Den Banken schmelzen die Margen weg
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 22.12.2011 45 Kommentare
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Schweizer Banken nehmen in der Vermögensverwaltung deutlich weniger an Gebühren ein als noch vor ein paar Jahren. Sie haben 2010 noch eine mittlere Marge von 0,61 Prozent auf ihren verwalteten Vermögen verbuchen können. 2007 waren es noch 0,75 Prozent – ein Einbruch um rund 18 Prozent.
Weil die Kosten der Schweizer Institute nach wie vor hoch sind, weisen sie im weltweiten Vergleich ein ungünstiges Verhältnis von Kosten zu Ertrag auf. Das zeigt die neue «International Private Banking Study 2011» des Instituts für Banking und Finance IBF der Universität Zürich. «Schweizer Banken haben so hohe Kosten, dass sie von allen analysierten Instituten die ineffizientesten sind», stellt die Studie fest.
Skeptische Kunden
Mit den geschmolzenen Margen haben jedoch nicht nur die Schweizer Banken, sondern die gesamte Branche zu kämpfen. Denn die Kunden sind so informiert wie selten zuvor: «Wegen der besseren Vergleichbarkeit von Produkten, Dienstleistungen und Preisen verstehen die Kunden heute mehr vom Geschäft», schreiben die Autoren. «Das hat ihre Verhandlungsmacht erhöht.» Hinzu kommt laut Co-Autor Daniel Ettlin die seit der Finanzkrise erhöhte Skepsis der Kunden gegenüber komplexen Produkten. Für die Banken sei es schwieriger, diese Produkte – für die sie oft hohe Margen verrechneten – zu verkaufen. «Die Kunden sind eindeutig anspruchsvoller und preissensibler geworden», so Ettlin.
Während diese Entwicklung die Branche weltweit betrifft, lastet auf den Instituten des einstigen Offshore-Paradieses Schweiz zusätzlicher Druck. Denn Kunden mit unversteuerten Geldern haben sie oft mit Verwaltungsmandaten ausgestattet, für die sie die verschwiegenen Berater gut bezahlten. «Banken, die sich auf steueroptimierende Offshore-Kunden spezialisiert hatten, mussten ihr Geschäftsmodell überdenken», heisst es in der Studie.
Neue Geschäftsmodelle gesucht
Um sich neu aufzustellen, müssen die Banken Innovationsfähigkeit beweisen. Denn die Kosten in der Vermögensverwaltung lassen sich nicht über Nacht anpassen: Das Geschäft lebt von guten, teilweise langjährigen Kundenbeziehungen, für die eine Bank den Berater weiterhin gut bezahlen muss. Hinzu kommen die ebenfalls hohen und zwingenden Ausgaben für die Rechtsabteilungen, also die Compliance.
Kleine Banken konzentrieren sich darum vermehrt auf bestimmte Märkte, um den Aufwand für die Compliance zu reduzieren. «Eine kleine Bank kann angesichts aller Vorschriften heute nicht mehr überall aktiv sein», so Daniel Ettlin vom IBF. Manche Institute würden sich künftig auch entscheiden, die entsprechenden Rechtsdienstleistungen bei grossen Banken einzukaufen. Auch Zahlungsverkehr und IT werden nach Möglichkeit ausgegliedert – entsprechende Dienstleistungen bietet beispielsweise die 2007 neu gegründete Incore Bank an.
Doch nicht nur die kleinen, auch die grossen Banken müssen sich neu orientieren. «Die traditionellen Marktführer sind herausgefordert», stellen die Autoren der IBF-Analyse fest. Neue Möglichkeiten sehen sie in der Expansion in Schwellenmärkte, flexibleren Preismodellen sowie Online-Modellen, die Kunden stark miteinbeziehen. «Die Kunden wollen heute aktiv am Beratungsprozess teilnehmen», sagt Ettlin. Insgesamt, so glaubt er, seien die Schweizer Banken trotz allem gut aufgestellt: «Sie haben eine jahrzehntelange Erfahrung in der Betreuung vermögender Privatkunden, die nicht so schnell aufzuholen ist.»
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.12.2011, 12:54 Uhr
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