Wirtschaft

Das halbvolle Glas der UBS

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 08.02.2011 7 Kommentare

Die UBS hat fürs 2010 die Erwartungen der Analysten exakt erfüllt, nicht aber jene für das vierte Quartal. Die Interpretation der Zahlen lässt unterschiedliche Schlüsse zu.

Verkünden den ersten Jahresgewinn der UBS seit 2006: Finanzchef John Cryan (links) und CEO Oswald Grübel.

Verkünden den ersten Jahresgewinn der UBS seit 2006: Finanzchef John Cryan (links) und CEO Oswald Grübel.
Bild: Keystone

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Bonuspool um 10 Prozent verringert

Am Rande ihrer Medienkonferenz hat die UBS auch zu den Grundlinien ihrer Bonuspolitik für das vergangene Jahr orientiert. Die Details folgen im Geschäftsbericht, der im März veröffentlicht wird. Der gesamte Bonuspool wird sich demnach auf 4,3 Milliarden belaufen, 10 Prozent weniger als im Jahr 2009, als er sich auf 4,779 Milliarden belaufen hat. Vom neuen Bonuspool sollen 1,55 Milliarden erst in den nächsten Jahren zur Auszahlung kommen und daher auch erst später in die Jahresrechnung der Bank einfliessen, dazu kommen allerdings noch Auszahlungen im Umfang von 1,471 Milliarden aus Bonusprogrammen früherer Jahre. Tiefere Boni bedeuten nicht, dass die Einkommen der Banker insgesamt fallen, da die Fixlöhne ansteigen – eine Entwicklung, die sich in der ganzen Finanzbranche beobachten lässt, wie Oswald Grübel an der heutigen Pressekonferenz erklärt hat.

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Gemessen am Börsenkurs der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) von heute Morgen schienen die Investoren nicht recht zu wissen, was sie vom Ergebnis der Grossbank halten wollen. Bekannt waren die Zahlen seit 6.45 Uhr. Zu Börsenbeginn rutschte der Kurs der Aktie leicht ins Negative, um dann während den per Internet live übertragenen Erklärungen von CEO Oswald Grübel und Finanzchef John Cryan auf fast 2,5 Prozent ins Plus zu steigen und seither wie ein Jo-Jo herumzuspringen.

Schaut man sich das Ergebnis an, kann man sich tatsächlich am halbvollen Glas erfreuen oder das halbleere Glas bedauern. Nimmt man die vergangenen Jahre als Massstab, ist die Verbesserung der Lage der Bank eindrücklich, immerhin hat sie von 2007 bis 2009 nur noch Verluste geschrieben, 2009 waren es noch 2,7 Milliarden. Jetzt weist sie einen Jahresgewinn für 2010 von rund 7,2 Milliarden Franken aus. So gesehen hat der Gewinn um fast 10 Milliarden zugenommen. Die Erwartungen der Analysten hat die UBS für das Jahresergebnis exakt erfüllt. Das war andererseits aber keine wirkliche Überraschung, da sich das schon in den Vorquartalen abgezeichnet hat. Schaut man sich nur an, was neu ist – der Gewinn für das vierte Quartal – so lag dieser mit 1,3 Milliarden Franken sogar leicht unter den Erwartungen der Analysten, die mit 1,5 Milliarden gerechnet hatten.

Wenig aussagekräftige Gewinnzahlen

Doch wie schon im Vorquartal ist die Reingewinnzahl der Bank auch für das vierte Quartal wenig aussagekräftig, weil Faktoren einen sehr grossen Einfluss darauf haben, die nicht auf die operativen Leistungsfähigkeit der Bank zurückgehen: Da sind zum einen die aktivierten Steuerguthaben. Im vierten Quartal wurden 149 Millionen an latenten Steuern aktiviert, im dritten ganze 825 Millionen. Allein durch die aktivierten Steuergutschriften fiel das Ergebnis um 676 Millionen Franken schlechter aus als im Vorquartal (825 Millionen minus 149 Millionen), als die UBS einen (durch die Steueraktivierung um rund die Hälfte aufgeblasenen) Reingewinn von 1,664 Milliarden Franken präsentierte. Die wichtigere Gewinnzahl ist daher jene vor Steuern. Hier verbesserte sich die UBS im Vergleich zum dritten Quartal von 818 Millionen auf 1,16 Milliarden. Doch hier verpasste die UBS die Erwartungen der Analysten sogar deutlich, da diese mit 1,7 Milliarden Franken gerechnet hatten.

Wiederum mindern auch die Buchverluste durch eine verbesserte Bonität der Bank die Aussagekraft des Reingewinns. Der Verlust muss gebucht werden, weil damit die eigenen Schulden an Wert zulegen. Dieser der Investmentbank belastete «Verlust» belief sich im vierten Quartal auf 509 Millionen Franken, im dritten Quartal waren es noch 387 Millionen. Im Vergleich zum Vorquartal lässt diese Buchung den Gewinn um 122 Millionen tiefer aussehen, als er operativ ausgefallen ist (509 Millionen minus 387 Millionen).

Gemischtes Ergebnis bei den neu gewonnenen Geldern

Ein gemischtes Bild ergibt sich auch mit Blick auf die neu angezogenen Kundengelder im Vermögensverwaltungsgeschäft. Hier konnte die UBS im Bereich «Wealth Management» weltweit vor allem sehr reiche neue Kunden gewinnen und in der Region Asien-Pazifik zulegen. Dennoch konnte der Bereich im vierten Quartal netto kein Neugeld mehr anziehen – nach nur einer Milliarde im Vorquartal. Unter Druck ist UBS-«Wealth Management» auch durch den starken Schweizer Franken geraten, dessen Aufwertung sogar den Performance-Erfolg auf den Anlagen überkompensierte und so den Wert der verwalteten Vermögen insgesamt schrumpfen liess. Über 60 Prozent aller verwalteten Vermögen lauten entweder auf Euro oder auf Dollar. Die UBS rechnet jedenfalls damit, im laufenden Jahr weitere Neugelder zu gewinnen. Und sie konnte immerhin ihre Bruttomarge im Vermögensverwaltungsgeschäft um 0,03 auf 0,92 Prozent steigern, womit aber noch immer das selbst gesteckte Ziel von 1 Prozent unerreicht bleibt.

Bei den Nettoneugeldern hat wenigstens das Amerikageschäft («Wealth Management Americas») überrascht, mit einem deutlichen Zuwachs um 3,4 Milliarden Franken im vierten Quartal. Damit ist es mit der Freude über diesen Bereich aber vorbei, da er wie schon im Vorquartal Verluste schreibt, diesmal im Umfang von 33 Millionen Franken vor Steuern.

Investmentbanking noch nicht am Ziel

Noch nicht zufrieden gibt man sich bei der UBS schliesslich mit dem Ergebnis der Investmentbank. Die hat zwar nach einem Verlust vor Steuern im Vorquartal von 406 Millionen wieder auf einen Gewinn von 75 Millionen zugelegt. Rechnet man die hier verbuchten verzerrenden Kosten für die Bonitätsverbesserung heraus, hat sich der Bereich von einem Verlust von 19 Millionen im dritten Quartal auf einen Gewinn von 584 Millionen Franken im vierten verbessert. Immerhin rechnet die UBS damit, dass die Handelsergebnisse der Investmentbank im angelaufenen ersten Quartal 2011 besser ausfallen werden als in den Vorquartalen. Jüngste Investitionen in den Wertpapierhandel sollen sich allerdings erst im späteren Jahresverlauf auszahlen. Auf vermehrte Transaktionen setzt die UBS auch im Bereich der Vermögensverwaltung, was dort aber schon im ersten Quartal 2011 höhere Erträge generieren soll.

Zum mittelfristigen Ziel eines Jahresgewinns von 15 Milliarden hat sich die UBS nicht geäussert. Oswald Grübel meinte auf eine entsprechende Frage schelmisch, man solle sich doch bloss die bisherige Gewinnentwicklung zum Massstab nehmen. Dass diese aber so weiter verläuft ist wenig wahrscheinlich. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.02.2011, 13:33 Uhr

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7 Kommentare

Fredy Berger

08.02.2011, 15:47 Uhr
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"...da die Fixlöhne ansteigen – eine Entwicklung, die sich in der ganzen Finanzbranche beobachten lässt..." Leider ist dies nicht der Fall. Viele Angestellte dieser Branche erlebten erneut eine Nullrunde. Nach Abzug der neuen Sozialversicherungsbeiträge wird sogar noch weniger verdient als im Vorjahr! Antworten


heiner lauter

08.02.2011, 14:34 Uhr
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die banken sollen mal vorrechnen was die investmentbanker in den letzten 20 jahren an geldern in den sand gesetzt haben, sie dürfen dann noch die gewinne abziehen, wobei die boni wahrscheinlich die gewinne um ein mehrfaches übertreffen und dann sollen sie mir erklären wieso sie diese immer noch so fürstlich entlöhnen Antworten



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