«Das Steuersystem wird ineffizient»
Von Adrian Sulc. Aktualisiert am 19.01.2011 21 Kommentare
Prinz Philipp
Der Bruder des Fürsten
Seine Durchlaucht Prinz Philipp Erasmus von und zu Liechtenstein, Jahrgang 1946, ist verheiratet und Vater dreier erwachsener Söhne. Er hat Geschichte und Sozialwissenschaften studiert und ist eines der vier jüngeren Geschwister von Fürst Hans-Adam II. Seit 1979 ist er in der familieneigenen Bank tätig, seit 2001 präsidiert er die LGT Group Foundation, die Stiftung, in deren Besitz sich die LGT befindet. Die Bank mit einer Bilanzsumme von 25,2 Milliarden Franken ist in 13 Ländern auf vier Kontinenten tätig und zählt 1900 Angestellte, knapp 700 davon in der Schweiz. LGT-Kunde kann werden, wer mindestens eine halbe Million Franken, Euro oder Dollar mitbringt.(sul)
Das Ländle als Vorbild
US-Wünsche für die Schweiz
In einer Depesche der US-Botschaft in Bern an FBI-Direktor Robert Mueller, die Wikileaks am 11. Januar veröffentlicht hat, werden Liechtenstein und die Schweiz verglichen – und das Ländle gelobt: «In vielen Sachen sind Liechtensteins Regierungsvertreter so, wie wir uns die Schweizer wünschen», steht in der Depesche vom Januar 2006 zum Thema Terrorbekämpfung und -finanzierung. Das Fürstentum habe beachtliche Schritte unternommen gegen Geldwäscherei und «andere illegale Tätigkeiten». Liechtenstein würde sich gegenüber der US-Regierung sehr kooperativ verhalten, um die Reputation zu verbessern. Das findet auch Anti-Geldwäscherei-Experte Daniel Thelesklaf: «Liechtenstein hat erkannt, dass man als Finanzplatz ein erhöhtes Risiko hat und der Kampf gegen Terrorfinanzierung auch ein Kommunikationsjob ist.»(jft)
Artikel zum Thema
Stichworte
Prinz Philipp, wie haben Sie Ihr Vermögen angelegt?
Es wird Sie nicht erstaunen: Mein Geld liegt bei der LGT. Der grösste Teil davon ist im sogenannten Fürstlichen Portfolio investiert – aufgeteilt in Schweizer Franken und zu einem kleineren Teil in Euro. Über die Jahre gerechnet, habe ich so eine durchschnittliche Rendite von rund 6,5 Prozent erzielt – bei tiefem Risiko.
Sie sind als Bruder des Fürsten Präsident der LGT. Der Chef der Bank, Prinz Maximilian, ist der Bruder des Erbprinzen. Sind diese Verknüpfungen eine Tradition?
Die Bank wurde in den Zwanzigerjahren auf Initiative der Fürstenfamilie gegründet. Liechtenstein war damals ein armes Land, die Bank sollte dazu beitragen, Wachstum zu erzeugen. Bevor mein Bruder Hans-Adam II. die Regierungsgeschäfte übernahm, war er selbst Präsident der Bank. Und bevor ich Bankpräsident wurde, war ich Chef der LGT.
Stellt die Verbindung der staatstragenden mit der kommerziellen Seite des Fürstenhauses kein Problem dar?
Natürlich könnte dem so sein. Doch wir unterscheiden klar zwischen diesen beiden Aufgaben. Unsere Bank untersteht genau den gleichen Vorschriften wie alle anderen Institute in Liechtenstein. Wir erhalten keine Sonderbehandlung.
Aber natürlich haben Sie einen direkten Draht zu Ihrem Bruder . . .
Wie gesagt, da gibt es keine Einmischung, keine besonderen Gespräche – gar nichts. Liechtenstein ist ein sehr kleines Land, da ist alles transparent.
Sie haben gestern 500 Schweizer Bankkunden nach Bern geladen. Sie kommen als Aushängeschild?
Ja, da mache ich mir keine Illusionen. Wie jedes Familienunternehmen strahlen auch wir eine gewisse Langfristigkeit aus. Wir denken in Generationen. Zudem haben wir unser eigenes Geld in der Bank – wenn die Sache schiefgeht, kann sich der Kapitän nicht in einem separaten Boot verabschieden.
Erfahren Sie als Blaublüter besonderen Respekt in der Bank?
Das kann ich nicht beurteilen. Wir haben immer einen offenen und unkomplizierten Stil gepflegt. Bei mir im Büro ist die Tür offen, es gibt kein Zeremoniell. Ich besuche selbst auch Kunden, etwa im Nahen und Mittleren Osten.
Färbt das Offshorebanking negativ auf das Fürstenhaus ab?
Natürlich gibt es immer wieder Attacken. Wenn man jemanden beurteilt, müsste man eigentlich überall den gleichen Massstab ansetzen. Interessanterweise ist der Massstab dennoch oft davon abhängig, ob man ein grosses oder ein kleines Land beurteilt. In gewissen Fällen ist das eklatant.
Liechtenstein galt – zumindest bis vor kurzem – als sicherer Hafen für Schwarzgeld.
Dem haben wir uns zu stellen. Liechtenstein hat eine klare Weissgeldstrategie formuliert, die in den letzten Jahren konsequent umgesetzt wurde. Wir schlagen allen Ländern vor, mit uns Doppelbesteuerungsabkommen abzuschliessen. Inzwischen haben wir zwei Dutzend Abkommen unterzeichnet, die den Informationsaustausch in Steuerfragen nach dem OECD-Standard regeln.
Dies geschah aber erst auf internationalen Druck hin.
Moment. Dann würde ich auf der anderen Seite sagen, es ist ja interessant, dass wir zu einem gewissen Zeitpunkt auf eine schwarze Liste gesetzt wurden. Wenn man nach den Kriterien fragte, die dazu führten, dass man auf so eine Liste gelangte, herrschte Schweigen oder die Kriterien wurden zurechtgebogen. Sie haben heute grosse Länder, in welchen Sie immer noch anonyme Konten haben können. Uns ist wichtig, dass für alle die gleichen Regeln gelten.
Haben Sie zum Thema Steuerhinterziehung nicht auch einen ethischen Standpunkt?
Den habe ich absolut. Ich finde es vollkommen normal, dass man seine Pflicht als Bürger erfüllt. Ich habe jahrelang in Frankreich gearbeitet und meine Steuern bezahlt – verhältnismässig hohe Steuern. Doch ich vertrete auch den Standpunkt, dass eine Steuer verhältnismässig und das Steuersystem verständlich sein muss. Hier hat man in gewissen Ländern Grenzen erreicht, wo dies schwierig geworden ist.
Ist das ein Rechtfertigungsgrund für Steuerhinterziehung?
Das ist es nicht. Ich sage einfach, dass das System ineffizient wird.
Tragen Sie als Banker eine Verantwortung dafür, dass Ihre Kunden die Steuern bezahlen?
Wir haben klar gesagt: Wir nehmen keine Kunden mehr, bei denen offensichtlich ist, dass sie Steuern hinterziehen. Letztlich kann ich als Banker aber nie hundertprozentig meine Hand dafür ins Feuer legen, dass ein Kunde seine Steuern bezahlt hat. Bestehenden Kunden, die allenfalls unversteuerte Gelder haben, sagen wir: «Bitte überlege dir das.»
Was passiert mit Ihren ausländischen Bankkunden?
Jede Person hat ein Recht auf Privatsphäre. Deshalb ist hier eine Grenze zu ziehen. Mit den OECD-konformen Abkommen zum Informationsaustausch können wir das. Wenn die Vertragspartner mit einem konkreten Verdacht auf uns zukommen, dann gibt man Auskunft. Das ist heute der Standard. Was hingegen ein automatischer Informationsaustausch eigentlich bringen soll, ist überhaupt nicht klar. Da ist eine Abgeltungssteuer für die «Altlasten» wohl eine sehr viel effizientere Lösung: Die Staaten bekommen das Geld und müssen keinen grossen Apparat aufbauen.
Als 2008 der Datendiebstahl bei der LGT bekannt wurde, gab es keine Weissgeldstrategie. Was dachten Sie, als Deutsche-Post-Chef und LGT-Kunde Klaus Zumwinkel vor laufenden Kameras verhaftet wurde?
Interessant ist, dass bei seiner Verhaftung schon die Kameras aufgebaut waren. Da muss man sich fragen, welche Spielregeln gelten. Es fragt sich auch, was es bedeutet, wenn jemand mit gestohlenen Daten Geschäfte machen kann. Natürlich hat uns der Diebstahl einen Schaden zugefügt. Die Kunden waren verunsichert.
Würden Sie nicht ebenso handeln, wenn Sie in der deutschen Regierung sässen?
Das sind Gedankenspiele. Die erste Sache, die ich in einem solchen Fall tun würde: ein anderes Steuersystem einführen, eine Flatrate-Tax. Heute gibt es über zwanzig Länder, welche diese haben, und sie fahren verhältnismässig gut. In Liechtenstein haben wir ebenfalls ein relativ einfaches Steuersystem. Ich zahle 18 Prozent Einkommenssteuer. Was soll ich mir noch die Mühe machen, über irgendwelche Kanäle Steuern zu sparen?
Würden Sie anderen Ländern zur konstitutionellen Monarchie raten?
Ich habe hier keine Ratschläge zu geben. Ich sage nur, dass wir verhältnismässig gut gefahren sind. Ein grosser Vorteil ist die Kleinheit des Landes, es ist sehr transparent. Wie in der Schweiz ist der Bürger der Souverän: Er hat das letzte Wort, wenn er will. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.01.2011, 20:28 Uhr
Kommentar schreiben
21 Kommentare
Bei tiefem Risiko, eine Rendite von 6.5 Prozent. Unglaublich, die Rendite ist in Liechtenstein bei der LGTdoppelt so hoch - im Vergleich zu den Angaben von Versicherungen und Pensionskassen in der Schweiz. Irgendwas stimmt nicht - bei uns in der Schweiz! Antworten
Flatrate Tax !? Das ich nicht lache. Neoliberales Blendwerk. Soll nun mit weiteren Steuergeschenken an die Ultrareichen das Steuerhinterziehen legitimiert werden wärend im gleichen Atemzug den Bürgern noch mehr Wohlstand abgezogen wird? Die Neoliberale Agenda bringt den meisten Bürgern rein überhaupt nicht's. Wirklich. Im Gegenteil, man hat immer weniger. Antworten
Wirtschaft
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.



