«Der Dollar wird weiter an Wert verlieren»
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 01.09.2010 27 Kommentare
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Der Kurs des Schweizer Frankens zum Euro macht erneut Schlagzeilen. Der Franken erreicht gegenüber der Gemeinschaftswährung praktisch täglich historische Höchstwerte. Im Windschatten dieser Entwicklung ist das Verhältnis zur anderen für die Schweiz besonders wichtigen Währung fast etwas in den Hintergrund getreten: Jenes zum US-Dollar. Auch hier zeigt sich ein scheinbar unaufhaltsamer Wertanstieg des Frankens. Momentan kostet ein Dollar noch leicht mehr als 1.01 Franken. Im November vor einem Jahr war er sogar schon leicht billiger als 1 Franken. Bis zum Juni ist die US-Währung dann allerdings wieder auf einen Preis von beinahe 1.17 Franken angestiegen.
Der Zerfall des Dollarkurses gegenüber dem Franken seither ist vor allem deshalb dramatisch, weil er die Probleme der Schweizer Exporteure massiv verschärft. Der Dollarkurs hat nicht bloss Bedeutung für die Exporte in die USA, sondern auch für jene nach Asien und den nahen Osten. Grund: Die dortigen Länder haben ihre Währungen mehr oder weniger stark an den Dollar gebunden. Die Dollarschwäche gegenüber dem Franken verteuert Schweizer Produkte daher zum Beispiel auch in China.
Alles spricht gegen den Dollar
Der Chef-Währungsanalyst der UBS, Thomas Flury, rechnet mit einer noch schwächeren US-Währung gegenüber dem Franken: «Alles spricht dafür, dass der Dollar weiter an Wert verlieren wird», sagt Flury. Der Analyst erwartet ab Jahresbeginn 2011, dass der Dollar einen Wert von weniger als einem Franken aufweisen wird. Nur kurzfristig könnte sich die US-Währung gegenüber dem Euro zwischenzeitlich leicht erholen: wegen zu erwartenden Streiks in Südeuropa infolge der harten Sparmassnahmen. Im Schlepptau würde sich der Dollar auch gegenüber dem Franken leicht aufwerten.
Für einen künftig wieder stärkeren Dollar werden von einigen Analysten dagegen Ängste vor einem erneuten Absturz in die Rezession angeführt. Sie verweisen darauf, dass der Dollar, ähnlich wie der Schweizer Franken, die Funktion eines sicheren Hafens einnimmt. Thomas Flury hält davon nicht viel. Dass der Dollar bei aufsteigender Unsicherheit gegenüber dem Euro jeweils zugelegt hat, liegt laut dem Währungschef der UBS mehr am Euro als am Dollar. Wegen der grundsätzlichen Exportstärke der Europäer profitiere deren Gemeinschaftswährung besonders stark von Aufhellungen der Weltkonjunktur und umgekehrt.
Die Chinesen wenden sich immer mehr von der US-Währung ab
Bei bisherigen Kursstürzen des Dollars haben vor allem die Chinesen und die Japaner alles getan, um die US-Währung wieder zu stützen. Denn auch ihre Konjunktur hängt noch immer zu einem grossen Teil von den Exporten ab. Ein fallender Dollar macht diese Exporte in die USA teurer. Doch die Zeichen mehren sich, dass diese Stütze des Dollars auslaufen wird. Laut einer Reuters-Meldung von gestern investieren die Chinesen bereits jetzt immer weniger in Dollars und damit letztlich in Staatsanleihen der USA, dafür immer mehr in die Staatspapiere Japans. Dies obwohl die Langfristzinsen in Japan mit rund 1 Prozent weit tiefer liegen als in den USA mit rund 2,5 Prozent.
Die Chinesen halten gemäss der Meldung, die sich auf einen Think-Tank der Regierung bezieht, die Staatsfinanzen Japans für weniger gefährdet, als jene der USA. Dies obwohl die japanische Staatsschuld gemessen am Bruttoinlandprodukt mehr als doppelt so hoch ist wie jene der USA und zu den höchsten weltweit zählt. Doch die Schuld des japanischen Staates besteht zu 95 Prozent gegenüber den Japanern. Bei den USA liegt ein Drittel der Schulden in ausländischen Händen. Die Chinesen werden dem Dollar und den Amerikanern nicht den Rücken zukehren, dennoch mischen sie ihre Karten allmählich neu. Das genügt, um den Dollar weiter unter Druck zu setzen.
Der Franken bleibt das Gold der Währungsmärkte
Druck auf den Dollar üben auch die erwarteten Zinsentwicklungen aus. So hat die US-Zentralbank deutlich gemacht, dass sie angesichts einer Arbeitslosigkeit von fast 10 Prozent die Leitzinsen noch länger nicht anheben wird. Anders sieht es in Europa aus. Dort wird zwar ebenfalls eine Wachstumsabschwächung erwartet, dennoch glauben die meisten Marktbeobachter, dass die europäische Zentralbank (EZB) und die Schweizer Nationalbank (SNB) die Zinsen früher als die Amerikaner erhöhen werden.
Das alles bedeutet, dass der Franken nicht nur gegenüber dem Euro, sondern auch gegenüber dem Dollar die Rolle des sicheren Hafens einnimmt. Thomas Flury sieht den fairen Wert des Dollars gemessen in Franken zwar bei einem Kurs von 1.19. Doch die Unsicherheiten auf den Weltmärkten werden noch für einige Zeit dafür verantwortlich sein, dass der Franken deutlich überbewertet bleibt. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.09.2010, 15:28 Uhr
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27 Kommentare
Der Dollar liegt eigentlich schon im sterben. Mühsam am Leben erhalten durch die Druckmaschinen von Helikopter Ben windet er sich auf dem Sterbelager. Ein riesiges, nein gigantisches, Staatsdefizit, kein Willen zum Sparen haben ihn dahin gebracht. Es wird knallen, wüsste ich wann waere ich ein reicher Mann. Antworten
Fed handelt nach klassische ökonomische Modelle, nach kreative Lösung zu suchen, scheint nicht die Stärke der Fed zu sein. Sie ist auch nicht in der Lage langfristig und nachhaltig zu handeln, weil sie nicht begreift, dass die Wirtschaftswissenschaft viel mehr eine Kunst ist als eine Wissenschaft. Wenn man die Kunst als reine Wissenschaft betrachtet, wird man später Irrtum feststellen. Antworten
Seht das nüchtern, meine alemannischen Brüder ..... Schon heute geht es euch schlechter , trotz "besserer" Währung. Wenn ich mit meinem Basler Kollegen ( Chemiefacharbeiter ) rede, trotz "Spitzenlohn" , ist er nach meinem Empfinden arm. Was er an Miete zahlt, fürs Futter bezahlt und selbst unsere Rockkonzerte samt Bier sind nur halb so teuer..... Und wehe, er fahrt nur wenige Km schneller ....... Antworten
Geldpolitik der USA ist simple, wenn die Wirtschaft nicht läuft, dann ist Dollar schuld, somit wird mehr Dollar gedruckt und abgewertet. Die Handelsdefizite zwischen Import und Export existiert seit Jahren. Das ist nicht das Problem des USDs, sondern die Produktqualität nicht mehr den Anspruch des Menschen entsprach. In USA fehlt die Innovation, sowie die arrogante Haltung, mangeln an Kooperation. Antworten
Als Ökonomielaie fällt mir auf, dass bei der Einführung seinerzeit in Europa die Preise sich faktisch verdoppelten (numerisch z.B. der DM gleich, aber doppelter Wert), die Löhne aber dem Euro angepasst wurden. Das wäre doch vergleichsweise ein viel grösserer, schockartiger Impakt gewesen, als dieser schreitende Prozess. Ist es nicht viel schwieriger die Einflüsse zu werten, als die meisten meinen? Antworten
Die Chinese wenden sich vom US Dollar ab. Das ist so ein dummer Spruch. Warum sollten die zweigrössten Dollarhalter der Welt sich vom US Dollar trennen ? Fakt ist, dass in der heutigen Welt, wo Aktien und Bonds uninteressant sind, sich viel mehr Spekulaten sich den Währungen zuwenden. Dh, Stärken und Schwächen treten mehr hervor. Fazit: Der CHF ist zu teuer. Antworten
Auweia, als Hotelier kommen langsam die Sorgenfalten. Euro in Dollar im freien Fall und machen die eh schon teure Schweiz noch teurer. Das ist der Dank für eine solide Ausgabenpolitik, positve Staatsfinanzen und eine robuste Wirtschaft. Durch den Frankenanstieg werden wir dafür bestraft. Komische Welt! Antworten
Wenn sich die US-Wirtschaft nicht richtig erholt, fehlen die Steuereinnahmen zur Bedienung der Billionen (Trillions) Schulden. Dann bleibt nicht anderes, als Inflation "zuzulassen". Dann werden die aufgeblasenen Einkommen wieder reichen, die nominell gleich bleibenden Schulden zu bedienen. Das wäre nicht das erste Mal, dass die Amerikanerin ihre Schulden so entsorgen. Wann war $ noch bei 4.30 Antworten
Der Wert des Franken wird erst dann korrigiert (=abgewertet), wenn die Zinsen in der Schweiz auf ein vernünftiges Niveau von etwa 5% ansteigen, eine Million Häuser und Wohnungen in der Schweiz zwangsversteigert worden sind, die Bevölkerungsdichte stabilisiert und sowohl die Schuldner als auch die Banken wieder liquide sind. Antworten
Für uns wirds langsam ungemütlich wenn der CHF so hoch bleibt, denn viele andere Währungen sind an den $ gebunden. Unerfreulich ist auch, dass bei uns der Wettbewerb nicht funtioniert, die Importpreise sinken kaum, die Währungsgewinne werden von den Importeuren eingesäckelt. Wenn das länger andauernt werden die Jobs ins Ausland verlagert, wie gestern gesehen bei Givaudan Antworten
Einfach keine Angst, heute ist es der Franken stark und morgen kann z.B. auch der Euro und der USD wieder stärker sein. Gewiss für die Exportindustrie im Moment nicht einfach. Nur mussten wir mit einem starken Franken schon einmal leben. Auch ein starker Franken hat seine Vorteile. Und wie gesagt, alles schon einmal da gewesen. Und wir leben heute noch. Negativzinsen, auch das nützt nichts. Antworten
Ich stimme Herrn Zumstein zu, es wäre JETZT an der Zeit entsprechend die Preise zu senken. Das Benzin geht ja auch nicht am nächsten Tag wo der Dollar sinkt runter, aber am gleichen Tag geht der Preis hoch wo der Dollar nach oben hüpft. Es ist wie früher bei den Hypozinsen. Warum führen wir nicht auch so einen automatismus ein? Scheinbar wird die Hektik immer grösser und hortet das Geld. Antworten
Die Schweiz ist No. 1 in der Welt, alles ist super. Die Regierung ist stabil, das Land ist wunderschoen, die Sozialwerke spielen mit. Alle wollen in die Schweiz, die Immigrationszahlen sind hoch, ebenfalls die Asylantenzahlen aus dem Osten, Afrika etc. Die Schweiz ist ein Paradies. Nur wer kann das bezahlen? Die arbeitende Bevoelkerung?. Und der SFR ist am hoechsten bewertet. Wunderbar. Antworten
Es gibt keinen "fairen" Wert des USDollars von 1,19. Die Leistungen des Landes und die Ausbeutung der Mittel- und Unterschicht sollte die Gigamillionäre endlich zum Umdenken zwingen. Und ein Land das auf Pump und Pleiten lebt kann unmöglich gesund sein. Der USD hat einen inneren Wert von vielleicht 80 Rappen, ich sehe diese leider eher inzwischen bei 50 Rp. Wacht auf! Die Zugmaschine USA ist passé Antworten
. . . und bezahlen müssen wir in der CH deshalb trotzdem gleich viel wie vorher! Oder hat irgend Jemand etwas von einer Preisermässigung an der Tanksäule oder sonstwo beim Einkauf bemerkt? Und steigt der Euro und/oder der Dollar wieder, werden bestimmt mit diesem Argument die Preise nach oben angepasst . . . Antworten
Auch der Euro wird gegenüber dem Schweizerfranken immer mehr an Wert verlieren. Das ist gar nicht anders möglich, wenn man den desolaten Zustand der EU-Länder (Portugal, Irland, Griechenland, Spanien) betrachtet. Es ist ein Segen für die Schweiz, aber auch z.B. für England, nicht diesem Euro-Konglomerat anzugehören. Sonst hätten wir hier auch bald noch viel mehr Arbeitslose. Deutschland lässt grüs Antworten




Roberto Conte
Ja nicht nur die Amis leben auf Pump. Unterstützt vor einigen Jahren durch die Banken "vor allem durch die top ausgebildeten Bänker" die keine Ahnung haben vom vergeben des Geldes, jedoch wissen wie man nimmt. Ich wundere mich schon lange, dass hier die Überwachungskommission nicht eingeschritten ist. Wie es weiter geht ist gewiss. Es wird ein Orkan den lauen Luft der Finanzmisere 2009 überholen. Antworten