiche und Grosskonzerne mit dem Argument durchgeboxt, dass diese ja Arbeitsplätze schaffen. Realität ist, dass sich wenige bereichert und Arbeitsplätze trotz Rekordgewinnen abgeschafft haben Antworten


Eron Thiersen

07.11.2011, 13:39 Uhr
Melden 51 Empfehlung

Die Aussagen stehen in krassem Widerspruch zu länger arbeiten müssen (-67, evtl ~70) weil Arbeitskräfte fehlen, der Förderung von akademischen Ausbildungen (Schwellenländer wie China machen das bereits zu Massen und haben dann keine Jobs parat) ... also wer lügt und um was geht es? Es geht um fehlende Steuereinnahmen + leere Pensionskassen und die Angst vor sozialen Unruhen (überall!). Antworten



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