Wirtschaft

Das Restrisiko der Grossbanken

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 26.03.2011 7 Kommentare

Mehr Eigenkapital mag nicht im Interesse der UBS sein, aber es ist im Interesse der Schweiz. Höhere Vorschriften bedeuten mehr Sicherheit und sind gut fürs Private Banking.

Was UBS-Chef Oswald Grübel verschweigt: Je höher das Eigenkapital, desto tiefer die Boni.

Was UBS-Chef Oswald Grübel verschweigt: Je höher das Eigenkapital, desto tiefer die Boni.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

Stichworte

SwissquoteExklusiver Trading-Partner

[Alt-Text]

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) ist die führende Investmentbank in Asien. Nun meldet die «Financial Times», dass diese Position bedroht ist: In Singapur und Peking laufen der UBS die Topleute davon, weil sie sich offenbar unterbezahlt fühlen. Oswald Grübel, dem Chef der Bank, passt das natürlich nicht. Seit Monaten führt er einen Kreuzzug gegen den sogenannten Swiss Finish. So nennt man die Auflagen, welche die Banken hierzulande zusätzlich zum internationalen Abkommen «Basel III» erfüllen müssen. Bundesrat, Finanzmarktaufsicht (Finma) und Nationalbank wollen, dass Schweizer Banken deutlich mehr Eigenkapital halten müssen als in Basel III vorgeschrieben. Mehr Eigenkapital jedoch mögen Investmentbanker überhaupt nicht: Ihre Boni sind an die Eigenkapitalrendite gekoppelt, und diese wiederum ist höher, je tiefer das Eigenkapital ist. So gesehen, ist es verständlich, dass Grübel über Wettbewerbsnachteile wettert. Er verteidigt die Interessen der Bank – dafür wird er schliesslich bezahlt. Wie steht es aber um die volkswirtschaftlichen Interessen?

Cashcow Private Banking

Die Kernkompetenz des Finanzplatzes Schweiz ist das Private Banking. Die Reichen und die Superreichen kommen mit ihren Vermögen nach Genf und Zürich, weil sie Rechtssicherheit, politische Stabilität und Topservice der hiesigen Banken schätzen. Höhere Eigenkapitalvorschriften sind gut für dieses Geschäft. Es bedeutet mehr Sicherheit, und genau das lässt die «Very High Net Worth Individuals» besser schlafen. So gesehen, ist die im Swiss Finish vorgesehene Eigenkapitaldecke von 19 Prozent eher dünn. Fachleute könnten sich bis zu 40 Prozent vorstellen. Zwar wird im Investmentbanking das grosse Rad an der Wallstreet oder in der City of London gedreht. Trotzdem profitieren die beiden Grossbanken vom Standort Schweiz. Ihre Investmentbank-Tätigkeiten sind implizit durch den Schweizer Steuerzahler abgesichert. Als systemrelevante Banken sind UBS und CS bekanntlich «too big to fail».

Rückversicherung: Steuerzahler

Für Investmentbanker ist dies die beste aller Welten. Für sie gilt: «Kopf – ich gewinne, Zahl – du verlierst.» Denn sie können ihre internationalen Wetten quasi rückversichern. Volkswirtschaftlich hingegen geht die Rechnung nicht auf. Die UBS hat zwischen 2004 und 2009 im Investmentbanking 41,7 Milliarden Franken verloren. Im gleichen Zeitraum hat die CS in diesem Bereich gerade mal 6,1 Milliarden Franken verdient. Daran ist nicht die Finanzkrise schuld. Der Bankenspezialist Claude Baumann hat in seinem Buch «Swiss Banking – wie weiter?» ausgerechnet, dass die reale Wertschöpfung der Schweizer Finanzindustrie wegen der hohen Verluste im Investmentbanking von 6,8 Prozent in den Achtzigerjahren auf 0,8 Prozent in den Nullerjahren gesunken ist.

Ohne es zu ahnen, haben die Schweizer Steuerzahler in jüngster Zeit ein riesiges Risiko mitgetragen. Dank dünner, aber von Steuerzahlern rückversicherter Eigenkapitaldecke haben die Banker jedes Risikobewusstsein über Bord geworfen. 2007 war die Bilanzsumme von UBS und CS zusammen rund siebenmal so gross wie das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz. Zum Vergleich: In Irland haben es die drei grössten Banken nur auf das doppelte BIP gebracht, und trotzdem hat ihr Crash die Grüne Insel in den Staatsbankrott getrieben. Wer, bitte, möchte das «Restrisiko» der Banken weiter mittragen? (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.03.2011, 10:21 Uhr

7

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

7 Kommentare

willi aerne

26.03.2011, 09:01 Uhr
Melden

Die implizite Staatsgarantie bzw. die Garantie durch den Steuerzahler fördert den "moral hazard", d.h. es werden zu grosse Risiken eingegangen, weil man ja sowieso gerettet wird. Dass die Banker am liebsten so weiter machen würden wie gehabt war mir schon zu Beginn der Krise klar. Gibts was Besseres als durch das Volk garantierte Riesenboni? Man muss das abstellen! Antworten


Marc Wyss

26.03.2011, 12:59 Uhr
Melden

Der Staat uebernimmt das grosse Risiko unserer Gross Banken, die Direktoren kassieren hohe Salaere und uebermaessige Bonis.... Nach einem Jahr angestellt in einer Bank, haben diese Leute genug Geld nicht mehr arbeiten zu muessen ihr ganzes Leben. Darum koennen sie auch machen was sie wollen im Geschaeft.... sie wollen noch mehr verdienen und falls die Lotterie nicht funtioniert....jae nuh........ Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Telefonbuch

Marktplatz

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.