Wirtschaft
Brüssel will den Ratingagenturen an den Kragen
Aktualisiert am 15.11.2011 21 Kommentare
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- Jetzt stehen die Ratingagenturen am Pranger
- Fitch will Rating für Griechenland höchstens auf «B» erhöhen
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Drei Ratingagenturen mit langer Geschichte und US-amerikanischen Wurzeln beherrschen den weltweiten Markt für die Benotung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten. Doch wem gehören diese Finanzdienstleister heute eigentlich?
Standard & Poor's (S&P)
Der Ratingriese ist Teil des Gemischtwarenladens McGraw-Hill. Dieser ist ein börsennotierter Medienkonzern, der unter anderem Schulbücher verlegt. An McGraw-Hill wiederum sind grosse Investmentfonds beteiligt sowie Unternehmenschef Harold McGraw.
Bis Ende 2012 soll der US-Konzern aufgespalten werden - S&P versucht dann den Alleingang. In der vergangenen Woche patzte S&P mit einer Falschmeldung: Die Ratingagentur hatte Frankreich versehentlich die Top-Bonität aberkannt. Schuld sei ein Computerfehler gewesen, erklärte S&P hinterher.
Moody's
Moody's ist der härteste Konkurrent von S&P und ist selbst börsennotiert. Anteile halten bekannte, eher unauffällige Investmentfonds, aber auch Investoren-Legende Warren Buffett, der mit seiner Firma Berkshire Hathaway auf 12,3 Prozent der Moody's-Anteile kommt.
Fitch
Die kleinere Nummer drei geht ebenfalls auf einen US- amerikanischen Gründer zurück. Sie gehört heute aber zu 60 Prozent dem börsennotierten französischen Finanzinvestor Fimalac.
Die restlichen Anteile hält der US-Medienkonzern Hearst (Cosmopolitan, Elle, ESPN). Hinter Fimalac steht der in Frankreich weit vernetzte Geschäftsmann und Unternehmer Marc Ladreit de Lacharrière. (sda)
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Die EU-Kommission will den Einfluss der Ratingagenturen brechen, deren Herabstufungen von Euro-Ländern wiederholt zu den Turbulenzen in der Schuldenkrise beigetragen haben. «Ihre Macht ist zu gross», sagte der zuständige EU-Kommissar Michel Barnier heute in Strassburg. Die EU-Kommission plant unter anderem, dass die Ratingagenturen bei schweren Fehlern für die Schäden von Investoren haften müssen.
«Die Bewertungen haben einen direkten Einfluss auf die Märkte und die Wirtschaft», sagte Barnier. «Und Ratingagenturen haben in der Vergangenheit ernste Fehler gemacht», begründete der Franzose eine Reihe von Vorschlägen, mit denen er die europäischen Länder, Finanzmärkte und Unternehmen unabhängiger von den Bonitätsprüfern machen will. Die neuen Regeln sollen die Abhängigkeit von den Ratings reduzieren, den Wettbewerb erhöhen und die Transparenz verbessern.
Wiederholt Turbulenzen verursacht
Herabstufungen der Kreditwürdigkeit von Euro-Ländern haben wiederholt Turbulenzen an den Finanzmärkten verursacht. Den Vorschlägen zufolge sollen solche Länder-Ratings daher in Zukunft nur noch ausserhalb der Börsenöffnungszeiten veröffentlicht werden dürfen. Die Ratingagenturen sollen die Gründe für eine Benotung zudem umfassend offen legen. Nicht aufgenommen in die Kommissionsvorschläge wurde die Forderung Barniers, die Bewertung der Länder zu verbieten, die wie derzeit Griechenland internationale Notkredite erhalten.
In den vergangenen Monaten hatten die Ratingagenturen immer wieder Unmut auf sich gezogen, da sie in heiklen Situationen die Kreditwürdigkeit von Ländern wie Griechenland herabstuften. In die Kritik geriet vergangene Woche zudem die Agentur Standard & Poor's, da sie eine falsche Meldung über die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs verschickt hatte. In Zukunft sollen die Agenturen für Schäden haftbar gemacht werden können, die etwa durch grob fahrlässige Bewertungsfehler entstehen.
Markt von wenigen Schwergewichten beherrscht
Barnier will zudem die Abhängigkeit von den Ratings verringern, indem Finanzinstitute auch selbst die Risiken von Wertpapieren analysieren. Ratingagenturen sind zwar keine Aufsichtsbehörden, inzwischen haben sie aber im Prinzip diese Rolle inne. Da der Markt von wenigen Schwergewichten beherrscht wird (siehe Info-Kasten), will die EU-Kommission die Konkurrenz erhöhen und die Stellung kleiner Wettbewerber stärken. Barnier plant zudem ein Rotationsprinzip: Demnach soll eine Agentur ein Wertpapier oder den Herausgeber eines Wertpapiers nur noch maximal drei Jahre gegen Bezahlung bewerten dürfen.
Es soll aber dabei bleiben, dass in der Regel der Herausgeber eines Wertpapiers die Bewertung bezahlt – nicht der an dem Papier interessierte Investor. «Offensichtlich fehlt der EU-Kommission der Mut zu tiefgreifenden Reformen», kritisierte der SPD-Finanzexperte im Europaparlament, Udo Bullmann. «Weder die Interessenkonflikte bei der Bezahlung von Ratings noch die Schwierigkeiten bei der Bewertung von ganzen Volkswirtschaften werden ausreichend berücksichtigt.»
Neben den EU-Mitgliedsstaaten muss auch das EU-Parlament den Vorschlägen zustimmen. Unter EU-Parlamentariern sorgte für Enttäuschung, dass Barnier die Idee zum Aufbau einer unabhängigen europäischen Ratingagentur nicht vorantreibt. «Leider hat die Kommission die vom Parlament geforderte Machbarkeitsstudie zur Schaffung einer unabhängigen europäischen Bewertungsstiftung zur Belebung des Wettbewerbs bisher nicht vorgelegt», kritisierte der FDP-Abgeordnete Wolf Klinz. (ami/AFP)
Erstellt: 15.11.2011, 17:59 Uhr
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21 Kommentare
Nein, Brüssel will an die Macht. Das ist die Schlagzeile. Aber eben: Nur weil man den Fiebermesser kaputt macht, geht das Fieber nicht weg. Es ist der Griff nach Sarkozys Vision einer von Frankreich dominierten zentralistischen EUdssR, die hier durchgedrückt werden soll. Der Plan lautet: Zentralismus, geschmiedet aus Aungst. Hoffentlich merkens Bürger der einzelnen Länder! Antworten
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