Wirtschaft

Der EU-Gipfel wird keinen grossen Wurf bringen

Von Ilona Wissenbach, Reuters. Aktualisiert am 08.12.2011 13 Kommentare

Deutschland und Frankreich gelten als die Retter Europas – dabei bremsen sie sich gegenseitig aus. Viele Beobachter hoffen auf einen geheimen Pakt am anstehenden Gipfel.

Sie plädiert für mehr Kontrolle, er will die Autonomie bewahren: Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Nicolas Sarkozy in Paris. (5. Dezember 2011)

Sie plädiert für mehr Kontrolle, er will die Autonomie bewahren: Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Nicolas Sarkozy in Paris. (5. Dezember 2011)
Bild: Reuters

Artikel zum Thema

EZB rückt 50 Milliarden raus

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat 34 Banken mehr als 50 Milliarden Dollar zugeteilt. Das in der vergangenen Woche von den sechs wichtigsten internationalen Zentralbanken angekündigte Angebot, den Markt mit Devisen zu fluten, stiess damit auf unerwartet grossen Zuspruch.

Die Banken brauchen nur rund 0,6 Prozent Zinsen zu zahlen - viel weniger als es vor der Ankündigung üblich war. Die 34 Banken dürften so bis Anfang März mit reichlich Dollar ausgestattet sein. Die EZB, die selbst die Dollar von der amerikanischen Federal Reserve bekommt, will die Marktflutung bis Februar 2013 fortsetzen. (sda)

Bildstrecke

Timothy Geithner in Europa

Timothy Geithner in Europa
Der US-Finanzminister besucht während drei Tagen die wichtigsten Akteuere der Euro-Krise.

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Die Warnung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel vor zu hohen Erwartungen an EU-Gipfel sind inzwischen schon ein Klassiker. Sie dürfte damit auch im Blick auf das Treffen vom Freitag Recht behalten. Die Euro-Staaten werden die Furcht vor dem Zerfall der Währungsunion nicht vertreiben können.

Sie werden weder gigantische Summen zur Finanzierung hoch verschuldeter Mitgliedsländer noch eine gemeinsame Haushaltspolitik vorweisen, die neue Schuldenexzesse wirksam verhindert. Die erhofften Beschlüsse zu noch strikterer Haushaltspolitik werden der Euro-Zone laut Analysten allenfalls eine Atempause verschaffen. «Die Skepsis wird anhalten, und das Kräftemessen zwischen Politik und Märkten wird weitergehen», sagt etwa Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der deutschen Dekabank.

Sarkozy als Bremser

Die Bundeskanzlerin hält nichts von der «Bazooka» immer höherer öffentlicher Mittel für den Euro-Rettungsfonds oder einer massiven Geldschöpfung durch die Europäische Zentralbank, die Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy gerne hätte. Zu hohe Schulden könnten nicht mit immer mehr Schulden bekämpft werden, sagen die Deutschen.

Die Schuldenlast müsse beständig über lange Zeit abgebaut werden, so lautet das deutsche Credo. Der Plan von «Merkozy», wie das deutsch-französische Führungsduo inzwischen genannt wird, ist deshalb der kleinst mögliche Nenner der beiden verschiedenen Strategien gegen die Krise.

Sarkozy lässt eine striktere Kontrolle der Staatsfinanzen zu und trägt dafür eine Änderung des EU-Vertrages mit. Merkel verzichtet auf noch weitergehende Eingriffsrechte der EU-Kommission in die nationalen Haushalte.

Kein grosser Sprung

Im Vergleich zu den schon mühevoll ausgehandelten Reformen, mit denen die Währungsunion krisenfest werden soll, ist das kein grosser Sprung. Die EU-Kommission und auch Regierungschefs sagen immer wieder, die bestehenden Regeln seien scharf genug – was fehle, sei eine glaubwürdige Umsetzung.

Um zur viel beschworenen Fiskalunion zu werden, bräuchte die Euro-Zone zum Beispiel einen europäischen Finanzminister, der zu grosszügige Staatshaushalte beschneiden könnte. Die nationale Souveränität in der Finanzpolitik müsste beschränkt werden. Doch dazu ist allen voran Frankreich nicht bereit.

Angst vor einem Crash

In den Euro-Staaten geht die Angst um, dass es spätestens im Januar, wenn die Mitgliedstaaten zig Milliarden Euro neuer Staatsanleihen begeben wollen, zum grossen Crash kommt. Deshalb hoffen viele Beobachter, dass es beim Gipfel einen geheimen Pakt der Euro-Länder geben wird.

Die Notenbank könnte ihre Zurückhaltung bei den Aufkäufen von Staatsanleihen krisengeplagter Staaten aufgeben, um den ständigen Zinsanstieg in Italien oder Spanien zu stoppen. So wurde die Andeutung von EZB-Präsident Mario Draghi verstanden, die Euro-Zone brauche vor allem einen neuen Haushaltspakt.

Einem solchen Kuhhandel steht aber das Verbot der Staatsfinanzierung durch die Notenbank im EU-Vertrag entgegen. Daher suchen die Euro-Länder nach einem Umweg, die Krisenabwehr mit dem von den Notenbanken geschöpften Krediten statt mit mehr Steuerzahlergeld zu verstärken.

IWF mit zentraler Rolle

Der Internationale Währungsfonds (IWF) soll mehr Mittel seiner Mitgliedsländer erhalten, um die grossen Euro-Länder Italien und Spanien stützen zu können. Denn diese Aufgabe überfordert den Euro- Rettungsschirm EFSF.

Mit vereinten Kräften könnten dann der IWF, der EFSF mit Unterstützung privater Investoren und die EZB zumindest mit fortgesetzten begrenzten Anleihekäufen den «Panzer» der Krise bald zum Stoppen bringen. Wenn schon nicht mit der Bazooka wie die USA, dann eben mit europäischen Handgranaten. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.12.2011, 00:00 Uhr

13

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

13 Kommentare

hans huber

08.12.2011, 06:50 Uhr
Melden 9 Empfehlung

"Deshalb hoffen viele Beobachter, dass es beim Gipfel einen geheimen Pakt der Euro-Länder geben wird." - nun wird also schon darauf gehofft, dass die Wahrheit unter dem Tisch gehalten wird? Statt Transparenz und Klarheit, weiterhin mit Augenwischerei und hinter verschlossenen Türen über das Schicksal von Millionen von Bürgern entscheiden? Antworten


Walter Lang

08.12.2011, 05:14 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Die Eu ist unfähig zu regieren Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Telefonbuch

Marktplatz

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.