Wirtschaft
Das finnische Engagement der SNB
Aktualisiert am 12.10.2012 44 Kommentare
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Devisenreserven der SNB
Gemäss heute veröffentlichten Zahlen hielt die SNB per Ende September 429 Milliarden Franken an Devisenreserven. Gegenüber dem Vormonat entspricht dies einem Anstieg von knapp 9 Milliarden Franken, was einer weiteren Verlangsamung gleichkommt.
Rund 60 Prozent der Währungsreserven sind in Euro investiert (Stand Ende Juni). Weitere 22 Prozent sind in US-Dollar angelegt, der Rest teilt sich in den japanischen Yen, das britische Pfund, den kanadischen Dollar und weitere Währungen auf.
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Dass die Schweizerische Nationalbank einen Teil ihrer Devisen in Aktien anlegt, ist eigentlich schon lange bekannt. Zehn Prozent der gesamten Anlagesumme sind es, wie die SNB (SNBN 1081 -0.37%) bestätigt. Das entspricht rund 43 Milliarden Franken – eine abstrakte Zahl, die das gängige Vorstellungsvermögen weit übersteigt.
Ein ganz anderer Eindruck entsteht, wenn einzelne Beteiligungen schwarz auf weiss sichtbar werden. So ist die Nationalbank mittlerweile zur fünftgrössten Nokia-Aktionärin aufgestiegen, wie die finnische Zeitung «Helsingin Sanomat» gestern vermeldete. Die SNB hält 22 Millionen Aktien, was einer Investitionssumme von 45 Millionen oder einem Anteil von 0,6 Prozent am finnischen Telekommunikationsunternehmen entspricht.
SNB als Detailhändlerin
Insgesamt 330 Millionen Euro an SNB-Investitionen stecken gemäss der Zeitung im finnischen Aktienmarkt. Eine Recherche bei den grössten gelisteten Unternehmen des Landes bestätigt den Fakt. So ist die Nationalbank beispielsweise beim Aufzugs- und Rolltreppenhersteller Kone die fünfzehntgrösste Aktionärin. 0,4 Prozent der Firma gehören aktuell der Nationalbank.
Auch an UPM, einem Hersteller von Papier, Zellstoff und Holzprodukten, ist die SNB mit 0,6 Prozent beteiligt. Das Aktienpaket entspricht einem Wert von 28 Millionen Euro oder umgerechnet 33 Millionen Franken. Bei der Kraftwerksbetreiberin Fortum ist die SNB mit 38 Millionen Franken eingestiegen und hält nun 0,3 Prozent der Aktien. In der Liste der grössten Aktionäre von Fortum steht die Nationalbank an neunter Stelle. Acht Millionen hat die SNB auch beim Detailhändler Kesko investiert. Knapp 20 Millionen SNB-Gelder stecken im Technologiekonzern Metso, einem Anlagenhersteller in der Energietechnik und im Bereich Zellstoff- und Papiertechnologie.
Finnische Transparenz
Der Einblick in die finnischen SNB-Investments ist deshalb möglich, weil das nordische Land sehr weitgehende Offenlegungspflichten hat. So sind gelistete Unternehmen verpflichtet, eine fortlaufend aktualisierte Liste ihrer grössten Aktionäre zu führen. Diese Listen sind im Internet ohne Mühe einsehbar.
In den meisten anderen Ländern bestehen Offenlegungspflichten erst ab gewissen Schwellen. In der Schweiz liegt diese Grenze beispielsweise bei drei Prozent Aktienanteil. Überschreitet ein Aktionär die Schwellenwerte von 3, 5 oder 10Prozent der Stimmrechte, muss dies der Gesellschaft und den Börsen, an denen die Beteiligungspapiere kotiert sind, gemeldet werden. Bei einem Drittel der Anteile muss zudem ein Übernahmeangebot an die restlichen Aktionäre erfolgen. Eine praktisch identische Regelung besteht in Deutschland.
Der Index-Staatsfonds
Das Engagement bei Nokia und anderen Unternehmen macht deutlich: Die SNB ist für die Schweiz praktisch zum Staatsfonds geworden. Zwar erreichen ihre Beteiligungen nicht Dimensionen, wie sie etwa der norwegische Staatsfonds mit seinem gesamten Aktien-Anlagevolumen von umgerechnet etwa 350 Milliarden Franken aufweist. Doch im Vergleich zu anderen Notenbanken ist die SNB zu einem grösseren Player auf dem Aktienmarkt geworden.
Allerdings ist die Nationalbank ein sehr passiver Investor. Wie SNB-Sprecherin Silvia Oppliger gegenüber DerBund.ch/Newsnet erklärt, bildet die Nationalbank mit ihren Aktieninvestments die grösseren Indizes nach. Im Fall des finnischen Marktes heisst dies zum Beispiel, dass sich die SNB bei den zehn grössten Unternehmen entsprechend ihres Marktgewichts einkauft. Ob sich die SNB auf nationale Indizes wie den finnischen OMX 25 oder internationale Indizes wie den Euro Stoxx 600 abstützt, ist nicht bekannt.
Verzicht auf Mitsprache
Für solche Entscheidungen zuständig ist ein SNB-internes Anlagekomitee. Wie das Reglement der Nationalbank vorschreibt, muss dieses organisatorisch weitgehend getrennt von der Geldpolitik operieren. Die relevanten Kriterien für die Geldanlage der SNB sind Sicherheit, Liquidität und Ertrag. Externe Verwalter würden als Vergleichsmassstab für die internen Portfoliomanager eingesetzt, oder falls dadurch Effizienzvorteile entstünden, besagen die Vorschriften der Nationalbank.
Ethische Richtlinien oder Ausschlusskriterien gebe es dabei nicht, sagt SNB-Sprecherin Oppliger auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet. Hier zeigt sich ein Unterschied zu Fonds wie Norges Bank: Norwegens Rentenfonds setzt bewusst auf Unternehmen, die sich in Bereichen wie Corporate Governance, Sozial- oder Umweltthemen positiv hervorheben. Firmen, die ethische Richtlinien verletzen, werden vom Anlageuniversum ausgeschlossen. Anders als Norges Bank hält sich die SNB auch aus Diskussionen über die Dividendenpolitik oder Führungsentscheide heraus, indem sie auf die Ausübung ihres Stimmrechts verzichtet, so die SNB-Sprecherin.
Im schiefen Licht
Dass die Nationalbank also plötzlich in einen Übernahmepoker oder Fusionsgeschäfte hineingezogen wird, wie es dem norwegischen Staatsfonds mit seiner dreiprozentigen Beteiligung an Xstrata zuletzt passierte, ist für den Moment also unwahrscheinlich. Trotzdem exponiert sich die SNB weiter auf dem internationalen Parkett. Was tut die Nationalbank, wenn ein grösseres Unternehmen aus Spanien oder Italien in Schwierigkeiten gerät? Laut Ökonom Maxime Botteron von Credit Suisse ist nicht ausgeschlossen, dass die SNB in Blue Chips aus dem gesamten Euroraum investiert.
«Wichtig für die Nationalbank ist, Flexibilität zu bewahren», sagt Botteron. Dass der internationale Druck auf die Nationalbank zunehmen wird, glaubt der Ökonom nicht. Erst recht nicht, nachdem sich die Berichte, wonach die SNB das Zinsgefüge in Europa massiv durcheinanderbringt, als übertrieben herausgestellt hätten. Auch Sarasin-Chefökonom Jan Poser hält das Verständnis, das Europa der Schweiz entgegenbringt, nach wie vor für hoch. «Erst wenn sich die EZB selbst zur Geldpolitik der SNB äussern würde, müsste man sich Gedanken machen», sagt er zu DerBund.ch/Newsnet. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.10.2012, 14:52 Uhr
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