Bundesrat Burkhalter löst Run auf Hörgeräte aus
Von David Vonplon. Aktualisiert am 18.06.2011 3 Kommentare
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Wartezeiten bei Ohrenärzten, Schlangestehen bei Akustikern und volle Auftragsbücher bei den Hörgeräteherstellern: Anfang Jahr hat ein Boom die Branche erfasst, der bis heute anhält. «Wir stellen einen regelrechten Run auf Hörgeräte fest», sagt Thomas Löhr, Chef von Fielmann Schweiz. Die Optikerkette bietet mittlerweile in mehr als einem Dutzend Filialen auch Hörgeräte an. Löhr spricht von Umsatzzuwächsen von 20 bis 25 Prozent.
Nicht viel anders sieht es bei der Konkurrenz aus: «Uns rennen die Kunden sprichwörtlich die Hütte ein», sagt Christian Ruthishauser, Geschäftsführer von Amplifon, der grössten Akustikerkette in der Schweiz. Luca Mastroberardino, Chef des Hörgeräteherstellers Phonak Schweiz, spricht derweil dezent von einer «starken Nachfrage». Nachdem der Markt letztes Jahr noch schrumpfte, verzeichnet dieser nun zweistellige Zuwachsraten.
Schluss mit Selbstbedienung
Verursacher des Ansturms ist Bundesrat Didier Burkhalter. Er hat die Vergütungsbeiträge massiv gekürzt: Ab Mitte dieses Jahres gewährt die Invalidenversicherung Hörgeschädigten nur noch eine Pauschale von 840 Franken pro Gerät. Bislang profitierte der Hörbehinderte von weit grosszügigeren, je nach Grad der Behinderung abgestuften Beiträgen von 1395 bis 2100 Franken. Überdies profitierte er von einem «All inclusive»-Angebot in der Betreuung: Dazu gehörte eine garantierte Versorgung für die nächsten sechs Jahre sowie beliebig viele Nacheinstellungen durch einen Fachmann.
Ab dem 1. Juli jedoch werden die Leistungen massiv gekürzt: «Dann wird der Kunde gezwungen sein, selber bei mehreren Akustikern vorbeizugehen und auszuhandeln, was er für sein Geld erhält», sagt Erwin Gruber, Zentralsekretär der Hörgeschädigten-Organisation Pro Audito. Der Verband hat in den vergangenen Wochen und Monaten seiner Klientel dringend geraten, noch vor dem 1. Juli einen Akustiker aufzusuchen. Denn solange die Preise nicht sinken würden, seien es die Betroffenen, die massiv mehr aus dem eigenen Sack bezahlen müssten. Davon geht der Bund aber nicht aus: «Wir rechnen damit, dass die Preise mit dem Pauschalvergütungssystem deutlich sinken werden», erklärt Harald Sohns, Sprecher des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV). Hält der Hörgeschädigte selber nach dem Gerät seiner Wahl Ausschau, sorgt dies für Konkurrenz- und Preisdruck, so die Annahme.
Branche erwartet Preisrutsch
Entsprechende Hinweise gebe es bereits: So würden Akustiker derzeit mit massiven Rabatten für den Kauf von Hörgeräten werben. Mit dieser Hoffnung steht der Bund nicht alleine da: «Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Preise in Bewegung geraten werden, wenn die Vergütungsbeiträge der Kassen kleiner werden», sagt Thomas Löhr von Fielmann. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.06.2011, 06:08 Uhr
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3 Kommentare
Dies ist mal wieder ein schönes Beispiel dafür, dass die Menschen den Staat als Selbstbedienungsladen ansehen und am liebsten dauernd abzocken würden. Unser gesamtes Sozialsystem ist doch total krank und marode. Hier endlich auszumisten, wäre eine Aufgabe für mutige Politiker/innen. Doch da die meisten "Volksvertreter/innen" selber gerne den Staat abzocken, wird sich auch künftig nichts ändern.... Antworten
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