Das Geld sitzt lockerer

Von Robert Mayer. Aktualisiert am 03.02.2010 3 Kommentare

Die Konsumentenstimmung bessert sich - doch solange aber die Schweizer Haushalte ihre wirtschaftliche Situation skeptisch beurteilen, wird vom Privatkonsum nur schwerlich eine Belebung der Konjunktur ausgehen.

Erwacht nun die Kauflust? Ein Paar testet im Möbelhaus Ikea in Spreitenbach Matratzen.

Erwacht nun die Kauflust? Ein Paar testet im Möbelhaus Ikea in Spreitenbach Matratzen.
Bild: Keystone

Zum Jahreswechsel hat sich die Stimmung unter den Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten noch einmal verbessert. Sie gaben sich nicht nur mit Blick auf die generelle Wirtschaftslage, sondern auch bezüglich ihrer persönlichen finanziellen Situation optimistischer. In der Folge stieg der vierteljährlich erhobene Index der Konsumentenstimmung im Januar auf 7 Punkte, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) gestern mitteilte. Im Oktober 2009 hatte das Stimmungsbarometer noch 14 Zähler aufgewiesen, im Juli 39. Der Index beruht auf einer Umfrage bei rund 1100 Haushalten.

Von weniger negativ zu positiv

Dabei zeigt sich über alle Fragen hinweg eine verbesserte Einschätzung. Günstiger beurteilten die Haushalte namentlich die künftige Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Was die Bewertung der eigenen Arbeitsplatzsicherheit betrifft, so ist auch hier mehr Zuversicht spürbar, doch liegt dieser Subindex mit 107 Punkten (nach 118 Zählern im Oktober) immer noch deutlich unter seinem langjährigen Durchschnittswert. Anders der Subindex über die Beurteilung des Zeitpunkts für grössere Anschaffungen: Im Januar ist er von 3 auf +10 Punkte und damit über den historischen Durchschnittsstand geklettert.

Für Bruno Parnisari, in der Seco-Direktion für Wirtschaftspolitik zuständig für Konjunkturfragen, kommt die zuversichtlichere Stimmungslage «ziemlich überraschend», obgleich in den Nachbarländern eine vergleichbare Entwicklung zu beobachten sei. Parnisari verweist dabei auf die Situation vor Jahresfrist, als die Konsumenten, beinahe täglich mit schlechten Nachrichten konfrontiert, zutiefst verunsichert gewesen seien. Als sich dann aber im Verlauf des Jahres abzeichnete, dass die schlimmsten Befürchtungen doch nicht eintrafen, begannen sie rasch wieder, Vertrauen zu fassen. Claude Maurer, Ökonom bei der Credit Suisse, teilt diese Einschätzung: «Aus weniger negativ wird dann mit einem Mal positiv.» Ausserdem hat das Konsumklima laut Maurer vom Aufschwung an den Börsen profitiert. Und die Leute hätten auch realisiert, dass sie lohnmässig von der Krise gar nicht so stark getroffen worden seien, wie sie Anfang 2009 befürchtet hatten. In der Summe hätten all diese Faktoren dazu beigetragen, «die ausgeprägte Konsumzurückhaltung zu überwinden», sagt der Credit-Suisse-Ökonom.

Stimmung bleibt schwankend

Parnisari wie Maurer sehen im privaten Konsum eine Konjunkturstütze auch für das laufende Jahr. Beide Experten rechnen jedoch im Jahresverlauf mit einem Auf und Ab, in dem sich nicht zuletzt die zwischen Zuversicht und Skepsis schwankende Stimmungslage der Konsumenten widerspiegle.

Was Maurer mit Blick auf den Konsum vorsichtig stimmt, ist der Umstand, dass die befragten Haushalte die generelle Wirtschaftslage deutlich besser beurteilen als die eigene Situation. Letztere sei aber entscheidend für die Bereitschaft zu grösseren Anschaffungen. Exemplarisch offenbart sich diese Diskrepanz in der Beurteilung der Arbeitslosigkeit einerseits und der eigenen Jobsicherheit anderseits. Erst wenn sich das subjektive Gefühl, die Stelle auf sicher zu haben, weiter verfestigt, besteht laut Maurer Aussicht auf eine deutliche Zunahme des Privatkonsums.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.02.2010, 06:19 Uhr

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3 Kommentare

Barbara Grunder

03.02.2010, 07:51 Uhr
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Logisch wird weniger konsumiert, das Geld fehlt zum Teil, die Kreditkarten sind dauernd "überzogen", es klemmt an allen Ecken und Enden. Mann/Frau hat jahrelangauf "Pump"gelebt, irgendwann platzt auch diese Blase, und die nächste Krise folgt auf dem Fusse. Antworten


Felix Schragenbarth

03.02.2010, 08:07 Uhr
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Die einen hinterziehen Steuern, die andern wollen das Geld nicht ausgeben. Wo liegt da die Zuversicht auf Besserung? Antworten



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