Bloss weg vom Silber
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 06.05.2011 57 Kommentare
Rohstoffpreise
Innerhalb von vier Tagen ist der Silberpreis um ein Viertel eingebrochen: Silbergranulat wird in Leipzig in eine Graphitform geschüttet. (Bild: Keystone )
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Was sich gestern an den Rohstoffmärkten ereignet hat, wird mit Attributen wie «Massenliquidation», «historisch» oder «gesunde Marktkorrektur» bezeichnet. In Zahlen drückt sich das wie folgt aus: Der wichtigste Index für Rohstoffpreise, der Reuters-Jefferies CRB Index, ist um rund 5 Prozent gesunken, der grösste Einbruch seit der Finanzkrise. Ein Fass Öl ist mehr als 12 Dollar oder beinahe 9 Prozent billiger geworden. Der Ölpreis ist wieder unter hundert Dollar pro Fass gesunken. Aber auch Kakao, Kupfer, Gold, Zucker und Baumwolle – kurz sämtliche Rohstoffe – haben an Wert eingebüsst. Was sind die Gründe für diesen Mini-Crash?
Erstens: Spekulanten suchen das Weite. Obwohl der Liter Benzin an der Tankstelle ein paar Rappen billiger werden sollte, ist der Rohstoff-Crash alles andere als Good News. Der wichtigste Grund liegt nämlich darin, dass allmählich klar wird, dass die Weltwirtschaft wieder in den Kriechgang verfällt. Gleichzeitig sind Öltanks und andere Rohstofflager gut gefüllt. Spekulanten, die auf weiter steigende Preise gesetzt haben, sehen ihre Felle davonschwimmen und haben kalte Füsse bekommen. Viele Hedgefonds haben im grossen Stil verkauft.
Zweitens: Das Verhalten der beiden Notenbanken. Die Pressekonferenz von Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hat nicht das erwartete Resultat gebracht. Allgemein war erwartet worden, dass der Inflationsfalke weitere Zinserhöhungen zumindest in Aussicht stellen würde. Stattdessen gab sich Trichet sehr gemässigt und sprach von einer längeren Zinspause. Das wird so interpretiert, dass auch die EZB von einer schwächeren Konjunktur in Euroland ausgeht.
Das US-Federal Reserve System (Fed) hingegen will QE2 auslaufen lassen. Mit diesem Programm sind die langfristigen Zinsen künstlich tief gehalten worden. Das hat den Dollar weich werden lassen. Jetzt hingegen rechnen die Märkte mit einer leichten Erstarkung des Dollars. Weil die meisten Rohstoffe in Dollar gehandelt werden, sinkt der Preis.
Drittens: Ein paar kleinere Blasen sind geplatzt. Bei verschiedenen Rohstoffen ist es zu spekulativen Übertreibungen gekommen. Ein Beispiel: Der Silberpreis ist innerhalb eines Jahres um mehr als 150 Prozent angestiegen. Innerhalb von vier Tagen ist er nun um ein Viertel eingebrochen. Gestern betrug der Verlust erneut 8 Prozent. Gerade bei Gold und Silber hat eine Mischung aus Angst vor Inflation, Unvernunft und Spekulation zu teilweise absurden Höhenflügen geführt, die jetzt teilweise korrigiert werden.
Der Mini-Crash an den Rohstoffmärkten ist keine Trendumkehr. Die Weltbevölkerung wächst nach wie vor. In Asien entsteht eine neue Mittelschicht, die einen westlichen Lebensstil anstrebt. Das bedeutet, dass Energie und Lebensmittel langfristig knapper und damit teurer werden. Kurzfristig jedoch sind die Märkte sehr volatil. Es kann zu raschen und sehr schmerzhaften Korrekturen kommen. Wer also glaubt, mit Investitionen in Rohstoffe auf todsichere Art und Weise das grosse Geld zu verdienen, sollte sich das nochmals gut überlegen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.05.2011, 11:30 Uhr
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57 Kommentare
Kann man auch einmal einen kompetenteren Mann beim Tagi ranlassen? Herr Löpfe ist einfach ein Mainstream nachplapperer. Die Schulden sind nicht vom Tisch.Es ist immer noch viel zu viel billiges Geld da. Der Dollar hat einen klitzekleinen Hüpfer gemacht. Die Inflation wird wieder anziehen. Die Aktienmärkte überbewertet. Das Papiergeld ist am Arsch. Kauft Gold liebe Schweizer! Antworten
Nur Panikmache. Das Problem besteht nur für Papier-Spekulanten. Langfristige physische Investoren werden jetzt zugreifen. Denn hinter dieser "Blase" stecken massive Preismanipulationsmanöver der Fed. In erster Linie soll der Dollar gerettet werden, der kurz vor dem Exitus stand. Dazu muss man auf Öl, Silber und Gold hauen. Die Fundamentaldaten habe sich ja nicht geändert - im Gegenteil. Antworten
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