Das Gespenst «Double Dip» macht die Runde

Aktualisiert am 30.05.2010

Erst grad sachte aus der Rezession gekommen, fürchtet Grossbritannien ein erneutes Abrutschen in eine rückläufige Konjunktur.

Es droht ein neuer Fall: Zimmermann bei der Arbeit auf dem Dach.
Bild: Keystone

Grossbritannien könnte nach Einschätzung der britischen Handelskammer BCC wieder in die Rezession fallen. Die Erholung sei weiterhin schwach, sagte BCC-Chef David Kern am Sonntag. Es wäre nicht weise, die Gefahr eines nochmaligen Abtauchens (»Double Dip») zu missachten, wie Kern sagte. Die Krise in der Euro- Zone und die Unruhen an den internationalen Finanzmärkten drohten, die britischen Wachstumsaussichten zu schwächen. Deswegen sollten weitere Sparmassnahmen - über die bereits beschlossene Sparrunde von rund sechs Milliarden Pfund hinaus (zehn Milliarden Franken) - erst eingeführt werden, wenn die Erholung sicherer sei.

Die BCC erhöhte ihre Erwartungen an die Steigerung der britischen Wirtschaftsleistung in diesem Jahr auf 1,3 Prozent von zuvor 1,0 Prozent. Fürs kommende Jahr stellt die Handelskammer allerdings nur noch ein Wachstum der Wirtschaft von 2,0 Prozent anstelle der bisher prognostizierten 2,1 Prozent in Aussicht. Die Arbeitslosigkeit werde im ersten Quartal 2011 mit 2,65 Millionen Menschen ohne Job ihren Höhepunkt erreichen.

Die britische Wirtschaft erholt sich derzeit von ihrem tiefsten Abschwung seit dem Zweiten Weltkrieg. Entscheidungsträger gehen davon aus, dass es Jahre dauert, bis die Wirtschaft wieder auf das Niveau wie vor der Rezession zurückkehrt.

EU-Haushaltskommissar warnt vor zu rigidem Sparkurs in Europa

«Mir macht Sorgen, dass die Politik der überzogenen Konsolidierung in Deflation münden könnte», sagte EU-Haushaltskommissar Janusz Lewandowski dem deutschen «Tagesspiegel» (Montagsausgabe). Dies könne eine «nächste Welle von Problemen» bringen. In Krisen werde leider häufig an der Zukunft gespart, warnte er. «Die Sozialausgaben bleiben gleich, aber die Investitionen sinken.» Aber selbst das überschuldete Griechenland müsse Zukunftsinvestitionen finanzieren können, um Wachstum zu erzeugen und die Milliardenkredite zurückzahlen zu können. Als ein Problem in der EU nannte er ferner den deutschen Exportüberschuss, da aber lasse sich nichts von oben verordnen. Der EU-Haushaltskommissar warnte ferner, dass die Euro-Krise noch nicht ausgestanden sei. Auch wenn «zurzeit wieder etwas mehr Stabilität» herrsche, drohe weiter «die Ansteckung mit der Griechenland-Krankheit in anderen Ländern». Er gab allerdings zu bedenken, dass statt weiterer Interventionen nun Prävention gefragt sei. Lewandowski plädierte für eine «zusätzliche fiskalische Kontrolle» der nationalen Haushalte, auch wenn dies nicht besonders willkommen sei. «Es geht nicht anders», sagte er. (cpm/sda)

Erstellt: 30.05.2010, 08:41 Uhr

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